Literarische Wirksamkeit.
— — Ich habe in der letzten Zelt einige Romanzen geschrieben: „Tannhäuser im Venusberge“, „Götz von Berlichingen und der Schmied“, „Die zwei Räuber.“ — Ich denke zum Winter eine kleine Sammlung Poesien drucken zu lassen. Meine Schauspiele sind jetzt unter der Presse. „Das Gespenst auf Herlufsholm“ ist schon beendet und „Garrick“ wird es bald. Dem Theater etwas einsenden, thue ich kaum wieder. Ich habe es satt, mich dem Mäkeln und Kritteln zu unterziehen. „Sucht euch einen andern Knecht“! sagt Göthe im Vorspiel zu Faust. Ich habe jetzt diese Karten der weltlichen Eitelkeit so lange gespielt, habe so oft die Vorhand und Zwischenhand gehabt, und bin mit guten Karten in der Hand beet geworden; kann ich nicht in der Hinterhand sein — und meiner Sache gewiß — so passe ich. Die Welt will immer etwas Neues, und daß Adam Oehlenschläger Schauspiele und Verse schreiben kann, ist ja was Altes und Abgedroschenes. Indessen besucht mich meine Muse doch noch immer, hat mich ganz lieb, und findet mich auch nicht zu alt für ein Liebesabenteuer mit ihr.
Dina in Wien.
Kopenhagen, den 13. December 1845.
Ueber „Dina's“ Schicksal in Wien hat Castelli mir die Hiobspost gesandt, daß die Schauspieler gegen sie kabalisirten; aber vor einigen Tagen erhielt ich eine ganz entgegengesetzte Nachricht vom Director Holbein selbst. „Von einer Kabale — schreibt er — ist nicht nur keine Spur vorhanden, sondern vielmehr das Gegentheil. Mit Sorgfalt und Theilnahme für Gedicht und Dichter wird die Aufführung vorbereitet, und bald wird nichts dem schönen Kinde in den Weg treten.“ Da aber der religiöse Schluß, die Scene mit dem Mönch, in dem katholischen Wien nicht geduldet werden kann, so bat Holbein mich, eine „Schlußrede“ für Dina, ehe sie zum Tode geht, zu schreiben. Eine solche habe ich gedichtet und schreibe sie hier ab:
Die Stunde ruft, die Glocke schlägt.
Die flücht'gen Gaukelbilder schwinden;
Das arme Herz ist tief bewegt —
Zum letztenmal — bald wird es Ruhe finden.
Und hab' ich auch viel Sorg' und Spott —
Nicht ohne eigne Schuld — erlitten —
Doch dank' ich für mein kurzes Leben Gott;
Der harte Kampf ist ausgestritten.
Was klag ich, daß die Freude wich,
Daß eitle Hoffnung schnell verschwunden?
Weit schöner ist die Ros' als ich,
Und lebt nur ein'ge Morgenstunden.
Der Greis — oft ohne Lebensglück —
Ermattet sank, nach wiederholten Streben.
Gesund und jung geb' ich Natur zurück,
Die schöne Blüthe, die sie mir gegeben.
Und dieses warme, volle Herz, —
Im Tode wird es Glück erwerben —
Es schwingt sich freudig himmelwärts —
Ich weiß es, meine Seele kann nicht sterben.