Der Gartenkünste Meister liess,
Bei nimmermüdem Streben,
Für Segewold ein Paradies
Auf Oeden sich erheben.
Und noch ein neues Werk erstand,
Von seiner Kunst und Meisterhand:
Die Grotte sein, auf Höhen,
Soll ferne Zeit noch sehen.

Die Liven-Grotte schuf Natur;
Die seine, hoch daneben:
Sieht unter sich, in Thalesflur,
Der Landschaft Reiz und Leben.
Da mass die Jungfrau Segewold;
Und sah, bestrahlt von Abendgold,
Den Liebling täglich eilen,
Sein Glück mit ihr zu theilen.

Hier mochte sie, auf grüner Bank,
Den Bräutigam erwarten:
Der, wenn sein Tag hinuntersank,
Verliess den Blüthengarten.
Mit Blumen war, von ihm gepflückt,
Die Grotte täglich neu geschmückt;
Bis ihr von Rosenstunden
Die letzte heut' geschwunden!

Denn heut', in früher Morgenstund',
(Was nie bisher geschehen!)
Liess Heil an sie, durch Boten-Mund,
Den lauten Wunsch ergehen:
Sie möge nach dem Mittagmahl',
Zum Gange nach dem Höhlenthal',
In Liebe sich bequemen,
Und — »Scheidegruss« vernehmen!

Er habe noch der Arbeit Viel
Am Abend, zu besorgen;
Und — Fahrt ins Weite sei das Ziel,
Schon für den nächsten Morgen.
Er wolle, wenn sein Glück entweicht,
Die Braut, zum letzten Mal vielleicht,
In seiner Grotte schauen;
Und And'res — Gott vertrauen.

Die Eltern, um ihr Wort befragt,
Den Gang ihr zu gewähren:
Sie mögen, was sie nie versagt,
Auch heute nicht verwehren. —
Ob Ahnung, ob es Laune war:
Geschmückt, wie vor dem Traualtar,
Erscheint, im Festgewande,
Die schönste Braut im Lande.

Und sieh, der letzte Gang beginnt!
Er nimmt sie fort von Treiden!
Sie aber wandelt still und sinnt,
Und weilet noch im Scheiden! —
Dann, wie der Sonne Majestät
In Wolken freundlich untergeht,
Und stirbt, im Abendrothe:
Geht Rosa-Mai — zum Tode!...


Die Freude sieht die Stunde nur
Wie Augenblick entschwunden;
Der Sehnsucht — dehnt die Zeitenuhr
Zu Tagen oft Sekunden!
Vergebens fleht der Alten Blick
Die Tochter ihrem Haus zurück!
Sie wandelt hoch — und ferne —
Auf unbekanntem Sterne!