Denn sie, mit Flötenton, begann:
»Dir gilt mein Habsal wenig!
Doch wisse: wer das Tuch gewann,
Ist reicher, denn ein König!
Kein Tuch, in allem Erdenreich',
Ist dieser Wundergabe gleich;
Zu eigen soll es dir gehören,
Doch lass' mich ziehen, frei, mit Ehren!
»Es wohnt im Tuche Zauber-Macht!
Sein Schmuck, in bösen Stunden,
Und auch im Dampfe wilder Schlacht:
Befreit von Todeswunden.
Es rettet Leben Dir und Leib; —
Dem starken Mann, dem schwachen Weib',
Vermag nicht Blei, noch Stahl und Eisen,
Die sich're Seele zu entreissen.« — —
Sofort der wilde Junker spricht:
»Lass' deine Künste fahren!
Mich retten deine Zauber nicht;
Mich soll der Muth bewahren!
Wenn Schwert und Panzer nicht beschirmt,
Wo mir der Tod entgegenstürmt;
Nicht Muth und Kraft mir Sieg verleihen,
Kann mich dein Flitter nicht befreien.« —
Er wirft die gold'ne Busenzier
Der keuschen Brust entgegen;
Und fühlt nur freche Lustbegier
Das Räuberherz bewegen.
Er stürmt auf sie, wie Wetterstrahl!
Da bleibt ihr nur die Todeswahl;
Und horch! ihr Schicksal zu beschämen,
Lässt muthvoll sie das Wort vernehmen:
»Den Zauber, der im Tuche wohnt,
Soll deine That beweisen!
Vertraue mir! das Tuch verschont
Den Leib vor deinem Eisen.
Mich lähmt kein Schlag von dieser Welt;
Und auch kein Tropfen Blutes fällt:
Ob Dolche, Schwerter, Lanzenspitzen,
Des Feindes, auf mich niederblitzen.
»Umringt den Hals mein Rosatuch,
Wie gleich es mag geschehen:
So bet' ich meinen Zauberspruch,
Dann sollt ihr Wunder sehen.
Erhebe deinen Stahl der Schlacht!
Fall' aus mit deiner Riesenmacht!
Nur ziele muthig nach der Kehle!
Dann sicher bleibt mir Leib und Seele.« —
Wie nun den weissen Hals umwand
Das Tuch von Gold und Seide:
Entriss mit Ingrimm seine Hand
Den Würgerstahl der Scheide.
Besessen, wie von Tiegerwuth,
In seinem Blick' der Hölle Gluth:
So liess, dem Satan heimgefallen,
Der Wüthrich diesen Ruf erschallen:
»Ist also dem, so wäre schier
Dein Flitterstaat zu loben;
Sei denn bereit! ich will an dir
Des Tuches Kraft erproben.
Das Eine soll entschieden sein:
Das Tuch ist, oder Du bist mein!
Mein Schicksal ruft! es soll erklären,
Ob deine Wunder sich bewähren!« — —
Ich sah nun, kurze Weile fort,
Den Rosenmund sich regen;
Mir aber klang das leise Wort,
Als wär' es Zauber-Segen.
Es war jungfräuliches Gebet,
Um letzte Kraft, von Gott erfleht!
Das hab' ich gläubig erst empfunden,
Da schon ihr Leben war entschwunden.
Sie warf den milden Scheideblick
Nach Segewold hinüber;
Da mass sie das verlorne Glück!
Da ward ihr Auge trüber!
Doch schnell die Augen abgewandt,
Den letzten Blick zu Gott gesandt:
Lag sie bereit, dahin zu gehen —
Dem grossen Tod' das schöne Leben. —