Geliebte Du, in fernen Räumen!
Wann sich die Geisterstunde neigt:
Umfangen wir Dein Bild in Träumen;
Dein Bild, das uns die Palme zeigt.

Dein treu bewährtes Tugendleben,
So lang es hier auf Erden ging:
War eine Landschaft, mild und eben,
Gefasst in einen Blumenring.

Da war kein Berg mit Silberminen,
Kein Alpenstrom, der Gold verhiess;
Kein Schloss der Vorzeit in Ruinen,
Kein Thurm mit seinem Burgverliess.

Es war die reichste Blumenwiese;
Durch die sich, wie ein Ordenband,
Ein Perlenquell vom Paradiese,
Vorbei an Frucht-Alleen wand.

Nur Unschuld, Ehre, Treue gingen
Einher, bei frohem Lerchensang;
Und Engel nur mit Rosaschwingen.
Umflogen sie auf jedem Gang.

Ein Hüttchen stand, im Sonnenglanze:
Da flocht, bei stillem Heitersinn,
Ein Gärtner an dem Bürgerkranze,
Für seines Glückes Königin.

Doch — neidisch brachten dunkle Mächte,
Dem Glück', des Todes Richterspruch!
Der Sonne folgten Schauernächte;
Da war die Flur ein Leichentuch!

Mein Himmel schwand! — Wie dort in Flammen
So mancher Weltenbau verging:
So fiel mein Paradies zusammen;
Und — Grab nur blieb, was ich umfing!

Du aber konntest nicht verlieren —
Den Schmuck, der auch den Engel ziert!
Das Schicksal wollte Dich verführen,
Du aber hast den Tod verführt.

Charakter — porenloser Wille,
Der gold'ne Saat für Welten trägt:
Hat Dir, in Deiner Sabbathstille,
Gedankengold zu That geprägt.