Der junge Arzt legte die Flanellmaske auf. »Sind Sie ein Selbstmörder?« fragte er dabei.
»Nein, nein, es war nur ein Fluchtversuch – ein Unglück. Man wollte mich heilen, gegen meinen Willen – ich will nicht geheilt sein –«
»Ja, ich verstehe Sie. Man wollte Sie zu einem anderen Berufe zwingen, weil Sie als Apotheker doch wieder dem Morphium verfallen wären, das wollten Sie nicht.«
»Ich will nicht – ich will nicht. – – –«
Das Bewußtsein schwand, Turnau führte die nothwendige Amputation aus, Schwester Clarissa arbeitete ihm wunderbar in die Hand. Augenscheinlich war der Körper, als die Beine unter ihm weggerissen wurden, mit furchtbarer Wucht hintenüber auf die Steinplatten des Bahnhofes geschleudert, denn es wurde auch ein complicirter Schädelbruch festgestellt.
Nachdem die Verbände angelegt waren, fragte die Schwester, ob Turnau den Stumpf des anderen Beines, der im Nothverband lag, nicht auch abnehmen wolle.
»Keinenfalls, ohne ausdrückliche Anweisung des Professors,« antwortete der junge Mann, sich eifrig die Hände waschend.
»Chloroform,« stöhnte der Kranke, der schon wieder zu sich kam, da er als Morphinist sehr unempfänglich für die Einwirkung narkotischer Mittel war.
Turnau trat an den Tisch heran. »Ich darf Ihnen jetzt höchstens Morphium geben,« erklärte er. »Die Operation ist vorüber, eine andauernde Narkose könnte höchstens den Erfolg haben, Ihr Leben abzukürzen, vielleicht sehr rasch zu enden.«
»Was liegt daran« – murmelte der Unglückliche. Turnau wendete sich an die dienende Schwester. »Geben Sie ihm immerhin Chloroform,« sagte er leise, »der arme Kerl hat das Leben satt, ein Genuß mag es auch in seiner Lage nicht sein.«