Er goß auf, nahm den Puls des Kranken in die Hand und sah unwillkürlich um sich.
Das ganze blutige Bild des Zimmers, der Geruch der Maske, des Jodoforms und des Karbols erregte ihm schon nach wenigen Augenblicken einen derartigen Ekel, daß er sich vollständig außer Stand fühlte, das einmal übernommene Liebeswerk zu Ende zu führen.
Wie sollte er auch eigentlich dazu kommen, sich kurz vor seinem Abgange noch möglicher Weise mit dem Professor zu überwerfen um dieses fremden, gleichgültigen Menschen willen!
Freilich, auch dieser Kranke war Morphinist – gegen seinen Willen wollte man ihn heilen – das Resultat des Versuches war diese Flucht, vielleicht war es dennoch eine Flucht aus dem Leben gewesen.
Wie hatte doch die Schwester gesagt? »Der Tod ist der Sünde Sold.« Vor langer Zeit hatte Wilhelm Turnau diesen Spruch auch in der Schule gelernt. Sollte er jetzt die Bedeutung der alten Lehre erkennen?
Aber immerhin war dieser Kranke kein Opfer der Verkaufsbeschränkungen, sondern nur ein Opfer verwandtschaftlicher Vorurtheile. Soweit hatten ihn seine lieben Angehörigen gebracht, nun versagte auch noch die erbarmende Liebe der Nonne seinen Todesqualen gegenüber.
Sollte die Einsicht des mit seinen Ansichten so allein stehenden Sonderlings hier allein stand halten?
Wieder schwand das Bewußtsein des Operirten. Der Puls setzte aus.
Wenn ich noch einmal aufgieße, ist er todt, sagte sich der Arzt.
Zögernd griff seine Hand nach der schwarzen Flasche.