Peinlich unangenehm berührt, erhob sich der Arzt. Seine kühle Begrüßung durch eine ganz kurze Verbeugung schien die erregte, vielleicht verzweifelte Frau nicht zu sehen.

»Alles ist verrathen, ich bin verloren, mein Mann hat Verdacht geschöpft, Professor Schrödter war eben bei uns. Mein Morphium, mein ganzer Vorrath« – –

Sie konnte nicht weiter sprechen, die Stimme brach ihr.

»Man hat Ihre Morphiumvorräthe gefunden und confiscirt?« fragte er.

»Ja, ja – es ist entsetzlich, ich kann nicht leben ohne Morphium. Erbarmen Sie sich, helfen Sie mir, ich habe ja nur Sie, alle Anderen verfolgen mich, hassen und quälen mich, man treibt mich in den Tod. O Gott, stehen Sie doch nicht so mitleidslos da – erbarmen Sie sich.«

»Das würde wenig helfen. Wenn ich Ihnen heute wieder Morphium gebe, wird es morgen wieder gefunden.«

»Nein, geben Sie mir eine tödliche Dosis, ich verspreche Ihnen, man wird den Rest Ihrer Gabe nur bei meiner Leiche finden.«

»Ich bedaure, gnädige Frau, einen derartigen Wunsch, in einem Augenblicke der höchsten nervösen Aufregung ausgesprochen, erfülle ich nicht.«

»Ich werfe mich vor die Eisenbahn.«

»Wenn Sie mir das vorher sagen, ist es meine Pflicht die Ausführung dieser Absicht zu verhindern.«