Er schob den Kasten von sich. Im Nebenzimmer, von welchem er nur durch eine Portière getrennt war, hörte er ein Geräusch. – Richtig – man wartet da auf ihn. Zitternd und verlangend verzehrte sich ein Weib nach seiner Liebe. –
Er konnte nicht mehr lieben. Er konnte ja seit Wochen nicht mehr genießen, – nicht mehr schlafen.
So müde, so todtmüde und doch keine Ruhe. –
Nicht mehr genießen und nicht mehr leben!
Hatte er das nicht immer gedacht, ausgesprochen sogar vor ihr – und nun?
Ja, nun war das Ende da, – nicht mehr genießen! Es war unmöglich; weder die Morphiumspritze, noch die Liebe, noch sonst irgend etwas im Leben bot ihm noch irgend einen Genuß.
Die kleine Freundin war da, so scharf, so spitz, so vertraut. Vielleicht konnte sie ihm doch noch eine – noch eine letzte Freude gewähren!
Da war ein kleines Glas – das hatte er sich reservirt für das Ende; das Ende – ja das war doch nun da.
Er entkorkt das Fläschchen. Ein scharfer Alkoholdunst schlug ihm entgegen. Man kann Morphium höchstens bis zu zwölf Procent in Wasser auflösen, stärkere Lösungen erfordern Alkohol. Es ist ein Schmerz, als ob man ein Glied in glühende Kohlen legte, wenn man sich Alkohol unter die Haut spritzt. Aber jetzt – du lieber Gott, war es denn nicht das Ende?
Er biß die Zähne zusammen. Der Arm wurde dunkelroth, es war wie ein Brand. Aber es wirkte. Das Gefühl, als ob die Knochen des Kopfes auseinanderfallen wollten, ließ nach. Er vermochte beinah wieder zu denken.