Noch einmal also! Er zog die Spritze zurück, sie rollte zur Erde.
Ja richtig, um sie wieder zu erlangen, muß man sich bücken.
Mit blöden Blicken stierte er darauf hin – wozu, wozu – wenn es doch nun einmal das Ende sein mußte?
Wenn sich das Weib nebenan doch nur ruhig gehalten hätte! Herrgott, die Sache konnte doch nun nicht mehr lange dauern!
Ohne hinzusehen, griff er in ein kleines Fach seines Schrankes. Er hielt nun einen Revolver in der Hand. Müde setzte er sich auf den Rand seines Bettes. Mit irrem Lächeln sah er die Waffe an. »Der Tod ist der Sünde Sold« – es ging aber noch weiter, der Spruch war damit nicht aus. Wie doch?, wie doch?
Richtig im Notizbuche, da mußte es stehn. – Aber das Notizbuch? Aufstehen und es holen, oder sich bücken und die Spritze aufheben? Wozu? Wozu?
Ein wahnsinniges Geräusch erfüllte plötzlich sein Hirn, wie mit eisernen Schrauben fühlte er seine Schläfen gepreßt. Die Alkohollösung war eine tötliche. Aber für ihn doch wohl nicht. – – Das Ende, das Ende! –
Er fühlte nichts mehr, er dachte nichts mehr, seine Blicke verdunkelten sich. Langsam hob er den kurzen blanken Lauf des Revolvers in die Höhe, setzte ihn fest an seine Schläfe und drückte ab. Dumpf krachte der Schuß in dem kleinen von Teppichen und schweren Stoffen verhängten Raum. –
Eine Secunde nur stand Lydia Bremer wie erstarrt, dann stürzte sie vorwärts.
Ein Blick zeigte ihr, was geschehen war. Vielleicht lebte der Mann noch, der ihr den Schimpf angethan hatte, ihre Liebe zu verschmähen – es war ihr gleichgültig; keine Minute ihrer Zeit widmete sie ihm. Sie sah das Kästchen mit seinem Inhalte von kleinen Flaschen. Geräuschlos glitt sie darauf zu und mit einem einzigen gierigen Griff ließ sie die sämmtlichen Gläser in ihrer Tasche verschwinden.