»Sie meinen? O – hm indessen, die Heimathgemeinde wird ja wohl aufzufinden sein, indeß vorläufig – die Begräbnißkosten – –«

»O bitte, Herr Stadtrath,« unterbrach Dr. Schlüter lächelnd, »damit wird die städtische Armenkasse in keiner Weise belästigt werden, das besorgt die Universität.«

»Wie meinen Sie das?«

»Ich meine die Anatomie.«

»Ah so, ich verstehe, meinen verbindlichsten Dank.«

Sehr befriedigt über die Wendung, die diese fatale Sache für den Säckel einer hochlöblichen städtischen Armenverwaltung genommen hatte, entfernte sich der Herr Stadtrath. Dr. Schlüter begleitete ihn zur Thür und sah dann nach der Uhr. Die beiden Besuche hatten ihn länger aufgehalten, als er gedacht hatte. Um zehn Uhr war die Section angesagt, und er hatte kaum noch Zeit, sich dazu umzukleiden.

Der Chef der Klinik hielt vor einem großen Kreise junger Mediciner einen Vortrag an der Leiche. Wegen der Mißbildung des Rückens lag der nackte Körper auf der Seite. Der Secirtisch war blank gescheuert und kalt. Die Leiche sah bei dem elektrischen Lichte, das grell auf sie fiel, schauerlich grün aus, mit grauschwarzen Todtenflecken am ganzen Leibe. Der geschorene Kopf mit dem unedlen Profil und dem offenen Munde machte einen fratzenhaften Eindruck.

Blitzend und eisig fuhr das Instrument des Professors in den Körper hinein und machte den ersten Schnitt. Die weitere anatomische Arbeit besorgten die Assistenten und Diener, aber der Professor erklärte, zeigte, sprach und lehrte. Der Vortrag war äußerst geistvoll, der Gegenstand hochinteressant.

Die Universitätskasse ruinirte sich nicht bei den Begräbnißkosten dieser Todten, die inneren Organe, die alle mißgestaltet und ungewöhnlich waren, kamen fast ausnahmslos in Spiritus. Die Knochen des ganzen Körpers einschließlich des Kopfes wurden vom Fleische befreit, präparirt, gekocht, mit Chlor abgerieben, mit Draht verbunden, und es entstand aus ihnen das schönste anormale Scelett, was je eine medicinische Hochschule besessen hatte.

Der Diener der Anatomie trug am späten Abend eine festzugeschraubte Kiste mit menschlichen Resten zum Todtengräber.