»Line,« flüsterte er an der düsteren Gestalt herauf. –
»Line, bist Du das denn wirklich? In lauter Stücke haben sie Dich geschnitten und ausgenommen, wie ein geschlachtetes Thier, und Deine Knochen blank gescheuert, und dann haben sie Dir nicht die Ruhe im Grabe gegönnt, und nun stehst Du da und bist todt?«
»Aber was wollen Sie denn,« rief Dr. Schlüter zugleich entrüstet und erschrocken, »was faseln Sie, was rütteln Sie an dem Scelett? Um Gotteswillen, es ist mehrere hundert Mark werth, lassen Sie es los, Sie zerbrechen es ja.«
»So – es ist mehrere hundert Mark werth?«
Der Respect vor dieser Summe lähmte den Arm des Proletariers. Er trat scheu zurück, aber in seinen Augen loderte eine wilde Drohung.
»Sind das hier die Knochen von meiner Frau?« fragte er mit finsterer Miene.
»Ja,« entgegnete der Arzt, »aber wer hat Ihnen das gesagt?«
»Draußen Einer, ein Wärter wird es ja wohl gewesen sein,« antwortete die Tochter für ihren Vater.
»Warum ist das Weib nicht begraben? Es war ein armes Weib und bös, ja sie war bös, aber ein Grab war sie doch wohl werth, man scharrt ja einen Hund ein,« grollte der Mann.
»Darauf kommt es hier gar nicht an,« erklärte der Kliniker. »Wenn hier jemand stirbt, für den niemand die Verpflegungs- und die Begräbnißkosten bezahlt, so kann das Institut – ich meine die Doctoren können dann mit der Leiche machen, was sie wollen.«