Er zeigte beim Tanze die seltsamsten Verrenkungen.

An diesem Tage gab uns einer der Eingeborenen ganz für sich am Strande ein unterhaltendes Schauspiel. Er hatte eine Rassel in der Hand und um den Hals eine Schnur, woran einige Büschel Seegras hingen; um die Beine trug er ein etwa handbreites, gut geflochtenes, manschettenartiges Netzwerk, an das reihenweise eine große Menge von Hundszähnen befestigt war. Nunmehr ließ er sich im Tanze sehen und zeigte uns dabei die seltsamsten Verrenkungen. Diese Pantomime hatte zuweilen etwas unwiderstehlich Lächerliches, im großen und ganzen konnte ich aber ihren Sinn nicht recht verstehen. Gegen Abend ging das Schauspiel der Faustkämpfe von neuem an, und am Schlusse brannten wir den unbedeutenden Rest unseres Vorrates von Feuerwerk ab; nichts in der Welt schien mehr die Bewunderung der Hawaiier zu erregen, nichts schien ihnen einen deutlicheren Begriff von unserer Überlegenheit zu geben als ebendiese Kleinigkeit.

Die Schiffszimmerleute waren nun schon 3 Tage abwesend und hatten nichts von sich hören lassen. Wir fingen daher an, um ihren Verbleib besorgt zu sein. Der alte Ka-u, dem wir unser Bedenken äußerten, ward darüber nicht weniger unruhig. Und schon trafen wir gemeinsam mit ihm Maßnahmen, sie aufzusuchen, als sie alle wohlbehalten zurückkamen. Sie hatten nämlich weiter, als wir anfänglich geglaubt, landeinwärts gehen müssen, um die zu ihrem Vorhaben tauglichen Bäume zu finden. Teils dieser Umstand, teils die schlimmen Wege und die Beschwerlichkeiten des Transports hatten sie so lange aufgehalten. Ihre Führer konnten sie nicht genug rühmen: diese guten Leute hatten immer für Lebensmittel gesorgt und zugleich sorgfältig ihre Gerätschaften bewacht.

Der folgende Tag war endlich zu unserer Abreise bestimmt. Terriobu ließ nunmehr Kapitän Cook und mich in die Gegend von Ka-us Hütte zu sich laden. Bei unserer Ankunft fanden wir den Boden ringsherum mit Zeugbündeln bedeckt; ferner lag eine erstaunliche Menge roter und gelber Federn da, die an Kokosfasern gebunden waren, und eine beträchtliche Anzahl Beile und anderes Eisengerät, das die Eingeborenen durch den Tauschhandel mit uns an sich gebracht hatten. Nicht weit davon bemerkten wir einen ungeheuren Haufen Früchte, Wurzeln und Pflanzen aller Art nebst einer beträchtlichen Herde Schweine. Wir wußten anfänglich nicht, ob wir dies alles als Geschenk annehmen sollten, bis uns Kärikia belehrte, daß es eine Gabe, ein Tribut der Eingeborenen an den König sei. Sobald wir uns niedergelassen hatten, kamen auch die Hawaiier und legten ein Bündel nach dem andern dem König zu Füßen, breiteten die Zeuglappen vor ihm aus und legten Federn und Eisengerät zur Schau. Der König schien an diesem Beweise ihrer Ergebenheit Wohlgefallen zu haben, suchte ungefähr ein Drittel von dem Eisengeräte, ebensoviel von den Federn und einige wenige Stücke Zeug aus, ließ sie beiseite legen und schenkte dann Kapitän Cook und mir alles übrige Zeug nebst allen Früchten und Schweinen. Wir erstaunten über Wert und Größe des Geschenks, das alles, was wir je auf den Freundschaftsinseln bekommen hatten, bei weitem übertraf. Unsere Boote mußten es sogleich an Bord führen, wo die größten Schweine zum Einsalzen ausgesucht, die Früchte hingegen nebst etwa 30 kleineren Schweinen unter die Mannschaft verteilt wurde.

An demselben Tage verließen wir das Marai und brachten unsere Zelte nebst der Sternwarte an Bord. Der Talisman, der in dem Worte »Tabu« steckte, war kaum hinweggenommen, so stürzten die Eingeborenen in den freigegebenen Bezirk und suchten emsig umher in der Hoffnung, irgend etwas Wertvolles zu finden, das wir etwa zurückgelassen haben könnten. Ich war als letzter am Lande geblieben und wartete auf die Rückkehr des Bootes, das mich abholen sollte. Bald versammelte sich eine Menge Leute um mich her, und ich mußte mich niedersetzen. Sie stimmten dann über unsere Trennung eine Wehklage an, und mir selbst ging es nahe, mich von ihnen loszureißen. Bei dieser Gelegenheit wird man es mir nicht verdenken, wenn ich einen geringfügigen Umstand erzähle, der hauptsächlich mich selbst betrifft. Während unseres ganzen Aufenthaltes in der Bucht hatte ich über unsere Leute das Kommando gehabt und war ebendadurch genauer mit den Eingeborenen bekannt geworden als manche andere, die ihrer Berufsgeschäfte wegen hatten an Bord bleiben müssen. Die Eingeborenen ihrerseits kannten auch mich besser und gaben mir durch ihr Betragen ihre Zuneigung zu erkennen. Vor allem aber zeichneten sich ihre Priester aus, deren grenzenlose Güte und unerschütterliche Freundschaft ich nicht genugsam anerkennen und nicht zu oft rühmen kann. Da ich keine Gelegenheit vorbeigehen ließ, mir ihre Liebe zu sichern, war ich auch so glücklich gewesen, mir diese in dem Maße zu erwerben, daß sie mir die allerschmeichelhaftesten Anerbieten machten: ich solle doch ihren dringenden Bitten Gehör geben und bei ihnen bleiben. Ich entschuldigte mich damit, daß Kapitän Cook seine Einwilligung nicht geben würde. Allein, dieser Einwendung suchten sie durch den Vorschlag zu begegnen, ich solle mich in das Gebirge flüchten, wo sie mich bis nach Abreise unserer Schiffe verbergen könnten. Hiergegen versicherte ich, daß der Kapitän auf keinen Fall die Bucht ohne mich verlassen würde. Demzufolge begaben sich Terriobu und Ka-u zu Kapitän Cook, für dessen Sohn sie mich hielten, und brachten ihr Gesuch, daß ich bei ihnen zurückbleiben sollte, förmlich bei ihm an. Um ein Anerbieten, das so viel teilnehmendes Gefühl verriet, nicht geradezu von sich zu weisen, erwiderte er, daß er mich zwar diesmal nicht entbehren könne, allein nächstes Jahr, wenn er die Insel nochmals zu besuchen gedächte, würde er sich bemühen, alles nach ihrem Wunsche einzurichten.

Frühmorgens am 4. Februar lichteten wir Anker und segelten in Begleitung der »Discovery« und im Gefolge einer großen Anzahl von Kanus aus der Bucht. Kapitän Cook hatte sich vorgenommen, die noch unbekannte Küste von Hawaii völlig zu untersuchen, wobei er noch einige Hoffnung hatte, irgendwo eine etwas mehr geschützte Reede als die, wo wir bisher gelegen, anzutreffen. Schlug diese Erwartung fehl, so wollte er die Südostseite von Mauwi in Augenschein nehmen, wo laut den Nachrichten einiger Insulaner ein vortrefflicher Hafen vorhanden sein sollte.

Das Wetter war sowohl an diesem als am folgenden Tage sehr still, und wir machten nur sehr langsame Fortschritte nordwärts. Noch immer begleitete uns eine Menge von Kanus, und Terriobu gab dem Kapitän dadurch einen neuen Beweis seiner Freundschaft, daß er ihm ein ansehnliches Geschenk von Schweinen und Früchten nachschickte.

In der folgenden Nacht suchten wir mit Hilfe einer leichten Brise, die vom Lande her wehte, nordwärts weiterzukommen und befanden uns am 6. Februar früh, nachdem wir die westliche Spitze der Insel umschifft hatten, einer tiefen Bucht gegenüber, die die Eingeborenen Tu-ja-ja nennen. Es schien so, als ob wir hier einen sicheren und bequemen Hafen antreffen würden, da im ganzen die Lage gut gedeckt war und sich nordostwärts einige schöne Wasserbäche zeigten. Hiermit stimmte auch Koahs Aussage völlig überein, der bis jetzt den Kapitän Cook noch immer begleitete und uns zu Ehren den Namen »Britanni« angenommen hatte. Wir setzten daher ein Boot aus und schickten den Lotsen mit unserem Britanni als Geleitsmann ab, um die Bucht zu untersuchen, während sich die Schiffe durch Lavieren ebenfalls langsam in die Bucht hineinarbeiteten. Nachmittags überzog sich der Himmel, und die Windstöße vom Lande her wurden so heftig, daß wir alle Segel einziehen und unter dem einzigen Kreuzstagsegel beilegen mußten. Zu Anfang des Sturms verließen uns alle Kanus. Auch rettete der Lotse bei seiner Rückkehr eine alte Frau und zwei Männer, deren Kanu der Wind umgeworfen hatte. Außer diesen Verunglückten befanden sich eine große Anzahl Frauen an Bord, die die Männer in ihrer Hast, sich selber zu retten, zurückgelassen hatten.

Gegen Abend ließ der Sturm etwas nach und gestattete uns, unsere Segel fallen zu lassen. Gegen Mitternacht jedoch setzte er mit solchem Ungestüm wieder ein, daß wir unsere beiden Marssegel dabei einbüßten. Gegen Morgen am 7. Februar heiterte sich der Himmel auf. Wir banden frische Segel an die Stengen und schifften mit gelindem Winde weiter. Indes hatte sich gegen Mittag das Wetter immer noch nicht entschieden, und da wir bis auf 5 Seemeilen von der Küste abgekommen waren, getraute sich keiner von den Eingeborenen, in seinem Kanu zu uns zu kommen. Unsere weiblichen Gäste mußten also, größtenteils wider ihren Willen, noch länger bei uns vorliebnehmen, obgleich sie alle von der Seereise krank waren und viele von ihnen ihre Säuglinge am Ufer zurückgelassen hatten.

Nachmittags näherten wir uns dem Lande, wennschon der Wind noch immer in heftigen Stößen kam. Ungefähr in einer Entfernung von 3 Seemeilen erblickten wir ein Kanu mit 2 Männern, die vermutlich im letzten Sturm verschlagen worden waren. Sie ruderten auf uns zu, und wir legten bei, um sie an Bord zu nehmen. Allein, die Unglücklichen waren von ihrer Anstrengung so erschöpft, daß sie, wofern nicht einer unserer Hawaiier ihnen zu Hilfe in ihr Kanu gesprungen wäre, dieses allein schwerlich an dem Strick, den wir ihnen zuwarfen, hätten befestigen können. Wir hatten Mühe, ihnen an den Seiten des Schiffs hinaufzuhelfen und sie an Bord zu bringen. Auch fanden wir jetzt in demselben Kanu ein Kind von etwa 4 Jahren, das sie unter einem Quersitz festgebunden hatten, wo es nur mit dem Kopf über das Wasser hervorragte. Nunmehr erfuhren wir, daß sie bereits am vorletzten Morgen das Ufer verlassen und seit der Zeit weder Speise noch Trank zu sich genommen hatten. Wir reichten ihnen beides mit der gewohnten Vorsicht und übergaben das Kind der Pflege eines Weibes. Am folgenden Morgen hatten sie sich sämtlich erholt.