Am andern Tag kam ein Negerboot an unser Schiff mit drei Schwarzen, die sich Wasser in die Augen gossen und von uns den Treueid forderten, den wir auch in der gleichen Weise leisteten. Dennoch wollten sie uns nicht trauen, sondern fuhren um unsern »Kurprinz« herum wie die Mäuse um den Speck. Endlich kamen sie doch an Bord und versprachen, den nächsten Tag mit Elfenbein wiederzukommen. Ihre Furcht rührt daher, daß oft französische Schiffe kommen und unter dem Vorwande, handeln zu wollen, die ins Schiff gelockten Neger gefangennehmen und nach Westindien als Sklaven verkaufen. Erst am dritten Tage kam das Kanu wieder mit ungefähr 1000 Pfund Zähnen. Die andern aber blieben aus. Für das Elfenbein handelten sie Kupferkessel, Kleider und eine Flinte ein. Nachmittags fuhr ich mit dem Kapitän an Land, um zu sehen, ob sie so viel Elfenbein hätten, wie sie vorgaben. Da wir noch einen Pistolenschuß vom Lande waren, kamen an die fünfzig Schwarzen ans Ufer und schrien, wir sollten ans Land kommen. Doch trauten wir ihnen nicht; denn sie sind so böse, daß sie Europäer oft lange gefangenhalten, bis diese sich mit ein paar tausend Reichstalern an Waren ausgelöst haben. Zudem konnten wir nicht landen, da die Brandung dermaßen hoch ging, daß die Strandwellen unser Fahrzeug, wenn sie es gepackt, in tausend Stücke zerschlagen hätten. Die Mohren versuchten immer wieder, uns ans Land zu locken, kamen mit einem Kanu an unser Boot gefahren, zeigten uns wohl an 1000 Pfund Zähne, die sie, wie sie riefen, gern an unser Boot brächten, wenn es die Brandung erlaubte. Am vierten Tage nahm der Kapitän de Voß einige Waren und fuhr wieder zur Küste. Die Neger brachten einen Schwarzen in sein Boot und begehrten dafür einen Matrosen als Geisel. Als das geschehen, begannen sie den Handel, hatten aber doch den Schelm im Nacken, insofern sie dem Schwarzen befohlen hatten, aus unserm Boot zu springen und ans Land zu schwimmen, worauf wir dann unsern Matrosen teuer hätten auslösen müssen. Wir merkten aber den Possen, zogen deshalb unserm Mohren einen Rock an und knöpften diesen ihm von oben bis unten zu, daß wir ihn daran festhalten konnten. Als er den Rock aufzuknöpfen und sich zur Flucht bereitzumachen begann, nahmen wir, als wir es merkten, einen Strick und banden ihn so lange fest, bis sie unsern Matrosen wieder ins Boot brachten. Das geschah ihrerseits mit großem Bedenken und Unterhandeln, indem sie ihn schon zu bereden angefangen hatten, er möchte bei ihnen bleiben. Zuletzt brachten sie uns unsern Mann und nahmen den ihrigen wieder mit.

Wir lichteten die Anker und gingen südwärts nach Kap Miserada, wo wir unsre Fregatte »Morian« wieder trafen, die uns drei Tage vorher verlassen hatte. Auf unser Flaggensignal kam der Kapitän Blonck alsbald an Bord des »Kurprinzen« und teilte mir mit, daß mein Fähnrich v. Selbing in den letzten Zügen liege. Ich traf ihn am nächsten Morgen besinnungslos an, er starb zwei Stunden später an der Landseuche, und da ich nicht wagen konnte, ihn am Lande zu begraben, ließ ich ihn in die See versenken.

Nachmittags fuhr ich mit beiden Kapitänen an Land, mit keinem Gewehr versehen, weil mir Kapitän Blonck versichert hatte, die Neger wären ruhige Leute, die man leicht durch die Schußwaffen erschrecken und vom Handeltreiben fernhalten könnte. Wie wir nun an Land kamen, fanden wir dort gegen fünfzig baumstarke Schwarze mit wenig Frauen und zweien ihrer Häuptlinge. Anfänglich handelten sie ehrlich, zuletzt aber begannen sie, miteinander heimlich zu reden und meines Erachtens sich zu beraten, wie sie uns alle möchten gefangennehmen. Und es wäre sicher zu Mißhelligkeiten gekommen, wenn sich nicht ein alter Häuptling dazwischengelegt und die andern hart mit Worten gestraft hätte. Als wir solches merkten, zogen wir uns in unser Boot zurück, nachdem wir versprochen, am nächsten Tage mit vielen Waren wiederzukommen. Inzwischen dankten wir Gott, daß wir mit heiler Haut unser Schiff erreichten. Seitdem habe ich es mir zur steten Warnung dienen lassen, nie unbewaffnet mehr an Land zu gehen. Denn die Neger hätten uns nur alle gefangenzunehmen brauchen und hernach so viel Lösegeld zu begehren, wie sie wollten, hätten uns auch wohl allen können die Köpfe abschlagen (nach erhaltenem Lösegeld), und es hätte kein Hahn darnach gekräht. Dabei wären wir nicht die ersten gewesen, denen es so ergangen.

Des andern Tags besetzte Kapitän de Voß die Schaluppe mit einigen Bootsleuten und fuhr mit einem der Ingenieure an Land. Es wäre ihm aber beinahe übel bekommen; denn der Schwarzen waren an die zweihundert, unsere Leute aber an Zahl nur acht und nur mit Degen und Pistolen bewaffnet, mit denen sie nicht viel ausrichten konnten. Sie mußten deshalb ihre Waren weggeben, wie die Neger es wünschten. Nach Verkauf aller Güter versprach der Kapitän, andere aus dem Schiffe zu holen, stieg mit allen seinen Leuten in die Schaluppe und fuhr davon.

Den dritten Tag nahm ich 30 bewaffnete Soldaten und 15 Matrosen, mit denen fuhr ich samt dem Kapitän und den beiden Ingenieuren an Land, unser morsches Boot zu dichten. Wenn uns die Neger angreifen würden, gedachte ich, mit ihnen den Tanz zu wagen, und hätte mich wohl unterstanden, mit meinen 50 Mann gegen 500 zu fechten. Kaum waren wir gelandet, so ließ ich meine Pfeifer blasen, indes die andern die Fahrzeuge auf den Strand zogen, sie zu verpichen. Wie wir nun bei der Arbeit waren, kamen vier Mohren zu uns als Spione, zu sehen, ob wir bewaffnet wären. Als sie solches erkundet, blieben sie ohne Scheu bei uns, riefen auch die andern herbei, bis ungefähr 35 Neger zu uns kamen mit der Bitte, den Handel zu eröffnen. Da sie abschlägige Antwort erhielten, verkauften sie uns nur Hühner, Reis und andere Erfrischungsmittel. Einige von unseren Leuten wuschen Leinenzeug; denen ward von den Mohren ein buntes Schnupftuch entwendet. Da ich etliche Schwarze etwas ernsthaft darum befragte, fingen sie alle miteinander an so schnell buschein zu laufen, daß man sie kaum mit einem Pferde hätte einholen können. Zwei Häuptlinge aber blieben stehen, riefen die andern zurück, und einer nach dem andern mußte in den Fluß gehen, die Augen öffnen und Wasser dareingießen. Auf die ich einen Argwohn hatte, die mußten ihr Hemd ausziehen. Das tat ich, nicht wegen des gestohlenen Tuchs, sondern aus Begierde, zu wissen, was sie an ihrem Halse hängen hätten, weil ich einige Schnüre daran gewahr geworden. Da sah ich auf dem nackten Körper allerlei Fellstücke, in das sie Zähne, Klauen, Schlangenköpfe und Ähnliches mehr als Amulett vernäht hatten. Auf meinen Wunsch begannen sie, zu Ehren des Donnergottes, gegen den diese Amulette schützen sollten, zu tanzen. Einige nahmen ihre Speere, andre ihre Messer, ein Teil brummte durch die Nase. Darauf liefen sie wie verzückt mit seltsamen Gebärden im Sande herum, schrien, verletzten sich mit ihren Speeren und Messern, verdrehten die Augen, knirschten mit den Zähnen, bis zuletzt einer ganz unsinnig aus eifriger Andacht wurde. Da liefen die andern herzu, nahmen ihm mit Gewalt den Spieß aus der Hand und klopften ihm so lange auf den Kopf, bis ihm der Eifer verging und er sich besänftigen ließ. Später zeigten sie mir, wie sie wider ihre Feinde fechten. Sie liefen schnell von mir fort und wandten sich im Augenblick gegen mich, als wenn sie mich durchstoßen wollten, sprangen dabei zugleich in die Höhe, als wollten sie über mich hinwegspringen. Darauf gingen wir wieder an Bord.

Den vierten Tag lichteten wir die Anker und segelten südwärts zum Rio Sester. Als wir angesichts der Küste lavierten, kamen zwei kleine Kanus zu uns, und die Neger berichteten, der König von Sanguin ließe uns bitten, in seinem Gebiet zu ankern; sie führten uns auch zur Reede. Ich wunderte mich, daß die Schwarzen sich so weit in die See hinaus auf ihren Kanus wagen, die nichts andres sind als ein ausgehöhlter Baumstamm, ungefähr zweieinhalb Meter lang und etwas über einen halben Meter breit, darin sie auf den Füßen hocken und mit kleinen Rudern fahren. Wenn die See zu hoch geht und das Kanu umwirft, wissen sie das Wasser behende auszuschütten und sich wieder hineinzuschwingen. Unser Bootsmann wollte auch probieren, damit zu fahren; er war aber kaum auf einer Seite hineingestiegen, so lag er schon auf der andern im Wasser.

Sobald wir Anker geworfen, fuhr ich mit dem Kapitän an Land. Hier warteten viele Schwarze auf uns, die uns berichteten, daß morgen der König, der 3 Meilen flußaufwärts im Lande wohnt, an den Strand kommen werde. Statt seiner besuchte uns der königliche Prinz, der mich in dem nahe am Strande gelegenen Dorfe herumführte und mir auf seine Art große Höflichkeit erwies.

Des andern Tags kam der Prinz ins Schiff, uns die Ankunft des Königs zu melden. Weil es Mittag war, nötigte ich ihn zur Tafel und ließ während des Essens Pfeifer und Geiger spielen. Diese ihm fremde Musik schien ihn sehr zu ergötzen. Er war ein wohlgestalteter junger Mann von etwa 25 Jahren und konnte sich in unser Essen und Trinken wohl schicken. Er rührte keine Speise an, bevor er gesehen, wie ich es machte. Das merkte ich und nahm darauf mit zwei Fingern etwas Butter aus der Schüssel. Der gute Prinz fuhr alsbald mit der ganzen Hand in die Butterschüssel und hinterdrein damit so appetitlich zum Munde, daß uns allen die Lust weiterzuessen verging.

Folgenden Tags gingen wir mit der Schaluppe an Land und trafen den König, der sich Peter nannte, am Flusse in einer Negerhütte sitzen. Er empfing uns mit seinen zwei Brüdern und dem ganzen Rat sehr höflich, nötigte uns, bei sich zu sitzen, und bewirtete uns mit Palmwein. Gemäß ihrer Gewohnheit, alsbald nach dem Namen der Fremden zu fragen, begehrte auch König Peter zu wissen, wie ich heiße. Ich gab ihm zur Antwort »Peter« (denn ich wollte nicht weniger bedeuten als der König), worüber er sich sehr freute und sprach: »Ich Peter, du Peter, sei mein Freund.« Er war ein ehrbarer, alter Mann, aus dessen Augen man etwas Großes lesen konnte. Sonst war er von den andern Schwarzen an nichts zu unterscheiden als an dem Respekt, den ihm die Umsitzenden und die Untertanen zollten. Seine Autorität war so groß, daß, als uns von den Negern eine Flasche Branntwein aus dem Boot gestohlen worden war und wir unter den Hunderten den Dieb nicht herausfinden konnten, ein Wort von ihm genügte, sie uns wieder zuzustellen.

Als wir etwa eine Stunde bei dem Könige gesessen hatten, beschenkte er uns mit einem Korbe voll Reis und einem Ziegenbock, ließ uns aber eine halbe Stunde später durch den Dolmetscher um ein Gegengeschenk ersuchen. Dieser brachte seine zierliche Rede folgendermaßen vor: »König Piter mi segge, ick juw segge, König Piter segge mi, segge König Piter, Dassie hebbe, mi segge, kike Dassie.« Soll heißen: König Peter hat mir gesagt, ich soll euch sagen, er wolle gern auch sein Geschenk sehen. Wir schickten ihm darauf eine Stange Eisen, einen Kupferkessel und ein Kleid. Unterdessen kauften wir für unseren Bedarf für wenige weiße Perlen zwei Fässer Reis und an die 30 Hühner. Damit schieden wir von dannen. Die Neger hier an der Küste sprechen etwas Englisch, Holländisch und Portugiesisch durcheinander, so daß man zu tun hat, wenn man sie verstehen will, und sich meist wie bei Taubstummen der Fingersprache bedienen muß, wenn man etwas von ihnen kaufen will.