Das Land ist auch sehr reich an Geflügel, Meerkatzen und Papageien. Besonders berichtete mir der Engländer von einer Art von Affen, die Menschenverstand in ihrem Tun und Lassen hätten, nur daß ihnen die Sprache fehle, weil sie nichts als »ho« sprechen. Sie rauchten Tabak, fädelten eine Nadel ein, zapften Bier und täten alles, was man ihnen befehle. Der König von Sierra Leone fängt viele Elefanten, die er mit seinem Volk umbringt. Man treibt die Tiere mit großem Geschrei in einen Sumpf, tötet sie mit Pfeilen und verteilt dann das Fleisch unter die Jäger. Bei des Königs Residenz steht ein Baum von 30 Meter Umfang, in dem viele Namen eingeschnitten zu lesen sind.
Den andern Tag kam das erwähnte englische Schiff an, und der Gouverneur verfügte sich darauf. Wir lichteten währenddessen die Anker und liefen in See nach Kap Monte zu, das wir am achten Tage erreichten. Unsere Kranken, deren wir schon an die zwölf hatten, wurden von den frischen Früchten alle gesund.
Etliche Meilen hinter Kap Monte fängt die Grein-Küste an. Dieser »Grein«, den man auch »Malgette« nennt, ist eine Art von Pfeffer, jedoch etwas schärfer. An dieser Küste wird nicht nur Pfeffer, sondern auch gutes Elfenbein und Gold gehandelt, das die Schwarzen in den Flüssen finden. Die Eingeborenen sind hier große Fischer, fahren mit ihren kleinen Kanus 3–4 Meilen in die offene See hinaus den ankommenden Schiffen entgegen. Sind sie bei diesen angelangt, so schöpfen sie mit der rechten Hand Wasser, gießen es ins Auge und schreien »Guipo!« Auch der Kapitän des Schiffs muß so tun. Das ist der Freundschaftsschwur. Haben ihn beide Teile geleistet, so kommen die Schwarzen ins Schiff, zu handeln. Sie sind im übrigen sehr böse, diebische und verräterische Kerle, weshalb es keinem Europäer zu raten ist, aus ihren Kalebassen Wasser zu trinken oder aus ihren Pfeifen Tabak zu rauchen. Denn sie können so geschickt mit Gift umgehen, daß sie zwar als erste trinken oder rauchen, dann aber das unter den Nägeln verborgene Gift unvermerkt in die Kürbisschale oder die Tonpfeife fallen lassen, um ihrem Gegner so den Garaus zu machen.
An vielen Orten ist das Land noch wüst, da die Eingeborenen so wild sind, daß sie Menschen fressen, weswegen niemand der Schiffsmannschaft sich ans Land zu gehen traut, um die köstlichen Früchte wie Bananen, Ananas, Limonen, Pomeranzen und anderes schmackhafte Obst zu holen, das hier im Überflusse wächst.
Sie beten den Teufel an und holen sich von ihm Orakel und Rat. Desgleichen verehren sie die Toten. Alle Neumond feiern sie mit Singen und Springen ein Fest. Dabei spielen sie auf einer etwa meterhohen Trommel, die aus einem Palmbaum gehauen und ausgehöhlt und mit einer Haut überspannt ist. Darauf schlagen sie mit einem Knüppel, in der andern Hand halten sie eine Art von Kuhglocke, und auf den Armen haben sie eiserne Ringe zum Rasseln, was ihnen zusammen die lieblichste Harmonie dünkt. Die andern tanzen und jauchzen danach so lange, bis sie vor Müdigkeit umfallen. Man kann diese »liebliche« Musik bei stillem Wetter weithin auf See hören.
Als wir des Abends vor Kap Monte Anker geworfen, starb unser Kajütenwächter an der Landseuche (Malaria). Er war ein starker, gesunder Jüngling, in vier Tagen frisch, gesund, tot und begraben.
Die Mohren kamen mit einem Kanu an unser Boot gefahren.