Ihre Tücher weben sie meist selbst auf einem Gestell, das in die Erde geschlagen ist. Ebenso machen sie künstliche Matten und Säckchen aus Binsen oder Baumbast und färben sie mit Blättern oder rotem Holz unterschiedlich. Tabak rauchen sie so stark, daß sie die Pfeife nie aus dem Munde lassen. Die Frauen bereiten die Speisen zu, nämlich Rindfleisch, Hirse, eine Art von Korn, die man erst kocht, dann trocknet und in hölzernen Mörsern so fein wie Sand zerstampft. Dann wird die Hirse in einem Topf dick wie gequollener Reis gekocht, in eine hölzerne Schüssel getan und mit den Händen zu Kügelchen geknetet und gebacken. Dieses Gericht ist mir immer so vorgekommen, als wenn man bei uns Kapaunen mit Teig mästet.
Wenn von andern Dörfern die Freunde einander besuchen, so umarmen sie sich und umfaßt einer des andern mittelsten Finger, den sie geschickt so stark auseinander ziehen, daß es laut knackt.
Die Toten werden in der Erde begraben. Dann kommen die nächsten Freunde zum Grab, setzen darauf Früchte, Palmwein, eine Schüssel voll Hirse, Tabak nebst einer Pfeife, und was sie sonst noch erdenken können. War der Verstorbene ein Handwerksmann, so legen sie alles Werkzeug, was er bei seinen Lebzeiten gebraucht hat, auf das Grab, bei einem Schmiede z. B. die Zangen, Blasebälge, Ambos, Kohlen und Eisen, bei einem Fischer Netz, Angel, Fische, Reusen, und was zum Fischen nötig ist. Zudem schnitzen sie aus Holz eine kleine menschliche Figur, etwa ein halb Meter hoch. Die setzen sie auf das Grab, und kein Schwarzer darf sich unterstehen, etwas vom Grabe zu entfernen. Die Frauen, die keine hölzernen Figuren machen können, nehmen einen Wisch Stroh, binden oben anstatt des Kopfes einen Knopf und setzen das, dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen, auf das Grab.
Bei einem Begräbnisse kommen alle des Verstorbenen Freunde zusammen, 300–400 Menschen oft, und bleiben bis zum dritten Tage gewöhnlich beisammen und machen ein wunderliches Gerase: der eine springt, der andre weint, der dritte lacht, der vierte spielt, und schreien alle durcheinander. Dann stecken sie dem Toten alle seine goldnen Ringe auf die Finger und begraben ihn mit all seinem Gold, Elfenbein, Töpfen, ja, all seinem Gerät, damit er auch im Jenseits reich sei und bei dem Himmelsherrscher in Ansehen stehe. Den Leichnam geleiten sie sämtlich zu Grabe, indem sie glauben, der Verstorbene werde angesichts des großen Gefolges sofort beim Himmelsfürsten eine Audienz erlangen und ein vornehmer Mann werden.
Den dritten Tag nach unserer Ankunft kam der schon erwähnte »Wasser-Kapitän« Jan Thomas an Bord, sein Wasser und Holz bezahlt zu haben, wofür wir ein halb Viertel Branntwein und ein paar Flaschen Wein gaben. Zu beweisen, was er für ein ehrlicher Mann sei, zeigte er uns einige Empfehlungsschreiben von verschiedenen Schiffen, von denen ich das »empfehlendste« hier mitteilen will: »Der Wind weht aus Osten und Westen. Hütet euch vor den schwarzen Hunden; denn ihnen ist nicht zu trauen, weil sie falsche Schelme sind. Zur Nachricht: habe gegeben für Wasser und Brennholz eine Flinte, drei Pfund Pulver, drei Flaschen Branntwein. Sierra Leone. Das Schiff N. N.«
Später bin ich etlichemal noch an Land gegangen. Wohin ich aber auch kam, sind die Eingeborenen vor uns in den Busch geflohen, so daß ich nichts als hie und da einen Krüppel, der nicht mitlaufen konnte, daneben etwa noch eine Katze oder einen Hund angetroffen habe. Auch in den Hütten fand ich nichts als z. B. ein Messer, einen hölzernen Mörser, einen Topf und eine Matte.
Weil der englische Gouverneur, den wir bei unserer Ankunft bewirtet, uns gebeten hatte, ihn auf seiner Insel zu besuchen, setzte ich mich eines Tages mit dem Kapitän und den beiden Ingenieuren in eine Schaluppe und fuhr nach der Insel Bens, die drei Meilen stromaufwärts liegt. Unterwegs kamen wir an verschiedenen Negerdörfern vorbei, sahen auch viel Fischreusen, in denen sich die herrlichsten Fische fangen. Zahlreiche Inseln im Flusse sind sehr fruchtbar an Palmen, Limonen, Zitronen, Bananen, Ananas, Bataten und andern mir noch unbekannten Früchten mehr. Der Gouverneur kam uns entgegen und bewillkommnete uns mit sieben Kanonenschüssen, tat uns alle erdenkliche Ehre an und bewirtete uns mit köstlichen, kürzlich aus England gekommenen Weinen, auch mit Hühnern, Schafen und einem Wildschwein, das ein Neger diesen Abend zu unserm Glück geschossen hatte. Dieses Wildbrets gibt es viel auf den Inseln.
Die englische Faktorei liegt auf einer Anhöhe und ist mit einer zweiundeinhalb Meter hohen Mauer befestigt, auf der acht größere und kleinere Kanonen stehen. Hinter der Mauer steht ein kleines, aus Feldsteinen aufgeführtes Haus, darin der Gouverneur wohnt. Weiterhin liegt ein Steinhaus, in das nachts die Sklaven eingesperrt werden, die Tag und Nacht paarweise an den Füßen angekettet sind. Unterhalb des Berges liegt ein Negerdorf, wo die Schar der Sklaven und Sklavinnen wohnt, die auf der Insel allerlei Dienste verrichten müssen. Unten im Tal ist ein Brunnen tief in den Felsen gehauen, der ein herrliches, süßes Wasser gibt. Hier steht auch eine lange Hütte für die Matrosen und sonstigen Europäer.
Als wir fast drei Tage lang uns von dem Engländer hatten bewirten lassen und unser Geblüt mit frischen Speisen erfrischt hatten, versah der Gouverneur auch unsere Schaluppe noch mit Limonen, wurde von uns zu einem Gegenbesuch eingeladen und kam gleich mit uns mit, da er andern Tags ein Schiff abfertigen mußte, das die andern Faktoreien anlaufen sollte. Wie wir nun längs des »Kurprinzen« beilegten, bewillkommneten wir den Gouverneur unsrerseits mit sieben Schüssen und ließen es uns angelegen sein, alle uns erzeigte Höflichkeit zu erwidern. Den andern Tag fuhren wir zu einer Landzunge, um hier Austern zu suchen. Des Engländers Schwarze hieben so große von den Felsen, daß wir sie in vier Teile schneiden mußten, ehe wir sie essen konnten. Die Neger zeigten uns auch eine Austerschale, die noch fest an einem Felsen hing, und worin ein Stöckchen steckte. Das, sagten sie, machten die Affen (deren es hier viele Tausende gibt), wenn das Wasser mit der Ebbe abläuft, damit die Austern ihnen die Pfoten nicht einklemmen. Hinterher langen sie die Austern ganz appetitlich aus der Schale.
Soviel ich von dem englischen Gouverneur erfahren konnte und auch selbst sah, sind die Eingeborenen von Sierra Leone falsche, diebische Leute, die nicht nur heimlich, sondern auch öffentlich stehlen und mit ihrem Raub buscheinwärts laufen und dazu die Weißen auslachen. Zudem sind sie sehr faul und wollen nicht arbeiten. Sie ziehen weder Kühe noch Pferde, sondern behelfen sich mit Elefantenfleisch, Ziegen, Antilopen, Hühnern wie auch mit den Landesfrüchten, die sie in solchem Übermaße haben, daß sie im November und Dezember ganze Schiffe umsonst damit beladen können.