[Reise nach Guinea und Gründung von Groß-Friedrichsburg]
Von Major Otto Friedrich v. d. Groeben
In neun Tagen sind wir vom Kap Verde bis zum Königreich Sierra Leone gesegelt, das seinen Namen nach dem Flusse hat, in den wir eingelaufen. Wir fanden daselbst ein dänisches Schiff vor Anker liegen, dem wir drei Tage zuvor begegnet, als es dem Stranden nahe war, was uns damals auch leicht hätte geschehen können, da uns der Wind so nahe an die Küste getrieben hatte, daß wir bisweilen nur fünf Faden Wasser loteten. Als wir Anker geworfen, haben wir in aller Eile den »Kurprinz« und den »Morian« mit Holz und Wasser versehen; darauf bin ich mit einigen jungen Edelleuten in das nah gelegene Negerdorf gegangen, wo wir den Häuptling Jan Thomas ungefähr mit 40 Männern und 30 Frauen antrafen, die wir mit Branntwein bewirteten. Dieser Häuptling sprach ein wenig Deutsch, das hauptsächlich in folgenden Redensarten bestand: »Donner Sakrament, für mich Kapitän Jan Thomassen, muß Holz und Wasser bezahlen.« Die Frauen und Männer setzten sich um uns, hernach tanzten sie mit ihrem Häuptling zum Klang unsrer Schalmeien.
Über ihr Leben, Handel und Wandel will ich folgendes bemerken: Von Kap Verde bis nach Sierra Leone leben die Mohren unter der Herrschaft ihrer Könige, die sie je nach dem Verbrechen hart oder gelinde strafen. Wenn einer mißhandelt wurde und Gericht gehalten wird, sitzt der König öffentlich. Um ihn stehen die Richter. Dann tritt der Kläger hervor, fällt auf die Knie, stützt das Haupt mit den Ellbogen und spricht zum König: »Donda«, worauf die Richter antworten: »Mo«. Darauf wird in des Königs Gegenwart die Klage einem der Räte vorgetragen, der sie öffentlich den andern Richtern erzählt. So geht's der Reihe nach herum bis zum letzten Rat, der die Klage nebst dem Urteil, das die andern gesprochen, dem König vorträgt. Dieser bestätigt das Urteil oder ändert es nach seinem Gutdünken. Hat der Verklagte den Tod erwirkt, so werden seine Güter bis auf Kindeskinder eingezogen, und er selbst wird in den Krieg geschickt, um an der Spitze gegen den Feind wie ein Sklave bis auf den Tod zu fechten. Die Hütten dieser Neger sind ganz klein, oben und unten mit Palmzweigen bedeckt, in einer runden oder langen Form, etwa 3½-4 m hoch und etwa 2½ m weit; ihre Türen sind nur etwas über 1 m hoch, so daß man, ohne einen Bückling zu machen, nicht hineingehen kann. Ihre Schlafstelle ist an einer Seite der Hütte aus Lehm gemacht, ganz niedrig und nur etwa meterbreit, eine Matte aus Rohr- oder Binsengeflecht liegt darauf. Der Herd besteht aus zwei Feldsteinen, die mitten in diesem »Palaste« liegen, und worauf sie Hirse, Fische oder Fleisch kochen. Roter Lehm oder der natürliche Grund bilden den Estrich. Jedes Dorf hat einen besonderen Platz, für Zusammenkünfte bestimmt, der etwas höher als die andern Hütten liegt und einen etwa halbmeterhohen Lehm- oder Tonestrich zeigt. Hier versammeln sie sich mit ihren Führern, rauchen Tabak, Männer, Frauen und Kinder durcheinander, indem sie das Rauchen so lieben, daß sie nicht allein stets bei Tage rauchen, sondern auch des Nachts den Tabak als teures Kleinod in kleinen Säckchen am Halse hängen haben. Ihren Leib, das Gesicht und die Hände pflegen sie mit mannigfachen Figuren, die sie in die Haut schneiden, zu schmücken, und in die Schnittwunden reiben sie Pulver oder Pflanzenasche ein, damit die Figuren nie verschwinden. Je schwärzer sie sind, um so schöner dünken sie sich: ja, sie halten so viel auf ihre schwarze Farbe, daß sie sich alle Morgen von Haupt bis Fuß mit Fett oder Öl einschmieren. Wenn nun die Sonne brennt, schmilzt das Fett, das sie in die Haut eingerieben, und sie glänzen den ganzen Tag darnach wie ein Spiegel. Das tun sie aus zwei Gründen. Einmal, weil sie schwarz davon werden. Sodann aber verhindert das Fett, daß von der großen Hitze die Haut aufspringt, weil sie nackend gehen. Solche unerträgliche Pein nimmt die Fettigkeit ganz hinweg und macht ihnen die Haut geschmeidig, wie ich selbst gesehen. Diese Gewohnheit ist allen Schwarzen gemein.
Wir bewirteten die Neger mit Branntwein.
Was ihren Gottesdienst anlangt, so beten sie den Teufel an, dem sie jährlich einen Teil ihrer Güter, alle fünf oder sieben Jahre aber einen Menschen opfern, auch wohl zwei oder mehr, je nachdem sie vom Teufel Schaden erlitten oder große Sünden begangen haben. Ihre Kirche ist ein Zaun von Staketenpfählen, ohne Dach. Ehe sie hineintreten, legen sie alles ab bis aufs Messer, alsdann gehen sie in den Betraum, fallen auf die Knie, strecken die Hände von sich und schlagen sie über dem Haupt zusammen, neigen das Antlitz zur Erde und bitten vom Teufel, was sie nötig haben. Sobald solch Gebet drei- oder viermal verrichtet, gehen sie wieder davon. Indem sie nun ihre fette Stirn auf die Erde stoßen und der Staub und Unflat ihnen an der Stirn kleben bleibt, dürfen sie ihn nicht abstreichen, sondern müssen ihn so lange daran lassen, bis er von selber abfällt. Von ihrer Kleidung ist wenig zu sagen, da sie ganz nackt gehen und nur ein schmales Lendentuch tragen. Die aber am Meeresstrande wohnen und etwas Vornehmes sein wollen, tragen auf dem Haupte einen alten Hut oder eine bunte Leinenmütze und ein Hemd von gestreifter Leinwand mit großen Ärmeln.
Ebenso gehen die Weiber ganz barfuß. Hinter sich haben sie die Kinder in einem Hüfttuche. Ihr Oberkörper ist ganz bunt mit Narben geschmückt, die sie mit der Spitze eines Messers in die Haut schneiden und dann mit Pulver blau färben, vor andern damit zu prunken. Sonst prunken sie auch viel mit dem Haar, das seiner Art nach ganz kurz und schwarz wie Lämmerwolle wächst. Dieses Haar, so kurz es auch ist, wissen sie sehr niedlich zu Mustern zu flechten, etliche wie eine Krone, andre wie eine Haube, etliche wieder auf noch andre Art. Hinterher beschmieren sie es mit einem weißen Fett oder Palmöl und gehen darauf in die Sonne, die das Fett über den ganzen Leib fließen macht. Das reiben sie dann stark in die Haut ein, so daß sie wie Ziegenböcke »duften« und wie Spiegel glänzen.