Die Kugel schlug recht in den größten Haufen ein.

Als nun der »Krieg« beendet und unsre Festung in Verteidigungszustand versetzt war, stellte ich den Kommandanten als solchen den Soldaten vor, nahm Abschied von meiner Truppe und den Häuptlingen und begab mich, noch schwer krank, auf den »Morian«. Alle Leute zweifelten an meinem Wiederaufkommen, da ich einem Toten ähnlicher sah als einem Lebendigen. Und was das ärgste war: ich kam in ein Schiff, das nichts anderes hatte als verschimmelte Zwiebäcke, dreißig Pfund verdorbenen Stockfischs, verdorbenes Fleisch und faule Erbsen. Davon konnte ein Kranker nicht genesen. Dieser Proviant benahm mir selbst und allen meinen kranken Leuten die Hoffnung. Aber Gott verläßt die Seinen nicht. Nachdem wir voneinander Abschied genommen, beabsichtigten wir, über den Äquator zu schiffen. Zu der Kranken Glück trieb aber ein ungünstiger Wind uns längs der Küste nach der Insel St. Thomas, wo wir uns mit Schweinen, Hühnern, Zuckerrohr, Kokosnüssen und andern Erfrischungen reichlich versehen konnten, die uns auch unsre Gesundheit wiederherstellten.

[Geschichtliches und Geographisches zu den Berichten der Entdecker]

Bald nach Antritt seiner Regierung faßte Georg III. von England den Entschluß, Schiffe auf Entdeckung unbekannter Länder auszusenden, um dadurch die Ausbreitung des englischen Handels zu befördern. Wir, die wir im Zeitalter des Dampfes und der Elektrizität leben, können uns kaum vorstellen, welche Schwierigkeiten sich der Ausführung solches Planes damals entgegenstellten. Ein Segelschiff ist einzig und allein auf den Wind als die Quelle eigener Fortbewegung angewiesen. Widrige Winde werfen es aus seinem Kurs, halten es im Hafen fest oder fern von ihm, lassen es zum Spielball gefährlicher Strömungen und der Brandung werden. Monate-, ja, jahrelang war der Seefahrer oft von aller Kultur wie abgeschnitten: die unsichern politischen Verhältnisse und Völkerrechtsanschauungen mußten ihn so in jedem Schiff anderer Nationen einen zu fürchtenden Feind sehen lassen; Kaperschiffen aller seefahrenden Völker waren die Meere erwünschte Jagdgebiete. Zur Unkenntnis der Erdkunde, die sie ja durch ihre Fahrten erst erhellen sollten, gesellten sich für die kühnen Seefahrer die Schwierigkeiten der Verpflegung: der Skorbut, jene bei ausschließlichem Genuß von gepökeltem Fleisch und Konserven und dem Mangel frischer Pflanzennahrung auftretende Blutkrankheit, raffte sie zu Hunderten dahin. Auf Cooks (spr. kuhks) zweiter Reise um die Welt (1772), auf der die beiden berühmten deutschen Naturforscher und Philosophen Johann Reinhold und Georg Forster (Vater und Sohn) seine Begleiter waren, nahm man deshalb — das mag hier der Kuriosität halber erwähnt sein — sechzig große Faß Sauerkraut und die kurz vorher in England erfundenen, aus frischem Rindfleisch, Knochen und Abfall verfertigten »Bouillonkuchen«, wir würden heut sagen: Bouillonwürfel, mit gutem Erfolge mit.

Der erste der Entdecker, deren Berichte hier nach dem Werke von John Hawkesworth (spr. hohksuöß) mitgeteilt sind, Kapitän Samuel Wallis (spr. uohls), trat seine Weltumseglung am 22. Juli 1766 von Plymouth (spr. plimmes) aus auf dem »Dolphin« (d. h. »Delphin«) an, einem »Kriegsschiff sechsten Ranges«, das 24 Kanonen führte, und dessen Bemannung aus 3 Offizieren, 37 Unteroffizieren und 150 Mann bestand. Ihn begleitete anfänglich Kapitän Philipp Carteret (spr. kahtert) auf der Schaluppe »Swallow« (spr. suollo, d. h. »Schwalbe«), der aber von der Magalhaensstraße (spr. machaljahngs) an ein besonderes Ziel verfolgte. Nachdem Wallis zunächst Patagonien einen Besuch abgestattet hatte, wandte er sich mit nordwestlichem Kurs der Südsee zu und entdeckte neben einigen kleineren Inseln der Paumótugruppe am 18. Juni 1767 Tahiti oder Otaheite, das er »Königs Georg III.-Insel« nannte. Die Entdeckung schildert unser Bericht, dem wir nur noch hinzufügen wollen, daß die Insel bereits im Jahre 1605 von dem spanischen Seefahrer Pedro Fernandez de Quiros gesehen worden war. Auf seiner weiteren Fahrt fand Wallis noch einige kleine Inseln südlich der Samóa- und in der Gilbert- und Marshall-(spr. mahschell-)Gruppe auf. Seine Reise endete auf den Marianeninseln, von wo aus er über Batavia und das Kap der Guten Hoffnung am 13. August 1768 England wieder wohlbehalten erreichte.

Unser zweiter Bericht erzählt von einem Besuche des Kapitäns Cook auf Tahiti. Der Anstoß zu dieser Reise ging von der »Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften« zu London aus, die im Februar 1768 dem Könige den Wunsch aussprechen ließ, zur Beobachtung des für das Jahr 1769 zu erwartenden »Venusdurchgangs«, d. h. des Vorüberziehens des kleinen Planeten Venus vor der Sonnenscheibe, eine Expedition in die Südsee zu entsenden, um auf einer günstig gelegenen Insel dort das wichtige astronomische Ereignis beobachten zu können. Der König willfahrte dem Wunsche der gelehrten Gesellschaft, und die Admiralität stellte die Bark »Endeavour« (spr. endiwe, d. h. »Streben«) zur Verfügung, ein Schiff von dreihundertundsiebzig Tonnen, das ursprünglich für den Kohlenhandel bestimmt und ein ausgezeichneter Segler war. Das Kommando darüber wurde dem damaligen Leutnant in der Königlichen Marine James (spr. djehms) Cook übertragen. Dieser nachmals berühmteste aller englischen Entdecker war damals schon vierzig Jahre alt.

Als Sohn eines Landarbeiters am 27. Oktober 1728 in dem Dörfchen Marton (Grafschaft York, Nordengland) geboren, hatte Cook nur den einfachsten Schulunterricht genossen und war dann mit 13 Jahren zu einem Hutmacher und Krämer in die Lehre gekommen. Dieser selbstgewählte Beruf gefiel ihm aber nicht: schon nach einem Jahre entlief er seinem Lehrherrn und wurde Schiffsjunge auf einem Kohlenschiffe. Als solcher machte er Reisen nach Petersburg und Norwegen mit und wußte sich dabei das Geld für den Unterricht in der höheren Nautik (Schiffahrtskunde) zu ersparen und zum Untersteuermann aufzurücken. Den im Jahre 1755 zwischen England und Frankreich ausbrechenden Krieg um die nordamerikanischen Kolonien machte er als Vollmatrose auf einem Kriegsschiffe mit und kehrte erst 1759 wieder nach England zurück. Durch Fürsprache seines bisherigen Kapitäns erhielt er nunmehr die Stellung eines »Master« (spr. mahste, d. h. Lotsen) auf der »Mercury« (spr. mökjuri, d. h. »Quecksilber«). Jetzt hatte er, zitiere ich Hennigs Darstellung, Gelegenheit, seine glänzenden Fähigkeiten, seine große Gewissenhaftigkeit und Genauigkeit in der Aufnahme von Seekarten zu beweisen, die seine späteren Entdeckungen zugleich zu einem wertvollen Erwerb der geographischen Wissenschaften machen sollten. Die Zuverlässigkeit seiner Aufnahmen im St. Lawrence- (spr. lorenz-) Strom und -Golf, die den Flottenangriff auf die Stadt Quebec (spr. kwibek) vorbereiten halfen, ist um so bemerkenswerter, als die Arbeit angesichts des Feindes, teilweise bei Nacht, ausgeführt werden mußte, und rechtfertigte das Vertrauen, das sich in seiner Versetzung an Bord des Admiralschiffes aussprach. Hier trieb er — im strengen Winter der nordamerikanischen Küste — die für seinen Beruf so notwendigen mathematischen und astronomischen Studien. Nach der Eroberung von Neufundland (1762) kehrte er für ein paar Monate in die Heimat zurück und vermählte sich hier mit Elisabeth Battes, einer Kaufmannstochter. Er wurde bald wieder nach Neufundland zurückberufen, und im vierjährigen Vermessungsdienste hier erweiterte und festigte er seine nautischen und astronomischen Kenntnisse. Seine Arbeiten trugen ihm die Beförderung zum Leutnant und die Berufung zur Führung der wissenschaftlichen Expedition zur Beobachtung des Venusdurchganges ein.

Auf der mit 10 Kanonen und 12 Drehbassen für die Fahrt ausgerüsteten »Endeavour« befanden sich außer der 84 Mann starken Besatzung der Astronom Green (spr. grihn), der gemeinsam mit Cook die Beobachtung machen sollte, der junge Gelehrte Josef Banks, ein wohlhabender Mann, der aus Liebe zu den Naturwissenschaften die gefahrvolle Reise mitmachte und als seinen Assistenten den schwedischen Botaniker Dr. Solander, einen Schüler Linnés, bei sich hatte. Diesen beiden Forschern verdankt, nebenbei bemerkt, die Naturwissenschaft die Kenntnis einer großen Anzahl von Pflanzen und Tieren, die auf den von Cook entdeckten Inseln gefunden wurden. Dem hier mitgeteilten Hawkesworthschen Berichte liegen so neben Cooks eigenen Aufzeichnungen auch die Tagebücher von Banks zugrunde.