Am 26. August 1768 lichtete die »Endeavour« in Plymouth die Anker und steuerte über Madera und Rio de Janeiro (spr. riu de janehru) zunächst nach Feuerland, wo interessante Beobachtungen an den Eingeborenen, der Tier- und Pflanzenwelt gemacht wurden. Über Kap Horn ging es dann nach dem im Jahr zuvor entdeckten Tahiti, um hier den Venusdurchgang zu beobachten. Das Leben auf Tahiti schildert nach dem Bericht von Cook und Banks unser »Südsee-Idyll«; Cook hatte Befehl, nach Erledigung des astronomischen Auftrags weitere Entdeckungen in der Südsee anzustellen. So wandte er sich denn nach genauer Vermessung und Umschiffung Tahitis und Auffindung der übrigen Gesellschaftsinseln südwestlich, um das Südmeer nach dem schon im Altertum vermuteten großen »Südkontinent« abzusuchen. Am 13. August 1769 entdeckte er eine der Inseln der Tubuai-Gruppe und richtete seinen Kurs dann auf Neuseeland. Durch Umsegeln, wobei er im Januar 1770 die nach ihm benannte Cookstraße entdeckte, stellte er fest, daß Neuseeland aus zwei Inseln besteht. Er richtete hierauf seinen Kurs westlich nach der Ostküste Australiens und landete am 28. April in der von ihm nach den zahlreichen hier gefundenen Gewächsen benannten »Botany-Bai« (spr. bŏteni, d. h. Botanik). Der Küste entlang nach Norden ziehend, am großen Barrierriff beinahe scheiternd, fand er am 21. August die Torresstraße wieder auf, jene Durchfahrt zwischen Australien und Neuguinea, die von dem kühnen Steuermann des schon erwähnten Spaniers de Quiros, Luis Vaez de Torres, im Jahre 1605 den Namen empfangen hatte, der wissenschaftlichen Welt und den Seefahrern des 18. Jahrhunderts aber nicht mehr bekannt war. Von Neuguinea aus segelte die »Endeavour« nach Batavia und über das Kap der Guten Hoffnung nach England zurück, wo er am 12. Juli 1771 vor Dover Anker warf. »Unser Tauwerk und die Segel«, schrieb Cook schon Mitte Juni in sein Tagebuch, »waren jetzt so schlecht, daß täglich das eine oder das andere in Stücke ging.«
Die außerordentlichen Erfolge Kapitän Cooks brachten es mit sich, daß er bald von neuem mit einer Weltumseglung beauftragt wurde. Die Aufgabe, die man ihm nunmehr stellte, galt der Erforschung des sagenhaften, sich angeblich bis zum 30. Grad südlicher Breite erstreckenden »Südkontinents«. Trotzdem Cook auf der ersten Reise, bis zum 40. Grad südlicher Breite vorstoßend, nirgends ein Festland gefunden hatte, glaubte man in den Kreisen der Geographen doch nach wie vor (s. a. u.), es müsse wie im Norden der Erdhalbkugel auch in ihrem Süden ein großes Festland vorhanden sein — »zur Erhaltung des notwendigen Gleichgewichts,« wie Georg Forster in seiner Würdigung der Verdienste Cooks launig spottet, »um, ich weiß nicht welch ein Überschlagen unsres Planeten zu verhüten«. Cooks Instruktion lautet demnach, die Sommermonate der südlichen Halbkugel (d. h. also unsre Wintermonate) zu Entdeckungen in der Richtung auf den Südpol anzuwenden, die stürmischen, trüben Wintermonate aber zu genauerer Erforschung der kürzlich entdeckten Südseegebiete zu benutzen. Fände er keinen Südkontinent, so sollte er, so nahe dem Südpol als nur möglich, ostwärts fahren, bis er die Erdkugel umsegelt hätte.
Wieder wählte Cook wie bei seiner ersten Reise aus Gründen der Zweckmäßigkeit gut segelnde und geringen Tiefgang habende, dabei verhältnismäßig sehr geräumige Kohlenschiffe für die Fahrt. Das größere, 462 Tonnen haltende und mit 16 Kanonen bestückte Schiff, die »Resolution« (spr. resolljŭhschn, d. h. »Entschluß«) führte er selber. Er hatte 112 Mann Besatzung, und an Bord befanden sich die schon erwähnten beiden deutschen Naturforscher Reinhold und Georg Forster, der Astronom Wales (spr. uéhls) und der Landschaftsmaler Hodges (spr. hŏdjs). Am Kap der Guten Hoffnung kam noch der schwedische Naturforscher Andreas Sparrmann dazu. Das kleinere Begleitschiff, die »Adventure« (spr. edwĕntsche, d. h. »Abenteuer«), stand unter dem Befehl des Kapitäns Fourneaux (spr. furnoh).
Am 13. Juli 1772 verließen die beiden Schiffe Plymouth und segelten über das Kap der Guten Hoffnung hinaus in die südlichen Polargegenden. Hier trennte ein Sturm die Schiffe, die sich der Verabredung gemäß erst in Neuseeland wieder vereinigten. Die folgenden Südsommer immer wieder mit neuen Vorstößen ins Südliche Eismeer zubringend, entdeckte Cook nach der Rückkehr in die Südsee am 23. September 1773 die Cook- oder Hervey-Inseln (spr. hérweh); am 1. Oktober fand er die von dem Holländer Abel Tasman 1643 entdeckten Tonga-Inseln, am 11. März 1774 die Osterinsel und am 8. April die Marquesasgruppe (spr. markēsas) wieder auf. Im Juli und August des Jahres stieß er auf die von de Quiros und kurz vorher von dem Franzosen Bougainville (spr. bŭgängwil) schon gesehenen Neuen Hebriden, und am 4. September entdeckte er Neukaledonien. Die Rückkehr führte über Feuerland und das Kap der Guten Hoffnung, und am 30. Juli 1775 ließ die »Resolution« auf der Reede von Spithead (spr. spítthed) die Anker fallen. Die »Adventure«, die die Verbindung mit dem Hauptschiff bei der zweiten Ankunft auf Neuseeland endgültig verloren hatte, war schon ein Jahr früher heimgekehrt.
Das Ergebnis dieser zweiten Reise, die zugleich die erste Weltumseglung von Westen nach Osten darstellt, hat Cook beim Verlassen des Polargebiets in seinem Tagebuch folgendermaßen zusammengefaßt: »Ich habe jetzt die Umseglung des Südlichen Meeres in hoher Breite ausgeführt (er war bis über den 70. Breitengrad hinausgedrungen) und es so durchquert, daß keinerlei Raum mehr für das Vorhandensein eines Festlands bleibt — abgesehen von der Nähe des Pols außerhalb des Schiffahrtsbereiches. Indem ich das Tropenmeer (Südsee) zweimal besuchte, habe ich nicht nur die Lage einiger früherer Entdeckungen festgelegt, sondern auch manche neue gemacht und, wie ich glaube, in diesem Gebiet wenig mehr zu tun übriggelassen. So schmeichle ich mir denn, daß der Zweck der Reise in jeder Hinsicht vollständig erfüllt, die Südhalbkugel genügend erforscht und der Suche nach einem südlichen Kontinent, der so lange die Aufmerksamkeit der Seemächte auf sich gezogen und eine Lieblingstheorie der Geographen aller Zeiten gebildet hat, endgültig ein Ziel gesetzt ist«[1].
Diese zweite Entdeckungsfahrt gab Cooks Namen europäische Berühmtheit. Der König ernannte ihn zum Postkapitän und verlieh ihm dazu eine mit einem Ehrensolde verbundene Stelle. Die Königliche Gesellschaft der Wissenschaften wählte ihn zu ihrem Mitgliede und schmückte ihn mit der goldenen Medaille. Aber mehr als alles andere zeigen uns den Weltruhm Cooks zwei Schriftstücke, die freilich erst nach seinem unerwarteten und damals auch in Europa noch unbekannten Tode veröffentlicht wurden. Zwischen England, Amerika und Frankreich war 1775 der Krieg um die Unabhängigkeit der ehemals englischen Kolonien Nordamerikas entbrannt: am 4. Juli 1776 hatten die dreizehn vereinigten Staaten unter Leitung Washingtons (spr. uŏschingtn) und Franklins (spr. fränklin) ihre Unabhängigkeit erklärt. Cook, der, wie wir gleich erfahren werden, 1776 seine dritte Entdeckungsreise angetreten hatte, war dem Kriegsbrauche nach also als Feind Frankreichs und Amerikas zu betrachten. Deshalb erließ der französische Marineminister, als Cooks Rückkehr nach Europa zu erwarten stand, auf Anregung des großen Staatsmannes Turgot (spr. türgo) im März 1779 folgenden Befehl an alle französischen Schiffskommandanten: »Da Kapitän Cook, der an Bord der >Resolution< im Juli 1776 Plymouth verließ, um an den Küsten, auf den Inseln und in den Meeren von Japan und Kalifornien Entdeckungen zu machen, im Begriff ist, nach Europa zurückzukehren und solche Entdeckungen von allgemeinem Nutzen für alle Nationen sind, so ist es des Königs Wille, daß Kapitän Cook wie der Befehlshaber einer neutralen und verbündeten Macht behandelt werden soll, und daß alle Kapitäne, die diesem berühmten Seefahrer begegnen, ihm die diesbezüglichen Befehle des Königs vorzeigen.« Gleichzeitig sandte Benjamin Franklin, damals Gesandter der Vereinigten Staaten zu Paris, ein ähnlich lautendes Schreiben an alle Schiffskommandanten der amerikanischen Flotte, mit der Aufforderung, »den so berühmten Seefahrer und Entdecker mit aller möglichen Höflichkeit und Güte zu behandeln und ihm als gemeinsamem Freunde der Menschheit allen Beistand zu leisten, dessen er etwa benötige«.
Das Ziel der dritten Entdeckungsreise Cooks war die Auffindung eines für den Handel so wichtigen kürzeren Weges nach Japan, China und Indien: die Aufsuchung einer nördlichen Durchfahrt aus dem Atlantischen in den Stillen Ozean. Man wußte es Cook nahezulegen, sich mit diesem Plane, auf dessen Ausführung eine Prämie von 20000 Pfund Sterling gesetzt war, eingehend zu befassen, und er war nicht der Mann danach, vor den großen, unleugbaren Gefahren dieses Planes — er sollte sich auch dem Nordpol soweit als möglich nähern — zurückzuschrecken[2]. So ging er denn noch vor Ablauf eines Jahres, nämlich am 12. Juli 1776, von neuem mit der »Resolution«, die für die neue Bestimmung besonders sorgfältig ausgerüstet war, unter Segel. Als Begleitschiff wurde ihm diesmal die »Discovery« (spr. diskăweri, d. h. »Entdeckung«) unter dem Befehl des Kapitäns Clerke (spr. klák) mitgegeben, die nach ähnlichen Prinzipien gebaut und ausgerüstet war.
An Bord hatte die »Resolution« einen interessanten Gast. Kapitän Fourneaux hatte nämlich bei seiner Heimfahrt einen jungen Eingeborenen von Uliĕtēa (Gesellschaftsinseln) namens Omai an Bord genommen und nach England gebracht. Der junge, liebenswürdige Südsee-Insulaner hatte in der Londoner Gesellschaft begeisterte Aufnahme gefunden, war überreich mit allen erdenklichen Dingen beschenkt worden und sollte nun zu seinen braunen Landsleuten zurückkehren, um ihnen »die erhabensten Begriffe von der Macht und Großmut der britischen Nation beizubringen«. Omai vergoß zwar bittere Tränen beim Abschied von seinen englischen Freunden, verriet aber doch ebenso unzweifelhaft seine helle Freude, wieder nach Ulietea zurückkehren zu dürfen. Man hatte den Schiffen ferner als nützliches Geschenk für die Südsee-Insulaner verschiedene Haustiere wie Kühe, Schafe, Ziegen, Hühner, Enten, Getreide- und Gartenpflanzensamen mitgegeben, wie denn Cook schon auf seiner vorherigen Reise mehrfach die Eingeborenen durch solche Gaben zur Viehzucht und zum Getreidebau (allerdings mit geringem Glück) zu veranlassen versucht hatte. Hohe Menschlichkeit und tiefes Verständnis für die Eigenarten fremder Völker ist ja überhaupt einer der schönsten Züge im Charakterbilde dieses bedeutendsten aller englischen Entdecker, ein Charakterzug, der hell aufleuchtet auch aus der hier mitgeteilten Schilderung des Kapitäns James King von der Ermordung Cooks.
Über das Kap der Guten Hoffnung und die kurz zuvor von dem französischen Seefahrer Kerguelen (spr. kĕrgeläng) entdeckten gleichnamigen Inseln ging die Reise nach Tasmanien und Neuseeland; ein paar Inseln im Cook-Archipēl (griech. = Inselmeer) und am 24. Dezember 1777 die nördlich des Äquators gelegenen Weihnachtsinseln wurden bei weiteren Fahrten aufgefunden. Dazu kam als wichtigste Entdeckung am 18. Januar 1778 die der Sandwich (spr. ßänduitsch) oder Hawáii-Inseln. Cook wählte diese Gruppe als Stützpunkt für die nunmehr beginnende Suche nach der nördlichen Durchfahrt. Etwa unter dem 45. Breitengrad traf er zuerst auf die nordwestamerikanische Küste und gelangte dann unter heftigen Stürmen und mancherlei Gefahren nach Alaska und zu den Alëūten. Durch das Beringmeer nordwärts vorstoßend und schon am Eingang der Beringstraße zwang ihn eine unüberwindliche, nach dem Süden treibende Eismauer zur Umkehr. Um die erzwungene Muße nicht ungenutzt zu lassen, kehrte er nach Hawaii zurück, und hier fand er am 14. Februar 1779 den gewaltsamen Tod, wie unser Bericht schildert.