Die Eingeborenen hatten in Cook anfänglich eine Gottheit, den wiederkehrenden Geist eines verstorbenen großen Häuptlings, gesehen, wofür ja auch seine weiße »Leichen«farbe[3] zu sprechen schien. Mancherlei Vorfälle trugen dazu bei, diesen göttlichen Nimbus zu zerstören: die Häuptlinge, die ihren Einfluß sinken fühlten, schürten eine Gegenbewegung. Mißverständnisse, aus der Unkenntnis der Sitten und der religiösen Anschauungen der Eingeborenen beruhend, ließen die Flamme der Empörung immer heller auflodern, und so kam es zu dem beklagenswerten Ende des großen Entdeckers. Ein Obelisk bezeichnet heute die Stelle, wo er den Tod fand.
Nach seinem Tode versuchte Kapitän Clerke, der das Kommando auf der »Resolution« übernommen hatte, noch einmal einen Vorstoß zur Entdeckung der nördlichen Durchfahrt. Er war vom Glück wenig begünstigt und starb auf der Rückfahrt nach Kamtschatka. Kapitän King, der ursprünglich als Navigationsoffizier und ausgezeichneter Astronom an Bord der »Resolution« gewesen war, und Kapitän Gore führten dann die Schiffe über China und das Kap der Guten Hoffnung in die Heimat zurück, wo sie erst am 22. August 1780, nach einer Abwesenheit von mehr als vier Jahren also, eintrafen.
Mußte nun auch damit der Versuch der Auffindung eines neuen Handelsweges nach Ostasien und Indien als gescheitert betrachtet werden, so hatte die letzte Entdeckungsreise Cooks doch andrerseits die Aufmerksamkeit der englischen Kaufleute auf die nordwestamerikanische Küste als auf ein besonders aussichtsreiches Pelzhandelsgebiet hingelenkt. Von den Versuchen, sich diesen bedeutenden, freilich, wie sich herausstellte, von den Russen schon vorher besetzten Markt zu erschließen, erzählt der hier mitgeteilte Bericht des Kapitäns Meares (spr. mihrs) von seiner Unglücksfahrt dorthin.
In eine andre Zeit und ein andres Erdgebiet versetzt uns die Schilderung, die der famose kurbrandenburgische Major Otto Friedrich v. d. Groeben von seiner Reise nach der Küste Westafrikas im Jahre 1682 hinterlassen hat. Im Auftrage Friedrich Wilhelms des Großen Kurfürsten sollte er dort eine Kolonie gründen, d. h. eine Festung erbauen, und wie er diesen Auftrag ausführte, was er an den Küsten Guineas erlebte, das hat er in seiner »Guineischen Reisebeschreibung« mit köstlichem Humor und guter Beobachtungsgabe aufgezeichnet.
Friedrich Wilhelm von Brandenburg hatte seine Jugendjahre fern von der Heimat, am Hofe Friedrich Heinrichs von Oranien, seines Verwandten, des großen Kriegsmannes und Statthalters der Niederlande, verlebt. Die Eindrücke, die er hier in Holland von dem Reichtum und der Macht empfing, den Seehandel und der Besitz blühender Kolonien einem Volke zu verleihen vermögen, sind auf ihn sein ganzes Leben hindurch wirksam geblieben. »Seefahrt und Handlung sind die vornehmsten Säulen eines Staats«, wurde schon früh sein volkswirtschaftlicher Leitsatz. Als Friedrich Wilhelm 1640 zur Regierung kam, fegte über Deutschland noch der Dreißigjährige Krieg dahin. Kämpfe gegen die Polen, mit den Schweden und Franzosen ließen den Kurfürsten erst rund 40 Jahre später zur Ausführung seiner Kolonialpläne kommen. Der holländische Reeder Benjamin Raule war es, der, in brandenburgische Dienste getreten, Friedrich Wilhelm vorschlug, Handelsfahrten nach Afrika zu unternehmen. Im Herbst 1680 stachen das »Wappen von Brandenburg«, eine Fregatte von 22 Kanonen, und der »Morian«, eine solche von 18 Kanonen, in See nach Westafrika. Die größere Fregatte wurde trotz des Friedens von den Holländern an der Guineaküste genommen, dem »Morian« aber gelang es unter Führung des Kapitäns Philipp Pietersen Blonck an der Goldküste, in der Nähe des Dreispitzenkaps, mit drei unabhängigen Negerhäuptlingen am 16. Mai 1681 einen vorläufigen Handelsvertrag abzuschließen und einen zur Anlage einer Festung geeigneten Ort zu erwerben. Die Negerhäuptlinge erhielten, nebenbei bemerkt, dafür: »2 Stück indischen Stoffs, 1 Rapier, 1 Hut, 2 zinnerne Schüsseln, 2 Faden (= 4 m) türkischen Stoff, 1 Kleidchen« und endlich die brandenburgische Flagge, »womit sie erweisen könnten, daß sie S. Kurfürstliche Durchlaucht für ihren Herrn angenommen haben«. Um diesen Vertrag nutzbar zu machen, wurde auf Raules Betreiben im März 1682 die »Afrikanische Kompagnie« begründet, gewissermaßen eine »Gesellschaft mit beschränkter Haftung«, deren Grundkapital ganze 50 000 Taler betrug, und im Juli eine militärische Expedition unter Führung des Majors v. d. Groeben nach Westafrika entsandt.
Der Kurfürst hätte keine glücklichere Wahl treffen können: Groeben war ein an Kriegserfahrungen reicher, für seine Zeit hochgebildeter Offizier, dazu ein weitgereister Mann, der sich schon manchen Wind um die Nase hatte wehen lassen. Noch nicht 17 Jahre alt, unternahm er in Gemeinschaft mit einem polnischen Obersten eine achtjährige Reise, die durch Italien zunächst nach Malta führte. Von hier aus ließ er sich als Freiwilliger auf einem gegen die Türken kreuzenden Kaperschiff anwerben. Aus dem Beuteerlös — er war übrigens gleich im ersten Treffen verwundet worden — bestritt er die Kosten einer Reise durch Palästina. Auf der Rückkehr nach Deutschland ward sein Schiff von den Türken genommen; er entkam mit knapper Not, gelangte nach Tripolis und schloß sich einer Karawane nach Ägypten an. Auch die Rückreise von Ägypten aus war reich an Gefahren und Kriegsabenteuern: wiederum wurde Groeben bei einem Kampfe mit Seeräubern verwundet. Wir finden ihn hernach für kurze Zeit in spanischen Diensten, und mit den Spaniern durchzog er ganz Italien. Auf Anweisung seiner Eltern besuchte er dann zu weiterer Ausbildung Frankreich, England und Holland. Den endlich in die Heimat Zurückgekehrten zog der Große Kurfürst an seinen Hof, und dem erst Fünfundzwanzigjährigen vertraute er die Leitung der Expedition nach Guinea an.
Schildern wir noch in Kürze schließlich den Fortgang der brandenburgischen Kolonisation. Zum Fort »Groß-Friedrichsburg« gesellten sich 1684 das benachbarte Fort »Dorothea« und etwas später die Forts »Taccarary« und »Sophie Luise«, alle in derselben Gegend gelegen. Die fortgesetzten Feindseligkeiten der Holländer taten dem brandenburgischen Unternehmen aber bald viel Abbruch. Sie kaperten die Schiffe und überfielen, allerdings erfolglos, 1687 die Forts. Die »Afrikanische Handelskompanie« hielt sich noch ohne rechte Lebenskraft bis zum Regierungsantritt Friedrich Wilhelms I., der das ganze Unternehmen für 6000 Dukaten an die Holländer verkaufte. — Als im Jahre 1884 die deutsche Korvette »Sophie« in der Gegend des einstigen Forts »Groß-Friedrichsburg« landete, zeigten die Eingeborenen den Offizieren die Trümmerstätte. Aus dem Schutte grub man die alten Brandenburgischen Geschützrohre hervor. Sie werden heute in der Ruhmeshalle des Berliner Zeughauses aufbewahrt, die letzte Erinnerung an die erste deutsche Kolonie in Afrika.
Dr. Adolf Heilborn.