Um 5 Uhr nachmittags kehrten die Boote zurück, sie brachten aber nicht mehr als zwei Fäßchen Wassers mit. Diese beiden Fässer hatten die Eingeborenen für sie gefüllt, für ihre Mühe aber hatten sie sich ohne weiteres mit den übrigen Gefäßen bezahlt gemacht. Unsere Leute wollten sich nicht an Land wagen, damit das Boot nicht unbesetzt bliebe; sie ließen indes vom Boote aus kein Mittel unversucht, um die Insulaner zu bewegen, die Wassergefäße wieder zurückzugeben. Doch da war alle Mühe umsonst. Die Eingeborenen legten ihrerseits unseren Leuten dringend ans Herz, zu landen; diese folgten jedoch dem Gebote der Klugheit und lehnten ab. Als unsere Boote wegruderten, befanden sich ihrer Aussage nach viele Tausende von Eingeborenen beiderlei Geschlechts und eine große Anzahl Kinder am Strande.
Am folgenden Morgen schickte ich die Boote von neuem an Land, Wasser zu holen. Ich ließ sie Nägel, Beile und mehr dergleichen Dinge mitnehmen, durch die sie meiner Ansicht nach die Freundschaft der Eingeborenen am leichtesten erlangen könnten. Mittlerweile kam vom Lande her eine große Anzahl von Kanus an das Schiff; die Leute brachten uns Brotfrucht, Bananen, eine Frucht, die einem Apfel ähnlich sah, aber ungleich wohlschmeckender war als dieser, auch Federvieh und Schweine. Alle diese Eßwaren überließen sie uns gegen einige Glasperlen, für Nägel, Messer und dergleichen mehr, und wir bekamen gleich dieses Mal Schweinefleisch genug, daß unsere ganze Schiffsmannschaft zwei Tage lang damit gespeist werden konnte und jeder Mann ein Pfund davon bekam.
Als die Boote zurückkamen, brachten sie uns nur einige wenige Kalebassen Wassers mit; mehr hatten sie nicht bekommen können, weil die Anzahl der Leute auf dem Strande so groß war, daß sie es nicht wagen wollten, an Land zu gehen. Die Eingeborenen suchten alles hervor, um unsere Leute zum Landen zu reizen: sie brachten Früchte und Lebensmittel allerlei Art, legten diese am Strande nieder und luden unsere Leute durch Zeichen ein, ihnen diese Vorräte verzehren zu helfen. Nichtsdestoweniger blieben diese fest; sie zeigten von ihrem Boote aus den Insulanern die Wasserfäßchen und forderten sie auf, die gestern verlorengegangenen wieder zurückzubringen. Dagegen blieben die Eingeborenen ebenfalls taub; unsere Leute lichteten also ihre Anker, sondierten in der ganzen Gegend herum, um zu sehen, ob das Schiff nicht näher gegen die Küste landen könnte, daß es die Wasserholer hätte beschützen können, und hätten sich in diesem Falle nicht gescheut, der ganzen Insel zum Trotz an Land zu gehen. Als sie mit dieser Untersuchung fertig waren und sich alsdann vom Ufer entfernten, warfen die Weiber mit Äpfeln und Bananen hinter ihnen drein, lachten sie tüchtig aus und ließen alle ersinnlichen Merkmale von Verachtung und Hohn gegen sie blicken. Meine Leute meldeten mir, daß 400 Meter weit von der Küste der Grund sandig und das Wasser 7 Meter tief sei, daß es noch einige Kabeltaulängen weiter vom Strande 9 Meter Tiefe gäbe, und daß also das Schiff an einer dieser beiden Stellen gut vor Anker liegen könnte. Der Wind blies hier gerade längs der Küste und verursachte eine hohe Brandung sowohl gegen das Schiff als gegen den Strand hin.
Den folgenden Morgen lichteten wir also bei Tagesanbruch wiederum die Anker, in der Absicht, den »Delphin« nahe an der Wasserstelle festzulegen. Als wir aber zu diesem Zweck weiter gegen den Wind hinsegelten, entdeckten wir vom Mastkorbe aus über das Land hinweg einen Meerbusen, der ungefähr 6–8 Kilometer weit unter dem Winde von uns liegen mochte. Wir steuerten sogleich darauf zu und schickten die Boote mit dem Senkblei voran. Um 9 Uhr gaben die Boote das Zeichen, daß sie in einer Tiefe von 21 Meter Grund gefunden hätten; diese Gegend war von einer Reihe von Klippen umgeben, um die wir herumlaufen mußten, ehe wir an den Ort hinsteuern konnten, wo die Boote lagen. Als wir nicht mehr weit von ihnen und gleichsam mitten zwischen beiden waren, stieß das Schiff auf Grund. Das Vorderteil saß unbeweglich fest, das Hinterteil hingegen war frei; wir warfen augenblicklich das Senkblei aus und fanden, daß die Tiefe des Wassers auf den Klippen oder auf der Untiefe von 31 auf 6 Meter abnahm. Wir beschlugen also in größter Eile alle Segel und warfen alles alte Geräte, das damals an Bord war, in die See. Zu gleicher Zeit setzten wir das lange Boot auf Wasser, legten den Strom- und den kleinen Anker mit allem dazugehörigen Tauwerk hinein und ließen das Boot über die Untiefe hinauslaufen. Hier sollte die Mannschaft die Anker fallen lassen, und wenn diese nur Grund gefaßt hätten, hoffte ich, der »Delphin« würde mit Hilfe der Schiffswinde von den Klippen abgebracht werden können. Allein zum Unglück fand sich über die Untiefe hinaus kein Grund. Unser Zustand war in dieser Lage ziemlich gefährlich zu nennen. Das Schiff schlug noch immer sehr heftig gegen die Felsen, und wir waren von vielen hundert Kanus umringt, die alle vollbesetzt waren. Ihrer Menge ungeachtet versuchten sie indessen doch nicht, sich an Bord zu wagen, sondern es schien, als wollten sie ruhig unser Scheitern erwarten. Eine ganze Stunde lang brachten wir in dieser Gefahr voller Schreck und Angst zu, ohne daß wir zur Befreiung des Schiffs viel unternehmen konnten. Endlich erhob sich zum Glück ein günstiger Wind vom Lande her, und durch dessen Beihilfe kam das Vorderteil des Schiffes wieder los. Nun ließen wir sogleich alle Segel fallen, und es währte auch nicht lange, so geriet das Schiff in Bewegung, und in kurzer Zeit befanden wir uns wieder in tieferem Wasser.
Darauf entfernten wir uns schleunigst von dieser gefährlichen Stelle und schickten die Boote unter dem Winde hin, um die Untiefe gehörig untersuchen zu lassen. Sie fanden, daß der Klippenzug sich ungefähr anderthalb Kilometer weit gen Westen in die See erstreckte, und daß zwischen Land und Klippenzug ein sehr guter Hafen lag. Der Bootsmann ließ also eines unsrer Boote am Ende der Klippen stillegen und einen Anker nebst kleinen Kabeltauen und eine tüchtige Wache an Bord des langen Bootes bringen, um es gegen alle Angriffe der Insulaner verteidigen zu können. Nachdem er damit fertig war, kam er selbst an Bord zurück und führte das Schiff um die Reihe von Klippen herum in den Hafen, wo wir um 12 Uhr in 30 Meter Tiefe auf einem guten Grunde von schwarzem Sand endlich vor Anker kamen.
Bei genauer Untersuchung fand sich, daß an der Stelle, wo das Schiff auf die Klippen geraten war, sich eine Reihe schroffer Korallenfelsen erhob, und daß das Wasser innerhalb dieser Riffe sehr ungleich von 10 zu 3½ Meter tief war. Zu unserm Unglück lag diese Stelle gerade zwischen den beiden Booten, die wir vorausgeschickt hatten, um uns die Hafeneinfahrt zu weisen. Die Leute in den Booten vermuteten indessen nicht, daß zwischen ihren Standplätzen eine solche Gefahr drohen könne; denn das eine Boot gegen den Wind hin befand sich in einer Tiefe von 21 und das andere unter dem Wind in einer Tiefe von 16 Meter Wasser. Kaum waren wir von diesen Felsenklippen losgekommen, als der Wind stärker zu wehen anfing, und obgleich er sich bald wieder legte, ging doch die Brandung so hoch und brach sich so ungestüm am Felsen, daß, wenn das Schiff eine halbe Stunde länger darauf festsitzen geblieben wäre, es unvermeidlich hätte zerschellen müssen. Wir untersuchten nun den Kiel, konnten aber keinen andern Schaden daran entdecken, als daß ein kleines Stück am Vorderteil des Steuerruders fehlte und vermutlich abgebrochen sein mußte. Es schien nicht, als ob wir ein Leck bekommen hätten. Unsere Boote büßten auf der Klippenreihe ihre kleinen Anker ein; da wir indessen hoffen durften, daß das Schiff selbst keinen Schaden gelitten hätte, ließen wir uns diesen Verlust nicht sehr zu Herzen gehen. Sobald der »Delphin« gehörig gesichert war, ließ ich alle unsere Boote bewaffnen und bemannen und schickte sie mit dem Bootsmann aus, um den oberen Teil des Meerbusens zu untersuchen, damit wir, wenn wir dort einen guten Ankerplatz fänden, das Schiff vermittels seiner Anker- und Kabeltaue innerhalb des Klippenzuges weiter hinaufziehen und alsdann sicher vor Anker legen könnten. Auf dem Klippenzuge lag eine große Anzahl von Kanus, und die Küste wimmelte von Leuten. Das Wetter war endlich wieder sehr angenehm geworden.
Um 4 Uhr nachmittags kam der Bootsmann mit dem Berichte zurück, daß es in dieser Gegend überall guten Ankergrund gäbe. Ich entschloß mich daher, am folgenden Morgen den »Delphin« die Bucht hinaufziehen zu lassen, und teilte unterdessen die Mannschaft in vier Wachen, wovon allezeit eine unter Gewehr bleiben mußte. Die Kanonen ließ ich alle laden und Pulver auf die Zündlöcher streuen; in die Boote ließ ich Musketen bringen und befestigen und befahl dem Rest der Mannschaft, der nicht auf Wache war, daß sich ein jeder auf dem angewiesenen Platze einfinden sollte, sobald es befohlen würde. Längs der Küste schwärmte eine große Anzahl von Kanus umher; einige von ihnen waren sehr groß und stark bemannt, andere, die viel kleiner waren, kamen mit Schweinen, Federvieh und Früchten beladen zu uns ans Schiff. Wir handelten ihnen diese Lebensmittel immer dergestalt ab, daß wir und sie mit dem Handel zufrieden sein konnten. Bei Sonnenuntergang ruderten alle Kanus an Land zurück.
Am folgenden Morgen um 6 Uhr fingen wir an, das Schiff in den Hafen hinaufzuziehen, und bald darauf stellte sich eine große Menge von Kanus am Heck des »Delphins« ein. Da ich sah, daß sie Schweine, Federvieh und Früchte an Bord hatten, befahl ich den Offizieren, diese Vorräte gegen Messer, Nägel, Glasperlen und andere Kleinigkeiten einzutauschen, und ordnete zu gleicher Zeit an, daß außer den hierzu ernannten Personen niemand im ganzen Schiff sich auf den Handel einlassen dürfe. Um 8 Uhr hatte sich die Anzahl der Kanus sehr vermehrt, und die zuletzt herangekommenen waren große Kanus mit 12–15 Mann Besatzung. Ich sah zu meinem größten Mißvergnügen, daß sie eher zum Krieg als zum Handel ausgerüstet waren, indem sie fast nichts als runde Kieselsteine an Bord hatten. Da mein erster Leutnant noch immer sehr krank war, so ließ ich Leutnant Fourneaux holen und trug ihm auf, die zur vierten Wache beorderten Matrosen beständig unter Gewehr zu halten, indessen ich durch den Rest der Mannschaft das Schiff in den Hafen weiter hinaufziehen lassen würde. Mittlerweile kamen von der Küste her unaufhörlich neue Kanus heran, die eine ganz andere Art von Ladung an Bord hatten, nämlich eine Anzahl von Frauen. Unterdessen zogen sich die mit Kieselsteinen bewaffneten Kanus immer näher um unser Schiff zusammen; einige der Insassen sangen mit rauher Stimme, andere bliesen auf großen Muscheln, andere auf Flöten. Es währte nicht lange, so gab ein auf einer Art von Traghimmel auf einem der größten Doppelkanus sitzender Mann ein Zeichen, daß er neben unserm Schiff anlegen wolle. Ich ließ meine Einwilligung erkennen, und als er hierauf dicht an das Schiff kam, reichte er einem von unsern Matrosen ein Bündel von roten und gelben Federn und verlangte durch Zeichen, ich solle das Geschenk annehmen. Ich nahm es auch unter vielen Freundschaftsbezeigungen zu mir und hieß sogleich einige Kleinigkeiten herbeibringen, um ihm diese anzubieten. Allein zu meiner großen Verwunderung hatte er sich während dieser Zeit schon wieder vom Schiffe entfernt und warf den Zweig eines Kokosbaumes in die Luft. Dies war, wie ich sogleich erfuhr, das Zeichen zum Angriff; denn auf allen Kanus erhob sich plötzlich ein allgemeines Jauchzen. Sie ruderten schnell gegen das Schiff an und ließen von allen Seiten her einen Hagel von Steinen hineinprasseln. Da sie uns auf solche Weise förmlich angegriffen hatten und nichts als unsere Waffen uns gegen eine solche Menge schützen konnte, befahl ich der Wache zu feuern. Zwei von den auf Verdeck befindlichen Kanonen, die ich mit Kugeln hatte laden lassen, wurden ebenfalls fast zu gleicher Zeit abgefeuert, und die Eingeborenen gerieten dadurch in nicht geringe Bestürzung. Doch in einigen Minuten hatten sie sich wieder erholt und griffen uns zum zweiten Male an. Mittlerweile hatte sich ein jeder von uns auf seinem angewiesenen Platze eingefunden; ich befahl zudem, daß die großen Kanonen abgefeuert und einige davon stets auf einen gewissen Punkt an der Küste gerichtet werden sollten, wo eine große Menge von Kanus noch immer frische Mannschaft einnahm und in der größten Geschwindigkeit gegen das Schiff heransegelte. Als das schwere Geschütz anfing zu spielen, waren gewiß nicht weniger als 300 Kanus, die zusammen wohl an 2000 Mann an Bord haben mochten, um den »Delphin«. Viele Tausende waren noch an der Küste, und eine Menge anderer Kanus kam außerdem von allen Seiten auf uns los.
Das Feuer trieb endlich die Kanus, die nahe dem Schiff hielten, hinweg und schreckte auch die andern ab, näher zu kommen. Sobald ich sah, daß sie sich zurückzogen und die andern sich ruhig verhielten, ließ ich augenblicklich das Feuern einstellen in der Hoffnung, daß sie jetzt hinlänglich überzeugt wären, wie sehr wir ihnen überlegen, und daß sie daher das Gefecht nicht weiter fortsetzen würden. Hierin irrte ich mich aber zum Unglück; eine große Anzahl von Kanus, die zerstreut worden waren, stießen wieder zusammen, lagen eine kleine Zeit über stille und beobachteten das Schiff in einer Entfernung von ungefähr einer viertel Meile, steckten alsdann weiße Wimpel auf, ruderten gegen das Hinterteil des Schiffes zu und fingen wie zuvor an, aus beträchtlicher Entfernung mit großer Stärke und Geschicklichkeit Steine hineinzuschleudern. Jeder von diesen Steinen wog ungefähr zwei Pfund, und viele von unseren Leuten an Bord wurden durch sie verwundet; ohne Zweifel hätten wir noch mehr Schaden gelitten, wenn nicht ein Segeltuch zum Schutz gegen die Sonne über das ganze Verdeck aufgespannt und die Hängematten mitten im Schiff in Netzen wären aufgehängt gewesen. Zu gleicher Zeit näherten sich verschiedene, stark bemannte Kanus dem Bug des Schiffes, vermutlich weil sie bemerkt hatten, daß von diesem Teile noch kein Schuß war abgefeuert worden. Ich ließ daher einige Kanonen nach vorn bringen, genau richten und auf diese Kanus feuern. Zu gleicher Zeit ließ ich zwei Kanonen am Hinterteil herausführen und diese hauptsächlich auf die Angreifenden richten.
Unter den Kanus, die gegen den Bug angriffen, befand sich eines, das irgendeinen von ihren Anführern an Bord haben mußte, weil von diesem Kanu aus das Zeichen gegeben worden war, auf das sich die andern zurückgezogen hatten. Es traf sich, daß ein von den andern Kanonen abgefeuerter Schuß eben dieses Kanu so genau traf, daß er es mitten durchriß. Sobald die übrigen dies sahen, hielten sie nicht länger stand, sondern zerstreuten sich so geschwind, daß binnen einer halben Stunde kein einziges Kanu mehr zu sehen war. Das Volk, das sich vorher an den Strand begeben hatte, floh ebenfalls in größter Eile über das Gebirge.