Da wir nun keine begründete Besorgnis mehr zu haben brauchten, von neuem gehindert zu werden, zogen wir das Schiff vollends in den Hafen hinein, und um Mittag befanden wir uns kaum mehr eine halbe Seemeile weit von dem oberen Teile des Meerbusens, nicht ganz zwei Kabeltaulängen von einem schönen Flusse und ungefähr 90 Meter weit von der verborgenen Klippenreihe. Wir hatten auf diesem Fleck 16 Meter Wassertiefe, hart an der Küste waren es 9 Meter, so daß wir hier Anker werfen konnten. Wir brachten auch die 8 Kanonen, die ich vordem in den Schiffsraum hatte hinabschaffen lassen, wieder hinauf und an ihre Plätze. Sobald das geschehen war, schickte ich die Boote aus, daß sie ringsherum sondieren sollten, befahl ihnen auch, daß, wenn sich jemand von den Eingeborenen an der Küste sollte blicken lassen, sie so gut wie möglich die Gegend daselbst untersuchen möchten, um festzustellen, ob wir etwa einen neuen Angriff von den Eingeborenen zu befürchten hätten.

Der ganze Nachmittag und ein Teil des folgenden Morgens wurden mit diesen Arbeiten zugebracht. Um Mittag kam der Bootsmann mit einer ungefähren Karte des Meerbusens zurück. Er meldete mir, daß sich kein Kanu habe blicken lassen und daß die Landung überall bequem zu bewerkstelligen sei. Kurz nachdem mir der Bootsmann diesen Bericht abgestattet hatte, ließ ich alle unsere Boote bemannen und bewaffnen und schickte damit Herrn Fourneaux nebst einer Abteilung Seesoldaten mit dem Auftrag ab, dem Ankerplatz des Schiffes gegenüber zu landen und unter der Bedeckung der Boote und des »Delphins« an einem vorteilhaften Punkt Stellung zu beziehen.

Als er ans Land stieg, kroch er auf Händen und Füßen heran.

Um 2 Uhr landeten die Boote ohne den geringsten Widerstand. Herr Fourneaux richtete alsbald einen Mast auf, ließ den Wimpel flattern, ein Stück Rasen umgraben und nahm damit von der Insel im Namen Seiner Majestät Besitz, zu deren Ehren er sie »König Georgs des Dritten Insel« nannte. Hierauf ging er an den Fluß und kostete das Wasser, das er von vortrefflichem Geschmack fand; er ließ also etwas davon schöpfen, goß ein wenig Rum dazu, und seine Leute tranken eine Runde auf die Gesundheit Seiner Majestät.

An dem Flusse, der 12 Meter breit und so seicht war, daß man hindurchwaten konnte, erblickte er jenseits zwei alte Männer, die, sobald sie sich entdeckt sahen, eine flehende Stellung annahmen und dabei sehr bestürzt und erschrocken zu sein schienen. Herr Fourneaux winkte ihnen, daß sie über den Fluß kommen sollten, was auch der eine tat. Als er diesseits ans Land stieg, kroch er auf Händen und Füßen zu Herrn Fourneaux heran. Dieser hob ihn aber sogleich auf und zeigte ihm, als er zitternd dastand, einige der ins Schiff geworfenen Steine, wobei er ihm zu verstehen gab, daß wir unsrerseits den Eingeborenen keinen Schaden tun würden, wenn sie nicht selbst versuchten, uns anzugreifen. Er ließ zwei von den Wasserfässern füllen, um zu zeigen, daß wir Wasser verlangten, und wies ihm einige Beile und andere Dinge, zum Zeichen, daß wir Lebensmittel dagegen eintauschen wollten. Während dieser pantomimischen Unterredung faßte der alte Mann wieder einigen Mut, und Herr Fourneaux schenkte ihm zur Bestätigung seiner Freundschaft ein Beil, etliche Nägel, Glasperlen und andere Kleinigkeiten. Hierauf stieg er mit seinen Leuten wieder in die Boote und ließ den Wimpel wehend am Strande zurück.

Sobald die Boote vom Lande abgestoßen waren, ging der Greis zu dem Wimpel hin und tanzte eine geraume Zeit lang um ihn herum; dann entfernte er sich, kam aber bald nachher mit einigen grünen Zweigen zurück, die er hinwarf, um sich alsbald zum zweiten Male hinwegzubegeben. Doch währte es nicht lange, so kam er in Begleitung von zwölf andern wieder zum Vorschein; alle nahmen eine demütige Haltung ein und näherten sich langsam und ehrfurchtsvoll dem Wimpel. Weil er aber zufällig im Winde stark flatterte, als sie ihm nahe kamen, flohen sie in größter Bestürzung. Nachdem sie eine kleine Zeitlang von ferne gestanden, gingen sie plötzlich davon und brachten dann zwei lebendige Schweine zurück, die sie am Fuße des Wimpelmastes niederlegten. Endlich faßten sie Mut und fingen an zu tanzen. Als diese Zeremonie beendet war, brachten sie die Schweine an den Strand hinab, stießen ein Kanu ins Wasser und legten die Schweine hinein. Der Greis, der einen langen weißen Bart hatte, setzte sich sodann ganz allein zu diesen Tieren und brachte sie ans Schiff. Als er neben dem »Delphin« anlegte, reichte er uns einige grüne Bananenblätter nacheinander herein und sprach bei jedem in einem feierlichen, langsamen Tone ein paar Worte. Nachdem er endlich damit fertig war und auch die Schweine hereingereicht hatte, drehte er sich um und wies auf das Land. Ich befahl, ihm einige Geschenke zu geben, die er aber nicht annahm. Kurz darauf stieß er sein Kanu vom Schiffe ab und fuhr ans Land zurück.

Bald nachdem es finster geworden war, hörten wir das Lärmen vieler Trommeln, großer Muscheltrompeten und anderer Blasinstrumente. Wir sahen auch eine Menge Lichter längs der ganzen Küste sich bewegen.