Um 6 Uhr des Morgens, als wir keinen von den Eingeborenen an der Küste erblickten, dagegen aber den Wimpel entfernt sahen — den die Insulaner vermutlich, wie in der Fabel die Frösche ihren königlichen Klotz, hatten verachten lernen —, befahl ich dem Leutnant, eine Wache mit an Land zu nehmen und, wenn alles ruhig wäre, es uns zu melden, damit wir mit der Füllung unserer Wasserfässer beginnen könnten. Bald darauf ließ er mir zu meiner Freude melden, daß er bereits eine Anzahl von Wasserfässern habe an Land bringen lassen; um 3 Uhr hatten wir schon 4 Tonnen voll an Bord. Während unsere Leute mit dem Füllen beschäftigt waren, erschienen einige von den Eingeborenen am jenseitigen Ufer unter Anführung des Greises, den der Offizier am Tage vorher gesehen hatte. Bald kam der alte Mann herüber und brachte einige Früchte und etwas Federvieh mit, das uns dann an Bord geschickt wurde.

Ich war um diese Zeit schon seit ungefähr 14 Tagen sehr krank und befand mich eben damals so schwach, daß ich kaum herumkriechen konnte. Da ich nun nicht selbst an Land gehen konnte, gebrauchte ich mein Fernglas, um vom Schiffe aus zu sehen, was an Land vorging. Um 9 Uhr kam eine Menge von Eingeborenen über den Berg marschiert, der ungefähr eine Meile weit von dem Strome ab liegen mochte. Zu gleicher Zeit entdeckte ich eine große Anzahl von Kanus, die um die westliche Landspitze herumliefen und längs der Küste sich näherten. Ich blickte hierauf nach der Wasserstelle und bemerkte dahinter, wo die Aussicht freilag, eine zahlreiche Schar von Eingeborenen, die unter den Gebüschen hinschlichen. Zugleich entdeckte ich eine unzählbare Menge Wilder, die in den Wäldern gegen die Wasserstelle anrückten, und noch mehrere Kanus, die sehr schnell um die andere Landspitze der Bucht gegen Osten herkamen.

Ich erschrak über diese Anstalten und fertigte sogleich ein Boot ab, um dem Offizier am Lande hinterbringen zu lassen, was ich gesehen hatte, und ihm zu befehlen, augenblicklich mit seiner Mannschaft wieder an Bord zurückzukommen, ja, im Notfall die Fässer zurückzulassen. Jedoch er hatte bereits die ihm drohende Gefahr selbst entdeckt und war ungeheißen an Bord seines Bootes gegangen, noch ehe meine Botschaft ihn erreichte. Sobald er inne ward, daß die Eingeborenen sich den Schatten des Waldes zunutze machten, um heimlich gegen ihn heranzuschleichen, schickte er sogleich den Greis an sie ab und gab ihnen durch Zeichen zu verstehen, daß sie in einer gewissen Entfernung bleiben sollten, und daß er nichts als Wasser verlange. Als sie merkten, daß sie entdeckt waren, fingen sie an, zu rufen, und rückten noch geschwinder gegen ihn an. Der Offizier zog sich augenblicklich mit seiner Mannschaft in die Boote zurück. Während seines Rückzuges waren die Eingeborenen über den Fluß gegangen und hatten unter lautem Freudengeschrei Besitz von den Wasserfässern genommen. Ihre Kanus fuhren nun aufs schnellste längs der Küste zum Wasserplatze, und alles Volk lief ebendahin. Eine Menge von Frauen und Kindern aber rannte auf einen Berg, von wo aus sie den Meerbusen und den Strand übersehen konnten, und ließ sich hier nieder. Sobald die Kanus von beiden Landspitzen der Bucht her in die Gegend kamen, wo unser Schiff vor Anker lag, stießen sie an Land und nahmen noch immer mehr Leute auf, die große Säcke trugen. Diese waren, wie sich später herausstellte, mit Steinen gefüllt. Nunmehr näherten sich alle Kanus unserem Schiffe. Ich durfte also wohl nicht mehr länger daran zweifeln, daß die Eingeborenen ihr Kriegsglück in einem neuen Angriff zu versuchen trachteten. Da nun meiner Meinung nach das sicherste Mittel zur Verminderung des Unheils war, den Kampf möglichst kurz zu gestalten, beschloß ich, ein für alle Male den Feindseligkeiten ein entschiedenes Ende zu machen.

Ich befahl daher meinen Leuten, die alle die ihnen angewiesenen Plätze eingenommen hatten, zunächst auf die Kanus zu feuern, welche schon in hellen Haufen auf dem Plan erschienen. Dies geschah auch augenblicklich mit solchem Nachdruck, daß alle Kanus im Westen der Bucht in voller Hast an den Strand eilten, während die im Osten alsbald um die Klippenreihe herumruderten, um sich der Wirkung unserer Kanonen zu entziehen. Darauf richtete ich das Feuer nach verschiedenen Gegenden des Waldes, so daß die Eingeborenen bald daraus vertrieben wurden und den Berg hinaufrannten, wo die Frauen und Kinder sich niedergesetzt hatten, um der Schlacht zuzusehen. Auf diesem Berge befanden sich nunmehr viele Tausende, die sich hier für vollkommen sicher hielten. Um sie aber vom Gegenteil zu überzeugen, befahl ich, vier Schüsse gegen sie abzufeuern. Ich dachte, wenn die Eingeborenen unsere Kugeln ungleich weiter fliegen sähen, als sie erwarteten, würden sie befürchten, wir könnten so weit schießen, wie wir überhaupt nur wollten. Zwei von den Kugeln fielen hart an einem Baume nieder, unter dem eine große Menge versammelt saß, und jagten dieser einen solchen Schrecken ein, daß nach 2 Minuten keine Seele mehr zu sehen war.

Als ich nun die Küste völlig gesäubert hatte, bemannte und bewaffnete ich die Boote, schickte unter großer Bedeckung meine Zimmerleute mit ihren Äxten ab und befahl ihnen, alle zurückgelassenen Kanus zu zerstören. Noch vor Mittag war diese Arbeit vollendet, und mehr als 50 Kanus, von denen viele wohl gegen 20 Meter lang, 1 Meter breit und zu je zweien durch Balken miteinander verbunden waren, lagen zerstückt am Strande. Man fand in ihnen nichts als Steine und Schleudern, nur an Bord zweier viel kleinerer Kanus waren einige wenige Früchte, etwas Federvieh und einige Schweine.

Um 2 Uhr nachmittags kamen gegen zehn Eingeborene aus dem Walde hervor mit grünen Zweigen in den Händen, die sie am Strande in die Erde steckten; alsdann gingen sie wieder fort. Bald nachher brachten sie Schweine, denen sie die Füße festgebunden hatten. Hierauf holten sie aus dem Walde etliche Bündel von dem Zeuge, dessen sie sich zur Kleidung bedienen, und das dem chinesischen Papier einigermaßen ähnlich sieht, legten diese gleichfalls am Strande nieder und riefen uns zu, daß wir alle Sachen abholen möchten. Da wir ungefähr 3 Kabeltaulängen von der Küste entfernt lagen, konnten wir nicht genau erkennen, woraus dieses Sühneopfer im einzelnen bestand. Daß es Schweine und auch ein ganzer Ballen von ihrem heimischen Zeuge sein mochte, errieten wir. Als wir aber auch andere Tiere, mit ihren Vorderfüßen über dem Nacken gebunden, verschiedene Male aufstehen und eine kleine Strecke auf den Hinterfüßen fortlaufen sahen, hielten wir sie für seltsame, uns unbekannte Wesen und waren daher sehr neugierig, sie näher zu betrachten. Ein Boot wurde also schnell an Land geschickt, wo natürlich die Verwunderung sich bald löste: es waren nämlich Hunde. Unsere Leute fanden außer den Hunden und dem Zeuge neun tüchtige Schweine. Diese wurden an Bord gebracht, die Hunde dagegen ließ man los, auch das Zeug blieb am Lande liegen. Für die Schweine legten unsere Leute einige Beile, Nägel und andere Dinge auf dieselbe Stelle hin und winkten einigen von den Eingeborenen, die sich sehen ließen, daß sie unsre Gegengaben nebst ihrem Zeuge abholen und behalten sollten. Bald nachdem das Boot am Schiff wieder angelegt hatte, brachten die Insulaner noch zwei Schweine und machten uns Zeichen, diese zu holen. Das Boot kehrte demnach an Land zurück und brachte die beiden Schweine mit, ließ das Zeug jedoch wieder unbeachtet liegen, obwohl uns die Eingeborenen zur Mitnahme aufforderten. Unsere Leute berichteten mir, daß die Wilden von all den Sachen, die ich für sie auf den Strand hatte hinlegen lassen, nichts angerührt hätten; einer von uns war der Meinung, daß sie die Geschenke deswegen nicht nehmen mochten, weil wir auch das Zeug abgewiesen hätten, weshalb ich befahl, nunmehr auch dieses zu holen. Der Ausgang bewies die Richtigkeit dieser Meinung. Denn sobald das Boot das Zeug eingeladen hatte, kamen die Insulaner herab und trugen alles, was ich ihnen geschickt hatte, unter den größten Freudekundgebungen mit sich in den Wald fort. Unsere Leute liefen hierauf an der Küste bis zu dem Ort hin, wo es frisches Wasser gab. Hier füllten sie alle unsere Wasserfässer, die fast 6 Tonnen hielten, und brachten diese zum Schiff. Wir fanden, daß die Fässer, während sie im Besitz der Eingeborenen gewesen waren, keinen Schaden erlitten hatten, büßten aber einige lederne Eimer und Schläuche ein, die mit den Fässern zugleich in ihre Gewalt geraten und nicht wieder zurückgegeben worden waren.

Am folgenden Morgen schickte ich die Boote mit einer Wache an Land, um noch mehr Fässer mit Wasser füllen zu lassen; bald nachdem die Mannschaft gelandet war, erschien ebenderselbe Greis, der am ersten Tage über den Fluß zu ihnen gekommen war, wiederum am jenseitigen Ufer und hielt von da aus eine lange Rede an unsere Leute, nach deren Beendigung er endlich zu uns herüberkam.

Als er nahe genug war, zeigte ihm der Offizier die Steine, die wie Kanonenkugeln am Strande aufgehäuft und seit unsrer ersten Landung dahin gebracht worden waren; er wies ihm auch einige Säcke voller Steine, die man in den auf meinen Befehl zerstörten Kanus gefunden hatte. Er gab sich Mühe, dem alten Manne begreiflich zu machen, daß seine Landsleute der angreifende Teil gewesen wären, und daß wir nur aus Notwehr ihnen hätten schaden müssen. Der Greis schien zu begreifen, was der Offizier sagen wollte, über die Frage des Angriffs aber nicht gleicher Meinung mit ihm zu sein. Er hielt indessen sogleich eine Rede an das Volk, wies mit großer Rührung auf die Steine, Schleudern und Säcke, und bisweilen waren seine Blicke, Stimme und Gebärden drohend und aufs höchste erregt. Doch nach und nach legte sich der Sturm seiner Leidenschaften wieder, und der Offizier, der es herzlich bedauerte, daß er von der ganzen Rede nicht ein Wort hatte verstehen können, bestrebte sich, ihn durch Beihilfe aller nur möglichen Zeichen zu bereden, daß wir in Freundschaft mit ihnen zu leben und von Herzen gern alle Beweise unserer guten Gesinnung zu geben wünschten. Zur Bestätigung dessen reichte er ihm die Hand, umarmte ihn und schenkte ihm einige Kleinigkeiten, die er sich selbst aussuchen durfte. Der Offizier konnte außerdem dem Greise verständlich machen, daß wir Lebensmittel einzuhandeln wünschten, daß die Eingeborenen aber nicht in zu großer Zahl kommen und auf der einen Seite des Flusses, wie wir auf der andern bleiben sollten. Hierauf ging der Greis sichtlich befriedigt hinweg, und noch vor Mittag kam ein ordentlicher Handel zustande, vermittels dessen wir Schweine, Federvieh und Früchte genug bekamen, daß das gesamte Schiffsvolk, ob krank oder gesund, reichlich und so viel von diesen Lebensmitteln erhielt, als es nur verzehren konnte.

Als die Angelegenheit nun glücklicherweise so gut beigelegt war, schickte ich den Schiffsarzt mit dem zweiten Leutnant ab, das Land in Augenschein zu nehmen, um irgendwo einen bequemen Platz auszusuchen, wo ich für die Kranken Landwohnungen aufschlagen könnte. Als sie zurückkamen, meldeten sie, daß die ganze Insel, soweit sie sie gesehen und untersucht hätten, hierzu überall gleich bequem und gesund sei. Wenn es aber zudem auf Sicherheit ankäme, so könnten sie nur die Wasserstelle empfehlen, weil allda die Kranken sowohl vom Schiffe als von der Wache her geschützt wären. Man würde sie zugleich an diesem Orte leicht beaufsichtigen können, daß sich keiner von ihnen allzu tief ins Land hineinwagte; man würde sie endlich von dort auch leicht zu den Mahlzeiten rufen können. Ich schickte daher die Kranken nebst den Leuten, die Wasser holen sollten, zur Wasserstelle und übertrug dem Waffenoffizier das Kommando über die Bedeckungsmannschaften. Um die Kranken gegen Sonne und Regen zu schützen, wurde ein Zelt aufgeschlagen, und ich ließ den Schiffsarzt mit an Land gehen, damit er über ihr Wohlbefinden wachen und die nötigen Maßnahmen treffen könnte.