Das Thema wird im achtzehnten Brief fortgesetzt und vertieft:

Wichtige Entdeckungen auf naturwissenschaftlichem Gebiet, das Wärmeäquivalent von Robert Mayer, die Entstehung der Arten von Darwin usw. stimulieren die Sache, so daß Naturwissenschaft und Philosophie mit zwei Bergleuten verglichen werden könnten, welche von zwei Seiten an einem Tunnel graben und dem lichten Durchbruch derart nahe sind, daß gespannte Ohren hüben und drüben die Hammerschläge pochen und die Werkzeuge krachen hören.

Das Bild hat viel Wahres, aber führt leicht auch zu Mißverständnissen. Durch Vivisektion der Frösche und Kaninchen, durch Bohren am Gehirn wird die Physiologie den Geist nicht erforschen. Kein Mikroskop und Teleskop wird das Wesen von Vernunft und Wahrheit aufdecken oder die Kunst der Unterscheidung enthüllen.

Ebensowenig wird es in der Sprachwissenschaft den Lazar Geiger, Max Müller, Steinthal und Noiré gelingen, mittels irgendeiner Ursprache »die letzten Fragen alles Wissens« zu lösen.

Jedoch soll die werte Mitarbeiterschaft dieser Herren nicht bestritten, sondern nur darauf hingewiesen sein, daß der Vergleich mit dem Tunnel mächtig hinkt. Von den logischen Formen gilt auch, was Marx von den ökonomischen sagt: »Bei der Analyse kann weder das Mikroskop dienen, noch chemische Reagenzien. Die Abstraktionskraft muß beide ersetzen.«

Die Sache wird zum Durchbruch kommen; aber nicht indem jede Partei einseitig vorangräbt, sondern weil die Bergleute außer der Arbeitszeit miteinander verkehren und ihre Erfahrungen einander mitteilen. Auch verbleiben wohl die Philosophen der entscheidende Teil, da sie die Spezialisten in der Logik und als solche bereit sind, alles, was dem Werke dient, zu verwenden, von welcher Seite immer es sich darbieten mag. Die andere Partei dagegen hat ihre aparten Spezialitäten und fördert die Logik mehr nebensächlich und unwillkürlich.

Dietzgen bespricht im Anschluß hieran den naturwissenschaftlichen »Monismus« seiner Zeit, der zum Teil noch in unserer sich breit macht, wie den von Noiré, der im Grunde ein unklarer Dualist war, indem er »Bewegung und Empfindung« für die einzig wahren Attribute der Welt erklärte, ohne zu erkennen, daß die Empfindung doch nur eine Art der Bewegung ist.

In der »Einleitung und Begründung einer monistischen Erkenntnistheorie«, bemerkt Noiré mit höhnischem Akzent, »daß er nicht in der Lage sei, neuen Aufschluß über das Absolute zu geben«.

Der naturwissenschaftliche Monismus hat vom Universum einen viel zu beschränkten Begriff. Mit seinem »alles ist Bewegung« ist sowenig und soviel gesagt wie mit dem Salomonischen »alles ist eitel«. Alles ist krumm und gerad, alles groß und klein, alles zeitlich und ewig, alles Wahrheit und Leben. Aber wie nun der Unterschied in die Welt, wie Ruhe in die Bewegung, Verstand in den Unverstand kommt, davon ist nichts gesagt.