Danach macht er sich fertig und wandert gen Osten in der Tracht kroatischer Bauern.

KIEW.

Durch die Serbin zu süßerer Qual entzündet als von allen Derobeas eilt Dada Rußland zu. Als ukrainischer Bauer kommt er nach Kiew. Entsandt von der neuen Einheitsrasse, die Europas blutgedüngter Erde entsproß, seinem erstickenden Völkergefängnis entsprungen, entkettet, entbunden, entrollt zu Wirrsalen des Staatenumsturzes, fernster Völkersicht, zu Stürmen, Himmeln, Bindungen erneuerten Festlandes.

Im Dom zu Kiew kniet Dada vor den Bildern des Weltgerichts. Nachtdunkle Augenmale der weltverschlingenden Propheten starren auf das Meer Europas, in dessen Abgrunde brünstige Ungeheuer rollen. Jo, die Sklavin roher verderblicher Götter, nimmt gepeitscht durch kimerische Länder ihren qualvollen Lauf zu den Zinnen des Kaukasus. Über prometheischer Zwiesprache zürnt das feurige Antlitz des Stiergottes durch die Wolken und beschattet das junge Europa mit endloser Zwietracht und Krieg, gleich Blitzen unter Wolken gestreut.

Die furchtbaren Tiere regen sich markzehrend in Europas Tiefen: Plage, Seuche, Hunger, Aufruhr, Gewalttat, Verfolgung, Mord. Die Heiligen des Pantokrators, erhöht über Verbrechen und Schwächen, gewaffnet mit Jovis Blitzen und dem Bannfluch, um jede Seele botmäßig zu machen, starren glühend in den unermeßlichen Abgrund, über dem sie ihre Macht errichtet haben. Heulende Gewalten werfen sich in den Staub, Zerknirschte tun Buße, das Schwert zerschellt, seine Schrecken enden am gläsernen Meere, das unwandelbar von Gottes Stuhl über Europa fließt.

Die Gottesmutter nimmt die Gestalt der Serbin an. Sie stiehlt das goldene Vlies des Orients. Dada wird in Kolchis seinen Bock den alten Göttern schlachten und er wehrt es nicht den neuen, ihr Mahl am frischen Lamme zu halten und das Opferblut zu trinken. Dada sieht den Transportzug in der hellhörigen, zartleuchtenden Nacht, die Explosion und den Zusammenstoß: die Raserei der Verwundeten, die Schreie der Getöteten, die Schande des Mordes haben seine Seele erreicht. Das Lamm ist zerrissen, das Blut dampft um Rache im strengen Licht von Patmos — das die Stufen beglänzt, auf denen die schwarzen Väter thronen.

KAUKASUS.

Brücken, Stahlschienen, Wagen tragen den Leib des glücklich dem wolhynischen Gemetzel Entronnenen. Bäche, Ströme, Hügel beugen ihre breiten Rücken, Wälder setzen ihren schwarzen Fuß zögernd in die endlose Steppe und nehmen endlich Abschied von Dada. Russische Dome heben ihre Türme mit Zimbeln der goldenen Kuppeln und zärtlichen Kreuzen. Rosa-Lämmer mit Glöckchen um den Hals springen auf zum Silbermond in grüner Abendaue, und ein Lächeln betaut Dadas Angesicht. Eines der Rosalämmer hüpft auf die gewölbte Mondsichel, und Dada faßt hinauf in dem zärtlichen Bedürfnis, als der gute Hirte das Tier auf den Arm und an seine Brust zu nehmen. Da schwillt die zarte Rosagestalt ungeheuer an zum blutroten Mastodon, dessen Wanst langsam über den kleinen Mond sinkt und ihn mit blauen Riesenschatten verhüllt.

Die himmlischen Eisdiamanten des Kaukasus erscheinen am Himmelsgewölbe, königlich über den Reichen des Lebens. Keine Absolution durch Handauflegen, keine Gnade durch Messe und Rosenkranz — erdwurzelnder Glaube, strenge Ordnung, Riesenkreis säulenstarker Offenbarung. Die feierlichen Stimmen der Berge dulden keine versteckten Winkel voller Trägheit und keine Schlammfelder voll anarchischer Mordtaten.

Die Berge wandeln erhaben, senken sich, ruhen, steigen an und neigen schwarze Riesentafeln über Dada. Eisige Windströme stoßen von nächtlichen Hängen, reißen und kälten ins Mark. Düster geduckt harrt Dada zwischen Bauern gekauert, auf den Ausbruch des roten Wahnsinns, wenn vom Riegel des Orients die Trompete schallt und die Nie-Entsühnten zum Weltgerichte ladet.