* * *

Durch die Städte des Hafis gelangt Dada zum Indischen Ozean. Mit englischen Khakis, die zur Front nach Görz eingeschifft werden, geht Dada an Bord eines mit Rauten und Rechtecken übermalten Kreuzers. Anders als er in Pola über die Adria emporflog zur Eroberung des Poles, belastet, verdumpft, zugeschüttet, kehrt er endlich heim von seiner Europareise zu Italia: zu ihr, die ihn als ihren Marschall aussandte, kehrt er müde und ohne sein schimmerndes Schild heroischer Taten zurück und keine Hymne Emanueles rauscht heimatskündend dem vielbewanderten Dada.

Krank, zerrüttet verbringt der Flüchtling die Reise im Bette. Im Fiebertraum steigt der Kaukasus immer drohender, in schrecklicher Schönheit empor. Dada klimmt an düstren Hängen auf und hämmert hilflos einsam riesige kubische Glastafeln an die Felswände. Aber sie lockern sich schnell und stürzen in die Tiefe, aus der furchtbare Windströme die Kräfte seiner Arme saugen. Qualgeblendet steigt Dada zu den prometheischen Firnen auf, um ihnen seine antiseptischen Glastafeln aufzuhämmern, aber die mächtigen Berge spotten seiner kindischen Anstrengungen.

Als das Fieber von Dada weicht, bemächtigt sich des Dichters ein dämonischer Glaswahn: mit riesigen Glastafeln will er Berge, Küsten und Hochflächen bedecken und sie schützen vor der Fäulnis und Verderbnis des kriegführenden Europas durch eine Erdarchitektur des Glases.

* * *

In Brindisi betritt Dada das gelobte Land unter den Huldigungen der weiblichen Bevölkerung, die einen Helden vermutet. Die gewaltige Gestalt, gehüllt in einen schweren Mantel von Kardinalsrot, zieht aller Blicke an. Während Dada die Terrassen vom Meere heraufschreitet, wird er mit Blumen überschüttet, Körbe mit Früchten Siziliens werden ihm nachgetragen.

Dada wölbt die athletische Brust und spricht zu den italienischen Frauen: „Der Held träumte unter den Blumen des Orients vom armen Karst im Norden, den die lateinische Flagge seit Jahrhunderten nicht mehr küßte. Der Held fährt zu der schaurigen Hölle zu Füßen der Alpen, die eure lebendigen Söhne frißt.“

Dadas Ruhm beginnt. In Neapel und Rom wird er interviewt und gefilmt, Barzini schildert seine antarktische Reise. Jenes dunkle Attentat auf die ukrainische Eisenbahnlinie, das vielen Tschakos den Garaus gemacht, und das der Dichter der Urlaute in einem molligen Interview zum besten gegeben hat, wird in der ganzen Kriegspresse abgedruckt zur Förderung einer gesunden Akzentuierung der Heeresberichte. Seine Hymnen werden als patriotische Kundgebung für den Sieg Italiens über den Nordpol verherrlicht, und die um Bissolati träumen von seinem Denkmal auf dem Karst. Nur der Avanti erklärt sich gegen eine öffentliche Geldsammlung für die Statue Dadas.

Der Gefeierte im roten Kardinalsmantel aber träumt von höheren Ehren und von einem andern Ruhm, der ihm nicht von seinem Nebenbuhler d’Annunzio und der Rache der Anarchisten streitig gemacht werden kann.

VENEDIG.