„Lieber Sohn, ich will dir die schöne weiße Zuckerkante schenken, die drüben auf den Bergen hängt, und die feinen rosa Wolkenlämmer, die im tiefen Blau grasen, verlocken feurige Hammelbeine zu Galopp und Sprung. Willst du zu ihnen, mein Widder?“
Der Widder erwidert in Urlauten, feurige Blitze seiner Bosheit fahren zum Talgrund:
„Ich sehe viel weiter und will viel weiter, als du willst, lieber Herr. Deinen Zuckerkant lecke ich bald mit roter Zunge, und auf die rosa Wolkenlämmer setze ich meinen Bockstritt. Versuch mal diesen Galopp.“
Der Bock zieht zehn scharfe Bogen hart um Dada auf dem gefährlichen Felsgrat, aber schließlich gesellt er sich wieder neben seinen Gebieter und Dada legt von neuem die Hand auf das honigglänzende Gehörn.
„Über hundert Gipfel im Norden setzest du mit harten Läufen und dann gelangst du in das tiefe Land, das der Krieg beschattete mit Zerstörung und Verwesung. In diesem Lande wurde täglich und jahrelang das unzählbare Menschenfleisch von köstlichen Nationen der ganzen Erde mit Feuer und Stahl gemahlen, und die eklen Sümpfe wurden mit Blut gedüngt. Der Ätna, der Sudan, die Kalahari, keine Wüste der Erde droht vergiftet von Greueln wie dies Land. Auch dein armer Vater Dada war in diesem Lande gefangen, bis ich entwich!“
Der Widder mit honigglänzendem Gehörn schüttelt Dadas Hände fort, springt im Ruck vor Dada und senkt drohend das Horn zum Angriff, seine Augen brechen Feuer aus, seine Stimme donnert von Urlauten:
„Du dicker Butterschlegel, hochtrabendes Faß voll Regen, Säusler von Zuckerkant, kamst zu Anfang mit deinem Zweifel an dir selbst. Und als alles vorbei war, schlugst du an deine stumpfe Brust und schriest „Meine Schuld“. Wohlan, Dada, der Widder aus dem Sternenbild, nicht der Nachtmahr deiner Verbrechen im Kaukasus, die ewige Jugend der Welt empört sich und stößt dich fort, weil du dick, erstickend träg von Worten schwillst, weil die Freiheit auf gewölbter Sonnenbahn erglänzt und dich verwirft.
Du hast geduldet, daß jene sich zerfleischten, die du trösten und vereinigen solltest. Du mitsamt der Helena, um derentwillen du getötet hast, habt die Würfel geworfen um des Lebens willen, du bist der antiken Hure nachgelaufen, dem lateinischen Popanz und einer dacischen Mänade. Mit Mummenschanz von Urlauten, Glasbergen und Ziegensprache hast du genüßlich das Leben beklebt und deinen Bastardsinn verraten.
Wenn ich dich mit den Hörnern hinabstieße, was würde es den bösen Tälern schaden, denen du entlaufen bist! „Unsere Schuld!“ ruft ihr. Ein Chor der Unmündigen zeugt von sich selbst. Die sich selbst nicht zu befehlen vermögen, treten unter die ratlosen Besserwisser der Völker und verwirren die geringe Vernunft, die nach ihren Verbrechen und Bluträuschen erwachen will. Hohle Raketen der Wortkunst schleudert ihr unter sie und ihr schämt euch nicht und gebt euch preis, die ihr unfähig zu einer Welt ohne Blut und Tränen seid. Unschuld, Unverwelklichkeit der edlen Seelen habt ihr nicht gekannt!“
Im heftigen Sprung schlägt der Bock mit dem Gehörn den Istrier zu Boden und entweicht nach Norden. Dada erhebt sich vom jähen Sturz, zerschunden, bleich, gepeitscht von kreisenden Schwänzen der aufgerufenen Schrecken. Er erhebt die dicken Arme, um sie auf den eigenen Schädel niederwirbeln zu lassen. Stierlaute quälen seine Kehle. Die hundert Tschakos seines ukrainischen Attentats zertrümmern seinen Verstand. Er bricht in Klagen menschlicher Worte aus.