Erschoss. Liebes­paar.

Anno 1847 am 16. August erschoß sich hinter den Gärten bei Sellerhausen ein junges Liebespaar aus Volkmarsdorf. Der Jüngling war 18, das Mädchen 17 Jahre alt. Das Mädchen wurde am 18. August unter Vorantritt der Geistlichkeit und der Schuljugend, sowie ihrer Angehörigen und Freunde beerdigt. Die Jünglinge von Volkmarsdorf trugen den Sarg. Der Leichnam des jungen Mannes kam auf die Anatomie!!!

Mendels­sohn-Bartholdy †.

Am 4. November 1847 starb hierselbst in der Königstraße der Königl. Preuß. Capellmeister Dr. Felix Mendelssohn-Bartholdy. Am 7. November wurde der Sarg mit dem Leichnam des Verewigten unter Vorantritt zweier, abwechselnd Trauer-Märsche spielender Musikchöre, unter großem Blumen- und Palmenschmuck und dem Geleit der Mitglieder des Conservatoriums, der Universität, der Civil- und Militairbehörden im feierlichen Zug durch Petersthor und Petersstraße, Markt, Grimmaische Straße in das Innere der Universitäts-(Pauliner-)Kirche gebracht, vor dem Altar niedergesetzt und mit brennenden Wachskerzen umgeben. Nach abgehaltenem Trauergottesdienst und Absingen des Chorals »O Haupt voll Blut und Wunden etc.« unter Orgel- und Posaunenbegleitung, wurde der Sarg Abends per Extrazug nach Berlin gebracht.

Robert Blum †.

Anno 1848 am 14. November kam die Nachricht von Robert Blum’s Erschießung, in der Brigittenau zu Wien am 9. November, dem Tage vor seinem Geburtstage, nach Leipzig und fand desselben Tages eine große Volksversammlung in der Thomaskirche statt. Dieser folgte am 26. November 1848 die Todtenfeier für Robert Blum in Leipzig. Auf dem Roßplatz stellten sich sämmtliche Innungen und Corporationen mit ihren Fahnen auf, darunter die Buchdrucker mit einer rothen Fahne und der Inschrift von Blum’s Namen und Todestag. Punkt 11 Uhr marschirte der Zug vom Roßplatz um die Promenade, an der Post vorbei, durch die Hallesche und Katharinenstraße auf den Markt. Hier theilte sich der Zug und hatte die erste Abtheilung Gottesdienst in der Nikolai- — die Andern in der Thomaskirche. Nachmittags gab der Turnerchor auf dem Exercirplatz bei Gohlis zu Ehren des Erschossenen drei Salven ab.

Robert Blum wurde am 4. November in Wien, nach Bewältigung des dortigen Aufstandes gefangen genommen und nach kriegsgerichtlichem, durch den Fürst Windischgrätz bestätigtem Urtheil am 9. November standrechtlich erschossen.

Am 7. December 1848 veröffentlichte Rechtsanwalt Dr. Gustav Haubold im Leipziger Tageblatt Folgendes:

»Ich übergebe hiermit die Abschiedsworte Robert Blum’s, zur Widerlegung vielfach verbreiteter Gerüchte, der Oeffentlichkeit.

Leipzig, den 7. Dec. 1848.