»Was ham Se gesagt!?« fragt hitzig der nur halb versöhnte Benjamin.
Schrumm — schrumm — schrumm rauschen die Harfentöne durch den Keller und die drallen Mädchen erheben sich zum Chorgesang.
Aller Streit ist vergessen, frisch tönen die Mädchenstimmen durcheinander im Sopran und Alt und beim Refrain des Liedes aus den »Mottenburgern« stimmt Alles mit ein:
»Ja ich bin der Oberbürgermeister — bin der Tyrann, ja der Tyrann von Mottenburg!« — —
Der Schuster aus der Provinz singt, daß die Wände wackeln könnten, der Gymnasiallehrer will durchaus mit dem Berliner Grossisten Brüderschaft trinken, was aber der Mann der Gottgelahrtheit noch glücklich verhindert. Der Bruder Studio schwingt sich unter ungeheurem Jubel auf das Hauptfaß und dirigirt, auf demselben reitend das Lied bis zum Ende desselben.
Der Theologe macht einen kühnen Versuch, den Arm um die Hüfte der jetzt zum Cassiren die Runde machenden Hulda zu legen, begegnet aber auf diesem Wege der Hand des stark »angerissenen« Bruders, wodurch beider Hände erschrocken zurückfahren; der »Giter« besitzende Monokelbändiger lehnt sich stolz befriedigt und siegesgewiß zurück, denn »Rosa« hat ihm — ach der Aermste wußte nicht, daß er bereits der Fünfte war, der dasselbe Versprechen heute Abend erhielt — das Recht ihrer Begleitung nach Hause zugestanden und der Student verschwindet auf wenige Augenblicke, um draußen den Zustand seiner Casse zu prüfen, denn »hier wird nicht gepumpt« steht in Form eines buntkolorirten Bildes bereits im oberen Keller zu lesen.
Das Notenblatt aber, welches Hulda mit demselben Lächeln, Alt oder Jung — Christ oder Jude — entgegenhält, bedeckt sich mit Sechsern und Groschen, ja Zweigroschenstücken und wie sie dasselbe in die hinter dem Bruder an der Wand hängende Geldkatze leert, gibt es dem Nagel an der Wand einen ordentlichen Ruck.
So geht es fort, Lieder und Musikstücke wechseln ab, eine Flasche Rebensaft folgt der andern, Niemand denkt ans Heimgehen, bis auf einmal auf einer der oberen Stufen das »Auge des Gesetzes« in Gestalt eines untersetzten Polizeidieners erscheint, der halb schmunzelnd, halb dienstlich streng das noch vollzählige Auditorium einen Moment betrachtet, als thäte es ihm Leid dies fidele Völkchen zu stören. Indeß — der Dienst geht über Alles, er steigt deshalb noch eine oder zwei Stufen weiter herab, hebt den stockbewaffneten Arm und als hierauf etwas Ruhe eintritt, läßt er seinen Vers los.
»Heern Se — meine Herrn — s’ is um Zwee, un — s’ thut mer leid, aber s’ is Feierabend!«