»Darf ich mer machen de Hoffnung, daß Se sein nich grausam un gestatten mer zu leisten Ihnen Ritterdienste; darf ich Se begleiten später nach Hause?«

»Das dauert noch lange — —«

»Un wenn’s noch so lange dauerte — bin ich nich mei eigner Herr und bin gekommen von meine Giter, blos zum Vergnügen nach der Leipziger Messe?«

»I gar!« flüstert Rosa zerstreut, denn ein lustiger, bildhübscher, kecker Musensohn wirft ihr eben eine Kußhand zu.

»Gott soll mer leben lassen« ereifert sich der, sich immer mehr in sein phantastisches Lügengewebe verstrickende handlungsbeflissne Benjamin, »mei Name is —«

»Esau — Esau« fällt der eifersüchtige Musensohn ein, der seine Aufschneidereien mit angehört hat, »Esau — ist sein Name — und in Meseritz ist er derhame — das E ist nur deshalb zu seinem sonst richtigen Namen gesellt, weil sich die »Cavaliere« von Meseritz und Umgegend auf etwas gespanntem Fuß mit der »Sau« befinden — holdseligste Rosa!«

Rosa und die Umsitzenden lachen laut und der liebegirrende Benjamin fährt wüthend auf, aber sein Nachbar und Concurrent seines Chefs zieht ihn gewaltsam an den Rockschößen wieder auf die Bank herab.

»Machen Se kenen Stuß, Levy« sagt er, »der Herr Student is e kleiner Spaßvogel — allons — angestoßen!«

»In diesen heiligen Hallen kennt man die Rache nicht!« pflichtet der ebenfalls aufgethaute Gymnasiallehrer bei und hält sein Glas hin; zögernd begraben die beiden Nebenbuhler das Kriegsbeil und die Gläser klingen hell aneinander.

»Also Levy heißt er« brummt der Student in sich hinein, »e Vieh ist also doch dabei!«