»Im Auftrage der etc. Steuerbehörde komme ich, um Sie zum letzten Mal zur Bezahlung der restirenden Steuern aufzufordern!«
Augenblicklich war mein Freund auf den Beinen und schritt freudestrahlend mit Grandezza auf den bärtigen Krieger zu.
»Sei mir willkommen, gewappneter Vertheidiger meiner heimathlichen Gefilde, Gruß und Kuß entbiete ich Dir — o in Waffen strotzender Jüngling!«
Der biedre Schütze wich vor der ihm angedrohten Umarmung einige Schritte zurück.
»Ach«, sagte er gemüthlich, »machen Se doch keen Unsinn! Hier is de Quittung, wo ham Se d’n s’Geld?«
»Geld?« declamirte M. pathetisch mit der Pfeife in der Luft herum vagirend, so daß der Soldat wieder etwas zurückweichen mußte, »Geld? — Bedarf es des elenden Mammons, um zwei deutsche Männer, sich in gemeinsamer Liebe zu dem theuern Vaterlande begegnend, an die Brust sinken zu lassen? O — komm Bruder in meine Arme — —«. Jetzt wurde die Sache aber doch, wie es schien, dem Schützen etwas zu bunt.
»Ach, machen Se doch keene solchen Ginkerlitzchen!« rief er, »wenn Se eben nich bezahlen, denn bleibe ich hier bei Sie im Quartier un habe zu verlangen — —«
»Wie?« antwortete freudestrahlend der Gemahnte, »Du bist gekommen, um in diesen der Kunst geweihten Hallen mein Gast zu sein? O — nochmals — sei tausendmal willkommen! Doch jetzt hinweg mit dem Völker mordenden Gewehr, herunter mit Deiner schweren Behauptung und dem belastenden Tornister! — Entgürte Deine Hüften« — — — hierbei nahm er dem theils verdutzten, theils in der Aussicht auf ein längeres gutes Quartier schmunzelnden Soldaten Gewehr, Tzschacko und Tornister ab und schnallte ihm die Leibkoppel los, »— so und nun — herab mit den Stiefeln und bequem gemacht; den schweren Rock aus — was wäre das für ein Gastfreund, der dem geliebten Gast nicht sein Alles gäbe! — Hier — meine Laatschen an Deine bisher von rauhem Leder bedeckten Füße — hier mein Schlafrock zur weicheren, wärmenden Hülle und — — hier meinen von einem tunesischen Seeräuber mit eigner Hand erbeuteten Fez — — — so — — — und nun — o Liebling des Mars, mach’ Dir es bequem auf dem schwellenden Sopha — —!«
Und richtig saß binnen fünf Minuten der edle Vaterlandsvertheidiger, angethan mit Schlafrock, Laatschen und Fez, ein nicht sehr geistreiches Lächeln auf den Lippen, auf dem Sopha, indeß M. in seine Stiefeln fuhr, seinen Anzug herbeischleppte und — ohne wegen seiner verschiedentlich erscheinenden Blößen in Verlegenheit zu gerathen, in kaum glaublicher Schnelle vollständig Toilette zum Ausgehen machte.
»Sie sein zu gitig!« sagte schmunzelnd der »Liebling des Mars«, im Sopha lehnend. »Nee so freindschaftlich — na — mir wer’n uns schon vertragen! — Aber — wo woll’n Se denn hin?« frug er, als jetzt M. seinen etwas schäbigen Calabreser eifrig abbürstete.