»Ah — — de Hierschemusen!«
So flogen oft die Worte und Reden herüber und hinüber, auf den Straßen unseres guten Leipzig in den vierziger, fünfziger und sechziger Jahren unseres Jahrhunderts. Ein Rudel Jungen und Mädchen kam dann dahergestürmt und umkreiste, sie neugierig anstarrend, eine schlankgewachsene Frau von schier undefinirbarem Alter, welche inmitten des Trubels ruhig dahin schritt. Nur wenn ihr ein dreister Bengel einmal etwas zu nahe kam, stockte einen Augenblick ihr Fuß; wie zur Abwehr, aber niemals drohend, hob sie leicht den schirmbewaffneten Arm, und — hui — wie stiebte die leichtfüßige Schaar sofort auseinander, freilich nur um gleich darauf, einem Volke dreister und zudringlicher Spatzen gleich, dasselbe Spiel wieder zu beginnen. Der Bengel aber, den sie angesehen hatte, blieb meist betroffen zurück.
»Du — kann die aber Een ansehn!«
»Wie denn — se wollte Dir wohl was thun?«
»I — nee, nee — aber — weeßte — ’s wurde mer ganz nippernäppsch derbei!« — — —
»De Hirschemusen!« sagten die stehenbleibenden Frauen, dieselbe an sich vorbeigehen lassend. »Se sieht immer noch aus wie früher.«
»Nee — die verrickte Person — sehn Se blos, Frau Müllern, heute hat se bei der Hitze gar e Pelzmantel um — —«
»Ja — ja — und im Winter läuft se mit dem Strohhut un’n Sonnenschirm!«
»Aber’n Pompadour oder e Körbchen hat se egal am Arme!«
»Das arme Thier — Du lieber Gott — mer weeß ooch noch nich, was een an der Stirn geschrieben steht, die hat ooch nich gedacht daß se emal als Halbverrickte uff der Straße rum loofen wirde.«