»I — nu freilich!« antwortete die Richtern »s’in de Bergleite — wissen se — die die grünen Federstitze uff de Schackos ham, dasmal ham se noch eine Bauke un ene Lyra mitgebracht, wo sie druff mit ä Stäbchen wunderscheene klimbern, nee — ich heere se zu gerne!«

Leipziger Meßmusikanten.

»Ach Gott!« sagt die Müllern, horchen se blos, jetzt spielen sie den Schneiderwalzer. — Jeses — da denke ich sie stets an mein seeligen Mann, s’ war den sei Lieblingsstückchen, er sang allemal mit — horchen se blos — jetzt singen se derzu:

»— — — Jette — Jette — zum Ballette
Muß der Junge ganz gewiß!
Denn schau doch — O Frau doch — Genau doch — Nur diese —
Schnurgeraden Füße — Wie Bratenspieße — — —.«

»Hurrah! S’ is wieder Messe! De Meßmusikanten sin wieder da« brüllten wir Herren Jungens und warfen Mützen und Schultornister jubelnd hoch in die Luft, daß die blechernen Penale (früheren Feder- und Bleistiftbehälter wie jetzt die Federkästen) neue Beulen kriegten und die ohnehin strapazirten Mützen vollends aus aller Façon kamen. Hei! was begann nun für uns für eine lustige Zeit. Wir schätzten es uns zur hohen Ehre, den Musikanten als lebendige Notenpulte zu dienen und kleine Schlachten, deren Resultate häufig zerschundene Gesichter und blutige Nasen waren, wurden zwischen uns geschlagen, um dieser Ehre theilhaftig zu werden. Verächtlich und triumphirend blickten wir Sieger auf unsre Besiegten oder auf die höheren Söhne, deren Eltern ihren auf uns neidisch blickenden Sprößlingen diese Dienstleistung im Reiche der schönen Künste nicht gestatteten.

»Donnerwetter — schon wieder Messe!« rief der Bruder Studio aus, die »Meßmusikanten sind da — na da wird wohl Levy Schmul auch bald kommen — Zeit wird’s, denn — — —«

So klang es von allen Seiten und allen Ständen der Bevölkerung bis in die äußersten Winkel der Vorstädte hinaus, denn schon mit dem Glockenschlage sechs, des Montages der Vorwoche begannen diese Zugvögel mit größter Pünktlichkeit ihre musikalische Thätigkeit. Den Anfang an jedem Morgen machte stets ein Choral, denn der blutarme Weber und Bergmann des Gebirges hat ein gar frommes Herz. Wie vielseitig aber ihre Thätigkeit oftmals war und welcher Bescheidenheit sie sich in allen Dingen befleißigten, verräth am Besten das Tagebuch des Meßmusikanten Gottfried Hahn aus Stollberg im Erzgebirge von der Michaelismesse 1851, welches wir hier, genau nach seiner eignen Niederschrift folgen lassen.

Dage- und Cassabuch for unsre Gesellschaft, gefiert von Gottfried Hahn.

Vorgestern, als den 15. September 1851, sein mer hier in Leibzig zur Michaelimesse angekommen, nämlich ich Gottfried Hahn aus Stollberg im sächsischen Erzgebirge als erste Drombete, mei Bruder Luis mit der zweiten Drombete un’n Glabbenhorn, meiner Muhme ihr Sohn, der August bläst’s Waldhorn, Kremplers Heinrich aus Obervogelgesang mit der Bosaune, Hesse aus Oberpfannenstiel als erste Clarnette und Bäslers Fritze aus Lauterbach mit der zweiten Clarnette un’n Biston, mer sein also sechs Mann. Finf Tage warn mer unterwegens un ham uns mit Spiel’n von Ort zu Ort glicklich durchgefressen bis hierher. Gestern, am 16. ham mer uffn Naschmarkt vorn Herrn Aktuar von die Bolizei Probe gespielt. Mir wählten derzu das scheene Lied, als Marsch »Gott sei mit Dir mein Sacksenland« was mer aus’n ff kennen un bestanden ooch de Probe glänzend, so daß mer glicklich unsern Schein kriegten. Indem Krempler Heinrich zwar der Aeltste is, aber so sehre seift, ham se mich zum Kassirer erwehlt, aber s’ wird ooch Zeit, daß was in de Casse kommt, denn wie mer den Schein bezahlt hatten un dann in unser Quartier in der Webergasse No. 4 kamen, wo mer mit e Freiberger Bergmusikantenkor in ener leeren Dischlerwerkstelle uff lauter scheenen Strohsäcken schlafen, hattn mer in der Casse nur noch … Thlr. —.— 7 Pfennge.