Heite, den 18. September is Sonntag un durften mer noch nich spielen, mir sein deswegen alle zusammen in de liebe Kirche gegang’n, dadermit mir de Messe »mit Gott« anfangn; Nachmittags warn mer in Rosendahl, wo’s nischt kost un Abends geht’s zeitig zu Bette heite.

Heite, den 18. September habn mer angefangen, zuerst in der Bosenstraße un mit’n Choral »Wie scheen leichtet der Morgenstern,« dann ’n »Schneiderwalzer« un zuletzt ’n »Bergmannsgruß«, wozu mei Bruder Luis, der August, Hesse un Bäsler den Dekst sangen. ’S machte sich sehr hibsch. Nachher wurden mer von ener Köchin, die in der »Bretzel« an der Ecke der Holzgasse dient, fer morgen frieh um sechse zu e Ständchen bestellt un kriegten mer zwanzig Neigroschen in Voraus. S’is nämlich der Köchin ihr Geburtstag morgen, un s soll so aussehn, als wenn e Verehrer ihr das Ständchen bringen läßt. Im Ganzen ham mer heite eingenommen 2 Thlr. 8 Gr. 4 Pfg., worunter aber zwee falsche Dreier un e versilberter Zweefennger.

Heite, den 19. September habn mer erst der Köchin zwee Dreppen hoch das Ständchen gebracht. Erst bliesen mer den Choral »Wach auf mein Herz«, dann »Wir winden Dir den Jungfernkranz« un als Schlußstück das scheene Lied »Heinrich ach — un seine Caroline.« Die Köchin that sehr gerihrt un mer kriegten Jeder e Schnaps un zusammen noch e Viergroschenstick. Einnahme heite zusammen 1 Thlr. 28 Gr. 7 Pfg.

Bis heite den 23. September ham mer von 20. 21. 22. und 23. eingenommen 14 Thlr. 7 Gr. 2 Pfg.

Mit dem Krempler Heinrich is es ä wahres Elend, indem er zu sehre seift und was da aus der Bosaune rauskommt kann mer sich denken. Gestern Abend spielten mir in ä Privathaus, wo se uns reinholten un mer ooch zu essen und trinken kriegten un se nach unserer Musik danzten. Nachher sammelten se selber vor uns ein und kriegten mir noch 1 Thlr. 2 Gr. 6 Pfg. Krempler war so voll, daß mern reene zu Hause tragen mußten. Na — er hats aber von mir beese gekriegt! —

Heite den 24. September war klener Meßsonntag. Ich hätt bald Malehr gehabt heite, weil mer e Student in der Petersstraße zwee große Vierfennger in Pabier gewickelt, von 3 Drebben hoch runter un mir grade uff de Nase schmiß, daß se ganz dicke wurde. Abends ham mer heite in der großen Dierbude uff’n Obstmarkt gespielt, aber weil Heinrich wieder emal een dichtg zu sich genommen hatte, un der große Löwe for die Döne aus Heinrichn seiner Bosaune kee musikalisches Geheer hatte, gabs zuletzt e großen Grawall un der starke Löwenbändger schmiß uns zuletzt alle eenzeln, eenen nach dem andern zur Bude naus, was mer blos ganz alleene Heinrichen un sein Saufen zu verdanken hatten.

In die erste Woche ham mir also einge­nommen, alter Rest

Thlr. Gr. 7 Pfg.
Datum den 18. September 2 8 4
dihto den 19. „ 1 28 7
dihto bis mitgerechnet 23. Sept. 14 7 2
in den Privathaus eckstra 1 2 6
Heite, Datum den 24. September 3 8
magt zusammengerechnt 22 Thlr. 18 Gr. 4 Pfg.

Dadervon hab’ch bezahlt fir 6 Mann Logis un Kaffee fir 8 Tage, jeder Dag 15 Ngr.

4
bleibt 18 Thlr. 18 Gr. 4 Pfg.

Für Mittagsbrod in der Speiseanstalt fir 8 Dage vor sechs Mann, jeder Dag 72 Pfg.

1 Thlr. 27 Gr. 6 Pfg.
un an jeden von uns Vorschuß v. 1 Thlr. 6 7 27 6
bis heite Rest 10 20 8 Pfg.

Datum 26. September. Seit gestern spielen wir alle Abende bei Rappon (Rappo, größte Seiltänzer- und Akrobaten-Gesellschaft, welche in den 40er und 50er Jahren fast regelmäßig die Messen besuchte) in seiner Bude von sechsen bis um elfe, wofir wir jeden Abend 1 Thaler 8 Gutegroschen kriegen. Mei August hat in den eenen wilden Indianer, die daneben in der Bude lebendge Hihner zerubben un fressen, den alten Leinweber Dietze aus Schlettau sein Sohn Edward, der vor 4 Jahren von derheime fortgelaufen is erkannt, na — das Metier kennt mer nich gefallen! Bei Rappos geht das Geschäft gut un solln mer ooch noch ganz egale neie Mitzen kriegen.

Datum 27. September. Heinrich war gestern Abend wieder so knill, daß er Grakehl in Quartier mit een von de Freiberger kriegte, der hat’n aber furchtbar zugedeckt un heite hat er e ganz blaues Ooge. Mei Bruder Luis fand heite frieh in seiner Drombete e Kinderzulp, den Eener wahrscheinlich aus Unsinn neingewärcht hatte, ä recht eenfeltger Spaß. Einnahme den 25., 26. un 27. September, ohne das von Rappon, was mer wechentlich kriegen 9 Thlr. 11 Gr. 1 Pfg.

Datum 1. Oktober. Heite war erster großer Meßsonntag un alles kribbelte un krabbelte von Menschen, mer mechte wissen wo se nur alle herkommen. Un weils bis jetzt so leidlich gegangen ist, fingen wir heite frieh um sechsse mit dem Choral »Mein Erstgefiehl sei Preis und Dank« an. In der blauen Mitze kriegten mer for unsern scheenen Vortrag vom Bergmannsgruß, ä wahrhaftiges Achtgroschenstück in Pabier gewickelt zugeworfen. S’ war e bohlsches (polnisches) aber das schad nichts, mir wärn’s schon los. Heinrich freilich meente gleich, daß mer daderfür sollten for jeden gleich zwee Glas Braunbier kofen, aber der Siffel wurde überstimmt.