Einnahme d. 28. 29. 30. Sept. un heite d. 1. Oct. zusammen | 16 | Thlr. | 7 | Gr. | 6 | Pfg. | ||||||
| daderzu vom 25. 26. und 27. Sept. | 9 | „ | 11 | „ | 1 | „ | ||||||
Von Rappon for diese Woche = 7 Dage jeder 1 Thlr. 10 Ngr. | 9 | „ | 10 | „ | — | „ | ||||||
| Un alter Rest | 10 | „ | 20 | „ | 8 | „ | ||||||
| 45 | Thlr. | 19 | Gr. | 5 | Pfg. | |||||||
Wieder ab vor diese Woche vor Logis, Kaffee un Mittagessen | ||||||||||||
| 5 | Thlr. | 27 | Gr. | 6 | Pfg. | |||||||
| Un neier Vorschuß vor Jeden 1 Thlr. | 6 | „ | — | „ | — | „ | 11 | „ | 27 | „ | 6 | „ |
| bleibt Rest | 33 | Thlr. | 21 | Gr. | 9 | Pfg. | ||||||
womit mir kenn sehr zufrieden sein. Die scheenen Mitzen hab’n mer von Rappon ebenfalls umsonst erhalten. Se sind grau mit silbernen Bonbong, wie de östreichschen Militärmitzen un sehn sehr fein aus, mir habn uns dichtg driber gefreit.
Datum 4. October. Dietzens Junge der den Indianer machte is fortgelaufen und bei Renzen als Mohr in den Zirkus eingetreten. Er sagt er könnte die Kost nich länger vertragen. Heite haben mir bei die Studenten in’n Thiringer Hof in der Burgstraße bei e Commers bis jetzt, wo’s frieh um Dreie is, gespielt un hatte uns Rappo für diesen Abend freigegeben. Bier gabs so viel mir nur wollten und finf baare Thaler kriegten mer außerdem noch, Heinrich war natürlich schon um Zwelfe so beseift, daß’n de Studenten uff e Faß festgebunden un nischt wie Unsinn mit’n getrieben ham. Morgen wird er schöne Töne aus seiner Bosaune rausbringen! S’is e Jammer mit den Kerl, aber wenn mer heem kommen sag ichs gewiß seiner Frau, der Carline, vor der hat er geherigen Respekt. Einnahme den 2. 3. und 4. October ohne Rappon seins 13 Thlr. 7 Gr. 2 Pfg.
Datum 6. October. Hab ich’s nich gesagt? Ae ganzen Dag is Heinrich dienstunfähig gewesen gestern von wegen seiner Beseiftheit, weshalb August mußte de Bosaune blasen. Ja — ja — der Suff der bringt Krempler noch in ä friehes Grab. Gestern früh wie mer gerade an der Sandgasse den Morgenchoral spielten, kommt e Herr und sagt, mir sollten in de Königstraße No. 11, zwei Dreppen hoch gehn, da wohnte e Freind von ihm der heite seinen Geburtstag hätte, indem er grade 30 Jahre alt wirde. Wir sollten recht sachte de Dreppen nauf gehn un oben mit aller Macht das Lied »Schier dreißig Jahre bist Du alt« blasen, worüber sich sein Freund furchtbar frein wirde. Als Lohn gab der Herr 1 Thaler, dann ging er mit uns bis in de Hausflur, blieb aber unten stehen. Wir freiten uns über das noble Geschenk und schlichen uns ganz leise de 2 Dreppen nauf. Oben nahmen wir sachte Aufstellung un legten nu los, daß de Wände zitterten. Kaum aber warn mer bis zur dritten Strofe gekommen, so ging uff emal de Vorsaalthür uff un e Frauenzimmer in ener Nachtjacke und de Haare einzeln in Pabier gewickelt, stürtzte mit e großen Besen uff uns los un haute uff uns ein daß uns Heern un Sehn verging un wir lauter Frösche rausbrachten. Ich denke natirlich mer sein vielleicht falsch gegangen un trete vor un will den Irrthum aufklären, da kommt aber uff emal noch e Frauenzimmer, ene ganz Alte, ebenfalls aus dem Logis rausgesterzt, die haut mich schwipp, schwapp mit e nassen dreckgen Scheuerlappen um Maul und Ohren, daß ich bald erstickte, denn der Lappen blieb mir auf Mund und Nase und dem Hals kleben un ich war froh, daß die Alte loslies un ich ebenfalls Hals über Kopf ausreißen konnte, wie meine Collegen schon gethan hatten. Ae ganzes Werterbuch voll Schimpfworten, sowie den Besenstiel schickten uns die Frauenzimmer noch hinten nach und erst unten wickelten mir meine Freinde den Lappen runter, so daß ich wieder ordentlich Athem holen konnte. Wir waren natirlich iber so ne Behandlung fir unsre musikalische Leistung eiserst aufgebracht, aber der Herr, der immer noch in der Hausflur stand, wollte sich todlachen, griff in die Westentasche und ich denke, na — e Viergroschenstick macht Alles wieder gut, was aber drickt er mir in de Hand? E Pabier — un wie ichs besehe is es werklich und wahrhaftig e Finfthalerschein! Na — unsre Freide! Nu sagte uns der Herr, die Dame oben sei ene vom Theater, ene Dänzerin, heite sei ihr Geburtstag wo sie wirklich 30 Jahre wirde, un weil se sich immer nur fir 23 Jahre alt ausgebe, habe er ihr den Possen gespielt. Wir stellten uns nun auf die Straße vor dem Hause auf und spielten fast eine Viertelstunde lang weiter nichts als »schier 30 Jahre bist Du alt« bis die Alte schimpfend an uns vorbei un nach der Bolizei lief, weshalb wir uns nun trollten; der Herr war ebenfalls gegangen.
Datum 8. October. Gestern Nachmittag spielten mir von dreien bis um sechse bei e Richtschmaus in der Zeitzerstraße und kriegten derfor 1 Thaler un freies Bier. Natierlich hatte Heinrich wieder e dichtigen Zacken, un de Folge war, daß mir’n bei Rappon de Bosaune wegnehmen mußten, weil er egal falsche Döne rausbrachte und de Harmonie störte. Rappo drückte e Auge zu, weil mir nun blos Finfe waren; na warte nur Heinrich, wenn mir wieder zu Hause kommen, Deine Carline soll Alles erfahren wie de Dich aufgeführt hast.
| Einnahme den 5. 6. 7. und 8. October zusammen | 11 | Thlr. | 29 | Gr. | — | Pfg. |
| Ekstra von dem Ständchen v. 5. October | 6 | „ | — | „ | — | „ |
| Einnahme vom 2. 3. und 4. October | 13 | „ | 7 | „ | 2 | „ |
| Einnahme von Rappon, for 6 Dage | 8 | „ | — | „ | — | „ |
| Alter Rest | 33 | „ | 21 | „ | 9 | „ |
| 72 | Thlr. | 28 | Gr. | 1 | Pfg. | |
| wieder ab Logis, Kaffee, Mittagessen und Jeden 1 Thlr. Vorschuß | 11 | „ | 27 | „ | 6 | „ |
| bleibt Rest | 61 | Thlr. | — | Gr. | 5 | Pfg. |
Datum 11. October. Vorgestern haben mir ene Innung aus der alten Herberge in die neue geblasen un dann den Obermeister Ständchen gebracht, aus der Innungskasse kriegten mir dafür 3 Thaler und von den Obermeistern noch zwei Thaler, gestern spielten mir den Nachmittag im Garten der großen Funkenburg wo viele Menschen warn weil e Luftballon losgelassen wurde, wir kassirten iber 4 Thaler, was uns noch nicht bassirt ist. Einnahme Alles in Allen den 9. 10. und 11. October, ohne Rappon seins 16 Thlr. 4 Gr. 7 Pfg.
Datum 13. October. Mer merkt daß de Messe zu Ende geht, die Einkäufer und großen Verkäufer sind alle fort und die Straßen in der Stadt sind viel leerer wie vorige Woche noch. Aber dafor gehts Geschäft auf dem Augustusplatz flott und s’is e Gedränge daß mer kaum durchkann. Die Handelsleute sind fröhlich und vergnügt un Vormittags wenn mir oder e anders Chor kommen und spielen, tanzen sie oft in den Reihen daß de Buden wackeln und dann geben se uns gerne ä paar Pfennge oder ä Sechser, viele Male aber geben se e Groschen, ja — s’is e fideles Völkchen. Bei’n Schustern hatten se gestern ene Bude bekränzt weil der Händler darin nunmehro seit 30 Jahren zur Messe kam, wir mußten ihm e Ständchen bringen un dann sammelten se für uns und brachten bald finf Thaler for uns zusammen. Mir wollten das viele Geld for die kleine Mühe erst nich nehmen, aber — se meenten wir wirden’s wohl schon brauchen kennen. Du lieber Gott, da hatten se freilich recht, zumal wenn mer ä armer Weber is wie ich und 6 lebendge Kinder zu Hause hat.
Einnahme den 9. 10. und 11. October Alles in Allen aber ohne Rappon seins 15 Thlr. 29 Gr. 8 Pfg.
Datum 15. October. So wäre se denn zu Ende de liebe Messe. Fir uns war se wieder recht segensreich und morgen kenn mer heimwärts wandern, denn for de ärgste Noth for nächsten Winter is Gott sei Dank gesorgt. Es giebt doch noch recht gute Menschen in der Welt, die gerne geben, auch wenn sie selbst nicht viel haben.