Bäume wurden gefällt, Wege mit Geistergeschwindigkeit hervorgezaubert, und längs der so gewonnenen Bahnen glitten immer neue Reihen von Kanonen, Protzkästen und Pulverkarren hinauf. Und von oben keine Störung, kein einziger Schuß, kein überraschender Angriff der preußisch-sächsischen Armee, die, teils im Lager bei Kapellendorf, teils um Dornburg herum in weitläufige Quartiere gelegt, an alles andere eher dachte als daran, den unerbetenen Gast wieder in die Schluchten hinabzuwerfen.
Der kleine Mann stand da unbeweglich als ruhender Punkt und Richtzeichen in all dem Getriebe, das auf ihn zustrebte, um nachher, von seiner Hand zusammengefaßt, sich wieder strahlenförmig, wie aus einem Fächer heraus, über die Gegend zu ergießen und die preußische Armee zu umfassen, sobald der Augenblick dazu da wäre.
Der Wind spielte mit den Schößen seines langen grauen Mantels. In der zunehmenden Dämmerung verwob sich ihr Flattern mit den aus den Schluchten der Saale aufsteigenden Dünsten, die immerfort zunahmen, als ginge der Nebel von den grauen Rockschößen aus. Immer dichter wurden die Dünste, schon füllten sie die Täler und die Schluchten und ließen einzelne Kuppen nur noch als übriggebliebene Inseln aus der Überschwemmung herausragen, bis auch sie versanken und das Wolkenmeer sich vom Thüringer Wald, über die Unstrut, bis weit nach der Elbe hin ausbreitete, Städte und Gehöfte verschlang und alles Leben vom Erdboden vertilgte.
Im Schutz dieses Nebels fing der kleine graue Mann an, seine Netze zu legen und seine Fallen zu stellen, schnell, behende, sicher und leise schleichend wie das Unheil selbst.
Sorglos ruhte das Wild. Nur weit in der Ferne und außer Bereich des Waltens jenes unheilschwangeren Geistes wachte [pg 150]ein Wille, von bösen Ahnungen getrieben – ein Wille, der die Macht des Zauberers brechen wollte. Aber er war noch unfrei, noch von den Fesseln blinden Gehorsams gebunden.
Blücher – denn er war es – ging da, von quälender Unruhe getrieben, rauchte sein kurzes Pfeifchen, schnupperte nach allen Windrichtungen hin, räusperte sich, hustete die sauverfluchten Nebeldämpfe aus, spuckte und fluchte über den drückenden Dunst, der das Atmen behinderte und den Ausblick versperrte!
Er dachte daran, wie er einst im Traum den Wolken des Himmels Blitze entriß und die Nebel verscheuchte.
Ja, das wäre so etwas, frei zu fliegen, die Augen offen, alles sehen, im Fluge das Notwendige gleich erfassen und blitzschnell zur Tat werden lassen, statt wie jetzt, am Gängelbande eines anderen, Befehle auszuführen, die der erste beste Stabsoffizier ebensogut bewältigen könnte!
Als ihn heute unterwegs der Befehl des Königs erreichte, sofort seine Truppen zu verlassen, um zu ihm ins Hauptquartier zu kommen, da dachte er: jetzt ist deine Zeit da, jetzt braucht man dich zu etwas, was nur du leisten kannst!
Er ritt schnell wie der Wind hin und kam abgehetzt an – nur um die Nachricht zu empfangen, der König schliefe und wünsche ihn erst am nächsten Morgen zu sehen.