Dort wurde zur Abwechslung wieder einmal Kriegsrat gehalten.
Hohenlohe, der seine Niederlage bei Jena so schnell mit dem Oberbefehl über die ganze Armee belohnt sah, hatte nämlich nichts Eiligeres zu tun gehabt, als seinen lieben Massenbach wieder hoch in Ehren einzusetzen, und da war guter Rat teuer.
Bei der Beratung erhoben sich Stimmen dagegen, daß von allen Seiten die Truppen nach Magdeburg hinstrebten und so die Festung verstopften.
Der Hauptmann von dem Knesebeck schlug entschlossen vor, davon gänzlich abzusehen. Es wäre, so meinte er, zweckmäßiger, nur die Versprengten nach Magdeburg laufen zu lassen, um sie dort neuzuordnen. Die armierten und formierten Truppen dagegen könnte man weit vorteilhafter nach Hameln werfen, sich dort mit dem noch intakten Korps des Herzogs von Weimar vereinigen lassen. Dann mit diesem, mit den westfälischen Truppen Lecoqs, und mit Blüchers Artillerie zusammen, Hessen und Westfalen insurgieren, den Feind von Berlin und von der weiteren Verfolgung der aufgelösten Truppen abhalten, und dem König Zeit geben, eine neue Armee zu bilden und, vereinigt mit den Russen, heranzuführen.
Der Plan, der das Gute an sich hatte, wieder die Aktivität der Truppen zu beleben und ihre Unternehmungslust neu zu entfachen, fand allseitigen Beifall.
Er hatte aber den einen und unverzeihlichen Fehler, nicht von Massenbach zu stammen. Und damit war er erledigt.
Oberst Massenbachs Geist durfte sich nie und nimmer in den Bahnen eines anderen bewegen. Und ihn gar der Unbequemlichkeit unterwerfen, sich mit der Prüfung von Gedanken anderer Leute abzugeben, das ging ihm wieder die Natur!
Er entschied also kurz: Die Idee des Hauptmanns von dem Knesebeck wäre gut, sie wäre sogar ausgezeichnet, aber sie ließe sich leider nicht verwirklichen. Unter den obwaltenden Umständen müsse an dem Plan, hinter die Oder zu gehen, festgehalten und die Richtung auf Magdeburg eingehalten werden. Das wäre seine unverfängliche Meinung.
Gründe gab er nicht an. Soweit durfte er seine Autorität nicht aufs Spiel setzen. Er hatte es auch nicht nötig. Denn der Fürst, müde, gelassen und kurzsichtig wie immer, sagte zu seinen Ausführungen ja und amen, ohne nach Gründen zu fragen. Und so bewegte sich alles im alten Trott.
In und um Magdeburg sammelte sich denn so allmählich der Rest der stolzen preußischen Armee – alles in allem fünfundvierzigtausend Mann –, um von den kunsterfahrenen Händen Massenbachs in neue Unordnung geordnet zu werden.