„General,“ sagte er, „das geht nimmermehr, wenn Fürst Hohenlohe jetzt den Oberbefehl haben soll und Massenbach alles wieder verfahren darf!“

„Ob das geht!“ rief Blücher, gallig auflachend. „Geradeswegs zum Teufel geht’s, darauf können Sie Gift nehmen.“

„Dann tun wir beide wenigstens, was wir können, um den Schaden zu vermindern! Retten wir die schwere Artillerie! Die läßt sich nun und nimmer über den Harz bringen, wo der Fürst sich jetzt mit der Armee durchschleichen will. Sie bleibt auf den schweren Wegen stecken. Wenn Sie, General, den Befehl über die Kolonne nehmen und mich alles anordnen lassen, dann bringen wir die Artillerie viel sicherer und ebenso schnell auf dem Umweg um den Harz herum ans Ziel. Wir ziehen über Osterode, Braunschweig und bei Sandau über die Elbe. Ich lasse überall im voraus Gespanne requirieren und bei den Haltepunkten bereitstellen, damit die Artilleriepferde, die total abgetrieben sind, geschont werden können. Ich sorge auch dafür, daß wir sofort bei Sandau Fährgelegenheit haben. Das ist alles zu machen, wenn nur ein Mann wie Sie das Kommando nimmt, damit gut aufgepaßt, schnell und energisch im Falle der Gefahr durchgegriffen und ohne Zaudern vorwärtsgegangen wird! Wollen Sie?“

„Sofort!“ sagte Blücher. „Das schaffen wir zusammen! Wir wollen den anderen zeigen, Oberst, was zwei aufrechte Kerle vermögen, wo andere die Köpfe hängen lassen. Wie viele Rohre sind das?“

„Einunddreißig. Und ein Bataillon Infanterie als Bedeckung.“

„Das genügt! Wir nehmen noch an die sechshundert Pferde von meinem Regiment! Kommen Sie, gehen wir gleich zum Fürsten und bringen es ins reine, und dann los!“

Sie schüttelten sich die Hände. Beide hatten gefunden, was sie suchten. Der Generalquartiermeister das starke aktive Temperament Blüchers, das keine Hindernisse kannte und Autorität genug hatte, alles mit sich fortzureißen – Blücher den klugen, sicher und kühl berechnenden Kopf Scharnhorsts, den trefflichen Organisator, den unermüdlichen Arbeiter, den vorausschauenden Blick, der schnell die Grenzen des Möglichen erfaßte und nicht die geringste Kleinigkeit dem Zufall überließ, der die Notwendigkeit des wagehalsigen Temperaments eines Spielers für die Durchführung einer Sache vollauf einsah, ihm aber auch im Bedarfsfalle einen Dämpfer aufzusetzen verstand.

Sie taten sich zusammen, um ein paar Kanonen zu retten, und daraus wurde ein Bund zur Rettung des ganzen Vaterlandes. Ein Bund ohne feierlichen Schwur, ohne Verbrieftes und Gesiegeltes – „vom Zufall herbeigeführt“, würde der Skeptiker sagen – „mit Notwendigkeit – aus Schicksal“, wie der Fatalist es deuten würde. Kurz und gut, es wurde. Und der Bund hielt.

Sie schritten also zur Ausführung ihrer ersten gemeinsamen Tat und zogen mit dem Artilleriepark ab.

Inzwischen führte Hohenlohe die Armee auf den vielfach verschlungenen Wegen durch den Harz und machte in Quedlinburg halt.