Bei den Franzosen ging dann ein Geschnatter los.

Wer jener Monsieur sei, der so aufgeregt tat! – Ob er oder le comte Kalckreuth das Kommando hätte? Man ließe sich einen derartigen Affront nicht bieten, man wäre schockiert, konsterniert und wer weiß was noch! – Man stampfte auf den Boden, ließ die Äuglein zornig blitzen und wetterte und zeterte, daß die Stimmen sich überschlugen.

Blücher fand das höchst ergötzlich und lachte ihnen aus vollem Halse ins Gesicht.

„Wenn die Herren einen Wettkampf im Krähen veranstalten wollen, ich habe nichts dagegen!“ sagte er. „Aber dazu bedarf es meiner Gegenwart nicht!“ Worauf er ihnen den Rücken kehrte, in den Sattel sprang und davongaloppierte. Die Franzosen taten das gleiche. Und die Herren Kalckreuth und Massenbach kehrten betrübt zu den Truppen zurück.

In bester Ordnung wurde denn, trotz dem Feuer der Franzosen, weiter marschiert bis nach Sondershausen.

Dort legte Kalckreuth sein Kommando nieder, nahm Urlaub und reiste von der Armee fort, was Blücher aufs höchste erfreut hätte – wenn der König nicht dem Fürsten Hohenlohe das Oberkommando über die ganze Armee gegeben hätte.

„Nun geht die Unordnung erst recht los!“ fluchte er. „Für einen lahmen Gaul tauschen wir einen blinden ein. Himmelsakrament, wo findet sich ein Kerl, der alles in Ordnung bringt und mir hilft, diese Bangbüxen und Stümper zu Paaren zu treiben?! Wo find’ ich den?“

Da öffnete sich die Tür, und auf der Schwelle stand ein unscheinbarer Mann in etwas gebückter Haltung, die Augen müde und trübe blickend, als wären sie von Arbeit überanstrengt; das Gesicht von tiefen Furchen durchwühlt. Mit [pg 171]nachlässigen Bewegungen kam er herein, grüßte, strich sich die wirren Haare aus der Stirn und blieb vor Blücher stehen.

„Scharnhorst!“ schrie dieser. „Sie kommen wie gerufen! Sie fehlten mir gerade! Ich bin nichts als Gift und Galle, nach all der Feigheit und Miesepeterei hier. Erzählen Sie mir wenigstens eine gute Neuigkeit!“

Scharnhorst schüttelte müde den Kopf.