Damit kam er aber bei Blücher schlecht an.

„So’n Sauverfluchter – so’n Schwerenotverdammter! Das müssen wir uns sagen lassen! So’n Gewäsch wagt er uns zu bieten!? Wo wir allezeit bereit waren und bereit sind, den letzten Hauch herzugeben, um den Franzmann aus dem Lande herauszujagen, da wollen Sie ihm Tür und Tor öffnen und ihn gar noch in die Arme schließen! Das ist Verrat – das ist – –“

Er kam in solche Aufregung, daß er nicht weitersprechen konnte, und es wäre Massenbach sicherlich sehr übel ergangen, wäre nicht im selben Augenblick ein Parlamentär vom Marschall Soult angekommen, der den Oberbefehlshaber zu einer weiteren Besprechung einlud.

Das nahm sofort seine ganze Aufmerksamkeit gefangen, und Massenbach wurde vergessen.

Als man aber nachher zum Verhandlungsort ritt, da ritt Massenbach mit. Denn er mußte ja überall dabei sein und sein dickes Fell zu Markte tragen.

Soult und die begleitenden Offiziere waren nicht besonders liebenswürdig. Sie kehrten recht deutlich den Sieger heraus und führten die Unterhandlung in so hochfahrender Weise, als sei es eine Gnade von ihnen, überhaupt darauf zu verzichten, die Preußen kurz und klein zu schlagen und zu Brei zu treten.

Blücher sprach kein Französisch.

Er glaubte aber trotzdem aus der langen Unterhaltung Kalckreuths mit den Franzosen ein paarmal das Wort „Kapitulation“ heraushören zu können. Und als das im Anschluß daran einsetzende Geflüster nicht aufhörte, riß ihm schließlich die Geduld.

Er ging zum Marschall Soult hin und rief ihm laut und ohne Umschweife zu: „Kapitulation hin, Kapitulation her! [pg 170]Als Soldat bin ich in Ehren grau geworden. Als ehrlicher Soldat lasse ich mich jederzeit zusammenhauen, wenn’s nicht anders ist! Aber kapitulieren, nein! Die Feigheit dürfen Sie nimmermehr von mir verlangen!“

Dabei schlug er auf die Säbelscheide, daß es klirrte.