Der Kapitän beugte sich vom Pferde herunter.

„Wissen Sie was, Kamerad, der eine von den beiden ist ein Schuft, der andere ein Schwachkopf! Das meine Meinung! Wenn es ihre Privatangelegenheit wäre, würde ich keinen Ton sagen. Aber wenn Tausende von Leben von ihren Schrullen abhängen, wenn das ganze Land darunter zu leiden haben wird, daß solche Leute zu befehlen haben – – Na –, wie gesagt, ich reite meines Weges! Wenn’s soweit ist, pfeife ich Ihnen!“

Er grüßte, gab seinem Pferd die Sporen und ritt davon. Major von der Marwitz stieg auch in den Sattel und schloß sich dem Fürsten Hohenlohe und Massenbach an, die sich jetzt zu einer Unterredung mit den Franzosen begaben.

Auf einer niedrigen Wiese kamen sie ihnen entgegengaloppiert, versteht sich, auf guten, erbeuteten preußischen Kavalleriepferden, um recht niederschmetternd zu wirken. Murat selbst ritt das bei Saalfeld erbeutete Pferd Louis Ferdinands; sein Gefolge hatte sich beim Regiment Gens’darmes beritten gemacht.

„Dieser freche Gaskogner – dieser Naseweis von einem Bäckerjungen!“ sagte von der Marwitz laut, als er den blaurotgolden herausgeputzten napoleonischen Reitergeneral sah, wie er sich unter der reichen Verschnürung brüstete und blähte, die gelockten Haare schüttelte und gleich anfing in einer Weise zu schwadronieren, gegen die Massenbachs Zungengeläufigkeit das reine Kinderspiel war.

Der war auch stumm wie ein Fisch und tat das Maul nicht einmal auf. Er starrte nur, wie der Fürst, entsetzt auf Murat, als dieser anfing, nach rechts und links, nach Nord und Süd in die leere Landschaft hineinzuzeigen, und plötzlich vor seiner erstaunten Phantasie die ganze französische Armee aus dem Ärmel schüttelte.

„Voilà le corps du maréchal Lannes! Voilà le corps du maréchal Bernadotte! Voilà le corps du maréchal Soult!“

Soult, der hinter der Elbe stand! –

„Je vous donne ma parole d’honneur, que vous êtes cernés par cent mille hommes! Je me trouve ici avec cent mille hommes, messieurs!“

Und dabei hatte der Gauner nicht mehr als tausend Mann und sechs Kanonen! Es wäre ein leichtes gewesen, sie zum Teufel zu jagen, wenn man auch nur den Gedanken eines Widerstandes zu hegen gewagt, und wenn nicht Massenbach so liederlich rekognosziert hätte.