„Kann ich dafür, daß die Offiziere das Geld für die Ausrüstung am Spieltisch vertun?“
Gerhard stand da, das Pferd am Zügel, und fragte nochmals ungeduldig:
„Der Weg nach der Regimentsschreiberei?“
Der Alte beachtete die Frage kaum, setzte sich gemächlich auf einem Feldstein zurecht, zog den Tabaksbeutel, stopfte die Pfeife, schlug Feuer, setzte sie in Brand und zeigte auf die Fahne, deren tiefblaues Tuch sich in wogenden Wellenlinien warf. Sie breitete sich aus, ließ ihr gelbes Kreuz in der Sonne aufleuchten und sank dann in sanft weichenden Buchten zurück, um wieder Wind zu fangen und von neuem das Spiel zu beginnen.
„Die Fahne,“ sagte der Futtermarschall, „die kann sich schon sehen lassen! Auf die könnt Ihr stolz sein, aber nicht auf die Regierung, die heute ihre Ehre so mäßig schirmt! [pg 21]Einst – so vor hundertundfünfzig Jahren war’s wohl –, da flatterten die blauen Fahnen mit dem gelben Kreuz lustig übers Meer hinaus. Nach allen Richtungen hin flogen sie, als wollten sie den schäumenden Fluten Eystrasalts zurufen: ‚Fortan seid ihr schwedisch – die ganze Ostsee ist von jetzt ab ein schwedischer Binnensee!‘ Als ich mit dem hochseligen König Karl“ – er zog wieder den Hut – „in den Krieg zog, da hielten wir noch das ganze Land um die Ostsee herum. Als wir aber nach achtzehn Jahren wieder geschunden nach Hause zurückkehrten – da wagte die blaugelbe Fahne sich kaum noch im Baltikum zu zeigen, die moskowitischen Mordbrenner verheerten aber lustig die schwedischen Küsten, und rein aus Gnaden ließ man uns beim faulen Friedensschluß das bißchen Pommern und die Insel. Und die sollen wir jetzt auch noch verlieren! Zu dem Zweck ziehen wir jetzt mit leeren Kriegskassen, auf lahmen Pferden hinaus in den Krieg! Und das wollt Ihr, junger Herr, noch mitmachen?!“
„Den Weg nach der Regimentsschreiberei will ich wissen, weiter nichts!“ rief Gebhard nochmals ungeduldig und schlang die Zügel um das Handgelenk.
„Ich werde Euch schon den Weg zeigen! Aber wißt Ihr auch, warum Ihr ihn gehen werdet?“
„Warum denn sonst! Um mich bei euch Schweden als Kämpfer anwerben zu lassen!“
„Als Kämpfer wofür?“
„Für die Krone Schwedens –“