„Sie lieben mich also?“ fragte sie. „Sie lieben mich sehr – – au! – Sie tun mir weh!“, rief sie im selben Atemzug dem Chirurgen zu.
„Ich finde nichts – ich finde absolut nichts!“ stöhnte dieser, und große Schweißtropfen perlten auf seiner Stirn.
„Und Sie sind um meinetwillen direkt von Paris gekommen?“ fragte sie und sah den Alten neugierig an. „Allein um meinetwillen? – Und Sie auch, Monsieur Corvisart? [pg 220]– Und Sie sind die berühmtesten Ärzte, die es heute gibt – die geschicktesten und teuersten von allen?“
Und als auch das bejaht wurde, und zwar vom Kaiser selbst, da schlug sie die Hände zusammen, lachte toll auf, wie ein verzogenes Kind, dem ein Spaß gelungen ist, gab dem Hühneraugenoperateur einen Nasenstüber mit ihrem nackten Fuß, daß er vor Erstaunen zurückfuhr und sitzenblieb, lachte noch toller auf, wälzte sich auf ihrem Lager vor Vergnügen und schrie: „Mir fehlt ja gar nichts! – Ich habe nur sehen wollen, ob Sie mich lieben, Sire, und ob Sie ohne Zögern und ohne Murren alles für mich tun würden – alles, was ich will!“
Sie flog dann auf und warf sich dem Kaiser, der in der ersten Überraschung sich zornig erhoben hatte, um den Hals, küßte ihn mitten auf den Mund und herzte und streichelte ihn und kümmerte sich dabei gar nicht um die beiden Ärzte, die mit offenem Munde dastanden.
„Sie lieben mich also, Sire, Sie lieben mich über alles?“
„Über alles, Gräfin!“
„Et la Pologne, ma patrie – vous me la libérerez, n’est ce pas?“ lispelte sie noch bestrickender.
Napoleon lachte laut auf.
„Da drückte wohl der Schuh!“ rief er übermütig. „Gehen Sie, meine Herren, da bedürfen wir Ihrer Kunst nicht! Da bin ich der rechte Arzt! Gehen Sie, König, freuen Sie sich Ihres Nasenstübers, den Sie von diesem schönen Fuß bekommen haben. Der Fußtritt adelt, sagen Sie’s Constant, und er soll mich daran erinnern!“