Die Ärzte gingen und überließen es dem Kaiser, die Kur zu vollenden.

Eine halbe Stunde später saß er seelenvergnügt in seiner Badewanne und regierte von dort aus die Welt, daß es nur so eine Art hatte.

Die Wanne umstanden in gemessener Entfernung der Generalstabschef Berthier, der Generaladjutant General Dänzel, der Architekt der Tuilerien, der Generaldirektor der [pg 221]Museen, der Geheimsekretär Meneval und mehrere Gehilfen, während Constant und Roustan mit dem Kaiser hantierten, und Corvisart und König das Kneten und Frottieren überwachten und gelegentlich selbst mit Hand anlegten.

Und Napoleon bekam nie genug.

Er rief Roustan zu, für mehr und noch wärmeres Wasser zu sorgen – lachte über die roten und erhitzten Gesichter seiner Getreuen, die bald halb erstickt aussahen, befahl, die Kuriere mit den Portefeuilles der Ministerien vorzulassen, ließ sich aus den Akten vortragen, traf Entscheidungen, diktierte Randbemerkungen und Antworten, unterzeichnete – immer noch in der Badewanne sitzend – Heiratskonsense und Ernennungen, Gnadenbewilligungen, Amtsenthebungen, Erlasse und Dekrete, kommandierte, scherzte, lobte und zankte, alles in einem Atem.

„Schreiben, Meneval!“ rief er, und Meneval setzte sich an einen Tisch und legte Papier und Feder zurecht.

Der Kaiser diktierte.

„An Fouché: – Madame de Staël, die wir, wie er wohl weiß, nicht ausstehen können, ist, laut Rapport, wieder in Paris. Sie mag ihr Recht auf ‚freie Individualität‘ anderswo zur Schau tragen! An der Seine nicht! Er soll sie gleich ausweisen! Die ehemaligen Jakobiner aber nicht. Das ist nicht mehr nötig! Was noch von ihnen da ist, ist harmlos – längst kapitalistisch eingekapselt! Sie sind alle satt und träge und haben ihre Giftzähne längst verloren. Bei der letzten Rezeption in der Akademie hat der Abbé Sicard in unpassenden Ausdrücken über Mirabeau gesprochen! Wir wollen keine Reaktion der öffentlichen Meinung! Fouché soll über Mirabeau lobend sprechen lassen.

An Junot schreiben: Die Kontinentalsperre gegen England gilt auch für die kaiserlichen Marschälle und insbesondere für ihre Frauen. Ihre Weiber – schreiben Sie Weiber, Meneval! – Ihre Weiber mögen Kräutertee trinken, der ist ebensogut wie der Karawanentee, Zichorienkaffee ebenso gesund wie der arabische! Und sie mögen sich hüten, daß ich [pg 222]nicht gewahr werde, wie sie Kleider von englischen Stoffen tragen. Er soll das auch Madame Junot nachdrücklichst einschärfen!

Dem Erzkanzler Cambacères: Wir sind über die Unzufriedenheit und den Pessimismus der Pariser erstaunt. Sie keifen, weil wir hier an der Weichsel aufgehalten werden, und deuten unseren Sieg bei Eylau in eine Niederlage um, weil er kein Austerlitz war. Sie sind verwöhnt. Das gesellschaftliche Leben siecht dahin, weil wir und unsere Marschälle nicht in Paris sind! Das geht nicht. Man soll Feste geben! Er, Cambacères, und auch Lebrun sollen da mit gutem Beispiel vorangehen! Man soll Verschwendung treiben, Geld unter die Leute bringen, Millionenbestellungen an die Industrie vergeben, damit die Arbeiter gut bezahlt, satt und zufrieden werden! Man soll in allen kaiserlichen Schlössern das Meublement mit kostbaren Seidenstoffen neu beziehen, man soll Stiefel, Riemen und so weiter für die Armee bestellen, die Handwerker mit Aufträgen mästen – –