Inzwischen saß Blücher schon in aller Frühe beim Whist in seinem engen Quartier zu Rosenberg, das er mit dem Rittmeister von Eisenhart und seinen Söhnen bewohnte.

„Heute bin ich wohl mit dem linken Fuß zuerst aus dem Bett gestiegen!“ brummte er, schlug eine Karte nach der andern auf den Tisch und sah manchen schönen Stich an seiner Nase vorbeitanzen. „Das kommt davon, wenn man zu vieren in einem engen Zimmer logieren und verschämt tun und sich drehen und wenden muß, bis man das Gefühl [pg 224]für rechts und links verliert! Verflucht noch einmal, Pfalzgraf! Gib endlich bessere Karten, gib mir nur ein einziges Mal die Honneurs! Immer und ewig kannst du mir nicht zumuten, dazusitzen und zuzusehen, wie du den großen Schlemm machst! Andere Karten, sonst spiele ich nicht mit euch!“

Lachend strich Eisenhart die Karten zusammen, mischte und teilte sie wieder in vier Haufen aus.

Blücher nahm seine Karten, ordnete sie und brummte dabei wiederholt in seinen Bart. Schließlich legte er sie vor sich auf den Tisch.

„Es nützt ja doch nichts!“ sagte er verdrießlich. „Solange wir hier in dem verfluchten Nest festsitzen, ist’s nichts! Alles geht mir wider den Strich, seit ich Hamburg verließ! Zum Platzen ist das!“

„Exzellenz werden auch einmal gute Karten kriegen!“ tröstete Eisenhart.

„Sie werden mir keine geben, und die beiden Lausebengels noch weniger!“ antwortete Blücher und schielte nach seinen beiden Jungen, die auch mitspielen mußten. „Die freuen sich schon, wenn sie mich hereinlegen können! Übrigens ist das das wenigste. Die ganze Art, wie die Franzosen mich behandeln, ist’s! Die ist empörend! Entweder man wechselt mich aus, oder man tut es nicht! Zum besten halten gibt’s nicht. Ich habe mich ehrlich mit ihnen geschlagen und nicht wie ein Hanswurst. Die halten mich aber zum Narren. Wenn’s denen mit der Auswechslung ernst gewesen wäre, dann hätten sie mich doch zu Schiff über Kopenhagen reisen lassen können, wie ich wollte. Und hätten ihren Monsieur Victor auf demselben Wege mit Handkuß retourbekommen. Aber nein. ‚Der Kaiser Napoleon will Sie sehen! Der Kaiser will Sie sprechen!‘ hieß es. Und da muß ich alter Mann in dem hundsmiserablen Märzwetter wochenlang auf den Wagen liegen und mir die Knochen durcheinanderrütteln lassen und hinter dem kleinen Kerl herreisen, bis in die dunkelste Polackei hinein! Bis China wäre es noch so weiter[pg 225]gegangen, hätten unsere Leute sich nicht endlich auf ihre preußische Waffenehre besonnen und bei Eylau dem Franzmann Halt geboten. Und da sitze ich nun bald zwei Wochen hier und fange Fliegen und langweile mich mit eurem faulen Whist herum und werde von euch beschummelt und lasse mich von den französischen Lümmels zum Narren halten.“

Eisenhart bedeutete ihm, vorsichtig zu sein, und sah sich besorgt um.

„Ach was, Pfalzgraf!“ rief Blücher ärgerlich und fing wieder an seine Karten zu sortieren. „Die werden schon wissen, woran sie mit mir sind! Da brauche ich kein Blatt vors Maul zu nehmen!“

„Sie glauben im Gegenteil, Eure Exzellenz für ihre Sache gewonnen zu haben!“