„Mag sein, daß Er recht hat, Pfalzgraf. Aber auf die Vorschläge Napoleons gehe ich nicht ein. Ich bin keine solche [pg 226]Schlafmütze wie die Herren Lucchesini und Zastrow, die da beim Herrn Napoleon in Charlottenburg bettelten und ihm gleich mit Kußhand ganz Preußen links von der Elbe schenken wollten, mitsamt allen Festungen bis zur Weichsel und Abkehr von Rußland und Gott weiß wie viele hundert Millionen noch dazu! Ich werde dem König nicht raten, Frieden zu schließen! Ich werde ihm sagen, wie’s hier hinter der französischen Front aussieht, und wie leicht es wäre, jetzt einen Schlag zu tun. Das werde ich, hol’ mich der Deibel, dreimal verflucht! – Und dann, will’s Gott, hauen wir die Bande in die Pfanne. Aber kein Wort sag’ ich anders, keinen Ton pfeife ich aus einem anderen Loch, wenn ich im Hauptquartier bin.“
„Das sollen Exzellenz auch nicht tun. Aber erst müssen wir mit unseren Nachrichten da sein, und zwar möglichst bald, ehe die Verhältnisse bei den Franzosen sich bessern. Daher müssen Exzellenz versprechen –“
„Nichts verspreche ich, nichts, was ich nicht halten kann!“
„Im Krieg ist jede List erlaubt. Exzellenz, als alter Husar, werden schon oft in die Lage gekommen sein, den Feind zu täuschen!“
„Das schon – das schon!“
„In der nämlichen Lage sind wir jetzt auch. Und da habe ich im Namen Eurer Exzellenz versprochen, und das haben wir, der General Le Camus und ich, zu Papier gebracht, daß Exzellenz bei unserem König für einen seperaten Frieden zwischen ihm und den Franzosen eintreten wollen, in dem uns Preußen bis zur Elbe wieder herausgegeben wird.“
„Ein separater Friede? Bist du des Teufels, Junge? Sollen wir die Russen im Stich lassen?“
„Die Russen werden sich’s nicht lange überlegen, ob sie uns im Stich lassen sollen, wenn die Versuchung in der geeigneten Weise an sie herantritt. Ich habe es versprochen! Exzellenz brauchen bloß ja und amen zu sagen! Und nachher, wenn wir frei sind, tun wir, was wir wollen! Das ist erlaubte Kriegslist, weiter nichts.“
Die Söhne Blüchers redeten ihm auch zu.
„Kinder, ihr macht mit mir, was ihr wollt! Was werden die Franzosen von mir denken!“