„Halt’s Maul!“ rief Gebhard ärgerlich, gab seinem Pferd die Sporen und folgte den anderen, denen er bald weit voraus war.
Die Schweden waren dabei, einen Vorstoß in die Uckermark zu machen und tasteten sich durch den Kavelpaß, an der pommerschen und mecklenburgischen Grenze vorwärts, die Preußen vor sich hertreibend. Gebhard, der mit seinen Leuten immer den anderen voran war, um aufzuklären, hatte Glück. Denn durch das schneidige Vorgehen der Sparreschen Husaren wurden eben seine grimmigsten Gegner, die schwarzen Bellingschen Husaren, abgeschnitten. Aber sie schlugen sich durch. Und als die Schweden wieder zurückgingen, um Quartiere zu suchen, waren jene gleich hinterher [pg 25]wie ein Schwarm Hornissen und waren aus Verfolgten Verfolger geworden.
Gebhard, dem es mehr zusagte, den Feind zu suchen als vor ihm zurückzugehen, blieb ihm mit der Nachhut fest an der Klinge.
„Bischt zurückbliewe, Bübele?“ rief ihm ein hünenhafter Kerl von den Bellingschen zu, mit dem er oft Hieb und Schimpfwörter gewechselt hatte. „Eil’ dich! Sonst fange dir die andere den Fisch aus der Ostsee vor der Nas’ weg!“
„Erst schlachte ich mir ein paar von euch schwäbischen Krähen zum Angelfraß!“ lachte Gebhard und zog vom Leder.
„I werd’ di scho’ schlachte, Bübele!“ rief der Lange und ritt auf ihn zu. Gebhard warf aber sein Pferd herum und entging so mit knapper Not der Gefahr, umgeritten zu werden.
„Hast wohl das Reiten auf der Schulbank gelernt?“ höhnte Gebhard.
„I bring di noch auf die Schulbank! I schaff’ dir noch Maniere!“ rief der Lange, feuerte seine Pistole auf das Pferd Gebhards ab, daß es sich bäumte und den Reiter abwarf, fing dann mit geschicktem Schwung den Fallenden auf, zog ihn quer über seinen Sattel und sprengte davon.
Und Gebhard ließ es zu. Im Augenblick des Fallens ging mit ihm eine sonderbare Veränderung vor. Er war aus der Wirklichkeit jäh wieder in seinen Traum versetzt, fühlte sich wieder, von den Adlerkrallen gepackt, im weiten Flug durch die Lüfte fortgetragen, schloß die Augen und erwartete nun, im Adlernest zu landen. So lebhaft war die Vorstellung, daß alles andere um ihn schwand und er wie gelähmt dalag und sich ohne Widerstand fortführen ließ. Er sah nichts, hörte nichts und wußte nicht, was mit ihm geschah.
Durch die ohnmachtähnliche Lähmung aller Sinne drangen ins Bewußtsein nur die Worte des alten Futtermarschalls, die er ihm zurief, als er heute zu Pferde stieg: „Wie’s anfängt, so hört’s auch auf.“