Zuerst fiel ich doch auf ihn herein!
Kein Wunder bei der Zaghaftigkeit und Unentschlossenheit da oben bei uns!
Es war direkt erfrischend, als ich zuerst sah, wie er seine viel zu friedfertigen Generäle schurigelte und Feuer hinter ihnen zu machen wußte!
Mit dem Manne läßt sich etwas anfangen, dachte ich gleich! Ganz ein König, wie ich ihn gebrauchen kann!
Als ich aber zum Losschlagen fertig war und er immer noch nicht seinen Waffenstillstand mit den Franzosen auf[pg 269]kündigen wollte, da gingen mir die Augen auf. Ich dann wie der Blitz nach Stralsund und hinauf zum König!
‚Majestät,‘ sagte ich, ‚die pommersche Armee steht schlagfertig an der Peene aufmarschiert und bereit, in Preußisch-Pommern einzurücken, sobald die schwedische mittut! Wir dürfen keine Zeit versäumen! Danzig ist leider Gottes nicht mehr zu retten, aber Kolberg hält sich noch, das retten wir, und Spandau und Stettin nehmen wir durch Überrumpelung sofort, wenn wir nur nicht zaudern! Mir können Majestät vertrauen, meinen Unterführern auch. Der Oberst Bülow hat die Infanterie in die beste Verfassung gebracht, Borstell die Kavallerie, und die Freischaren Schills und Marwitzens stören schon dem Franzosen seinen Schlaf! Die besten Pferde aus Schleswig-Holstein stampfen in meinen Ställen vor Ungeduld, ihren Hafer zu verdienen. Flinten und Kanonen sind funkelnagelneu nebst Pulver und Blei aus England angelangt und gehen von selbst los, wenn wir nicht schießen. Und was die Leute betrifft – es waren allerdings nur viertausendachthundert, die ich aus Pillau mitbrachte. Sie sind aber in den paar Wochen durch Freiwillige und Ranzionierte auf das Doppelte angewachsen, kaum daß ich einen Aufruf veröffentlicht hatte! In dem Augenblick, wo wir über die Grenze gehen, werden die Leute in hellen Haufen zu unseren Fahnen strömen. Meine Armee wird wie ein Schneeball wachsen, sehen die Leute bloß, daß wir Ernst machen! In Mecklenburg, Hannover, Westfalen, Hessen ist alles vorbereitet, alles wartet. Im Handumdrehen werden wir das ganze Volk unter Waffen haben. Und der Krieg ist gewonnen! Nur frisch gewagt, und wir machen das Spiel!‘
Der König kümmerte sich aber nicht darum! Er hörte kaum zu.
‚Hör’ Er, Blücher!‘ sagte er nur. ‚Komme Er mit! Ich will Ihm etwas zeigen!‘
Und dann stiefelte er los durch die Stadt nach den alten Außenwerken hin, kletterte in einer Bastion hoch, stellte sich da dicht hinter die Brustwehr, die Arme verschränkt, stand [pg 270]so eine Weile Statue, zeigte mir sein heldisches Profil und blickte über die Gegend hinaus.
Dann fing er an, mit großen Gesten in alle Himmelsrichtungen hineinzuzeigen, und legte los.