Im Schlosse zu Köthen saß der Kronprinz Karl Johann von Schweden, alias Marschall Bernadotte, bei der Morgentoilette. Die geschickten Hände seines Kammerdieners befreiten seine, trotz den fünfzig Jahren, immer noch rabenschwarzen Locken von den unzähligen Papillotten, in die sie über Nacht gewickelt waren, und ordnete sie in dekorativem Wirrwar um das scharf geschnittene Profil herum, das so recht dazu geeignet war, auf Münzen und Medaillen majestätisch zu wirken.

Zur Münze geschlagen, hält der Mensch den Mund, und das ist bei manchem gekrönten Haupt entschieden von Vorteil.

Noch war der Advokatensohn aus Pau ja nicht so weit in der Karriere gediehen. Er plapperte also rüstig drauflos.

Sein schwedischer Adjutant, der in ehrfurchtsvoller Haltung wartete, bekam einen Erguß über alles mögliche, was die neugefürstete Seele seines Gebieters momentan bewegte.

„Wir schreiben also sofort an den General Blücher, daß der Kaiser Napoleon auf das rechte Elbufer übergegangen ist, unsere Rückzugslinie ernstlich bedroht und uns nötigt, zu retirieren und über die Elbe zurückzugehen. – Wir fordern den General auf, uns mit der Schlesischen Armee zu folgen. Und, damit er es auch tut –, deuten Sie ihm an, wir hätten uns bei dem Kriegsrat in Trachenberg von den Monarchen zusichern lassen, gegebenenfalls und insbesondere bei gemeinsamen Unternehmungen auch über ihn und seine Armee den Oberbefehl zu führen.“

Der Adjutant machte sich eiligst Notizen.

„Es ist an der Zeit, mit der Legende aufzuräumen, ein ehemaliger Marschall von Frankreich wäre gerade gut genug, [pg 309]in Deutschland ein subalternes Kommando zu führen! Wozu hat man mich wohl gebeten? Man überhäuft mich mit Komplimenten – man macht mir Versprechungen – der Kaiser Alexander selbst wurde nicht müde, zu betonen, er hätte mit mir die Strategie Napoleons in die Dienste der Verbündeten gestellt! – Nun, er hat nicht zu sehr danebengegriffen. Aber wem gab man den Oberbefehl? – Mir etwa? Nein, dem Fürsten Schwarzenberg!

Wer ist Fürst Schwarzenberg? Auf welchem Schlachtfelde wurde sein Name bekannt und berühmt? Auf keinem, wo ich mitgekämpft habe. Und wo habe ich nicht mitgekämpft? Wer gab bei Austerlitz die Entscheidung? Wer bei Wagram – und das in solchem Maße, daß Napoleon vor Neid fast platzte und sich zu Unbesonnenheiten mir gegenüber hinreißen ließ, um mir die Palme des Sieges zu entreißen.

Nun hat man mich – und läßt mich eine zweite – eine dritte Rolle spielen, und verspielt so das Ganze. Sie werden es sehen. Napoleon wird den Leuten ein Schnippchen schlagen. Und wenn nicht – dann haben sie’s meiner Vorsicht zu verdanken, die ihm stets zu entschlüpfen wußte.

Napoleon weiß schon, was er an mir hat!