Einzelne Lichter bewegten sich langsam hin und her über das Schlachtfeld, hielten an und kehrten in die Richtung, aus der sie gekommen waren, zurück. Und wo sie anhielten, erhob sich das klagende Gestöhn zu neuer Stärke, und die [pg 315]Hilferufe wurden wieder laut. Sie galten den Militärärzten, die die Verwundeten aufsuchten, aber bei der reichen Ernte, die heute der Tod gehalten hatte, nur den wenigsten helfen konnten.

Ringsherum, soweit das Auge blicken konnte, flammte Feuer an Feuer der biwakierenden Truppen.

Zäune, Obstbäume, die Häuser der Dörfer, überhaupt alles Brennbare in der Umgegend, mußte herhalten, um die vielen Tausende von Feuern zu nähren, an denen die Soldaten all der Völker, die hier zusammengeströmt waren, um sich gegenseitig zu vernichten, ihre armseligen Süppchen kochten und ihre von den Strapazen der Märsche steifen Glieder gegen die Kälte der Oktobernacht zu schützen suchten.

Schatten huschten überall hin und her durch die Nacht, tauchten hervor aus dem Dunkel, von dem Licht eines plötzlich aufflammenden Wachtfeuers gefaßt, duckten sich jäh und schwanden, um bald wieder anderswo zum Vorschein zu kommen.

Bald waren es Marodeure, Plünderer, Leichenfledderer, die sich an die Gefallenen heranmachten und, wo der Tod nicht rasch genug für ihre Beutegier gewesen war, mit dem Gnadenstoß nachhalfen – bald waren es Überläufer der französischen Armee – meistens Rheinbündler, die das Vertrauen zu dem Glück Napoleons zu verlieren anfingen und nun zu den Gegnern hinüberschlichen mit begierig empfangenen Nachrichten über Truppenzahl, Munition und Proviantvorräte und mit der Versicherung, daß die deutschen Hilfsvölker Napoleons bereits entschlossen wären, regimenterweise überzugehen, wenn noch weitergekämpft werden würde. Daß Napoleon an den Rückzug dachte, wußten sie alle, und auch, daß er’s nicht tat, sondern sich bis zum letzten Atemzug schlagen wollte.

Die Stadt Leipzig hob ihre dunkle Masse gespenstig aus dem Ring von Wachtfeuern heraus, der sich um sie herumschlang und deren Widerschein rötlich auf dem mit Wolken bedeckten Himmel lag.

Von den Türmen der Stadt flammten einzelne Lichter auf, sonst war alles dunkel, und nur ein gedämpftes Geräusch zeugte von dem Leben, das sich noch drinnen bewegte.

Dicht an der Ziegelei im Dorfe Möckern an der Elster loderte und flammte ein großes Biwakfeuer. Alles schlief drum herum, nur ein einzelner Schatten ging langsam auf und ab.

Eine kleine Truppe von Reitern trabte heran. Ihr Führer sprang vom Pferde, trat auf den Schatten zu und salutierte.

„Melde gehorsamst: Graf Henckell von den westpreußischen Dragonern, kommandiert, das Hauptquartier zu decken! Haben Exzellenz besondere Befehle?“