Während seine Generalstabsoffiziere die Schreibarbeit versahen und die Dispositionen für den nächsten Tag ausfertigen, während Isegrim schimpfte und nörgelte, machte er praktische Arbeit und legte selbst Hand an die Bergung und Unterbringung der Verwundeten.

Jedes Leben, das er hier noch retten könnte, würde er hüten wie eine große Kostbarkeit. Seine Tapferen hatten durch ihren Heldenmut heute vielleicht das Zünglein der Wage auf Sieg gerückt, und nichts wäre zu kostbar, um das zu lohnen.

Denn, er fühlte es, er war zur rechten Zeit mit ihnen hergekommen.

Drüben, jenseits Leipzigs, hatte es den ganzen Tag gewaltig gedonnert. Bei der Schlamperei der Hauptarmee und mit der ganzen Hauptmacht Napoleons gegen sich, hatte man wohl dort keinen entscheidenden Erfolg errungen. Aber auch keine Niederlage erleiden können, nachdem es Blücher gelungen war, hier bei Möckern Marmont festzuhalten und ihn daran zu hindern, zur Unterstützung zu eilen.

Wäre nur die Kronprinzenarmee zur rechten Zeit hier eingetroffen! Hätte Bernadotte nur seine Pflicht getan – da wäre es möglich gewesen, auch die beiden russischen Korps der Schlesischen Armee bei Möckern einzusetzen, statt sie nur als Sicherung gegen mögliche Überraschungen aus der linken Flanke aufzustellen! Dann hätten seine Preußen sich nicht verbluten müssen!

„Kinder, wer heute abend nicht tot oder wonnetrunken ist, der hat sich geschlagen wie ein Hundsfott!“ hatte er vor Beginn der Schlacht seinen Leuten zugerufen.

Und sie hatten sich wie Helden geschlagen.

Manch sangesfroher Mund war verstummt für immer. Aber die noch da waren, sangen um so froher.

Während des Gesanges war alles still geblieben. Auch ein paar Leute, die auf einer aus zusammengelegten Gewehren zurechtgemachten Bahre einen verwundeten Husaren trugen, blieben gerade vor Blücher stehen, setzten ihre Bürde ab, entblößten ihre Häupter und sangen mit.

Blücher blickte hin. Es war ein Graubart wie er selbst. Er lag da in der Uniform der schwarzen Husaren, unbeweglich ausgestreckt, und stöhnte leise.